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Frankfurt : So viele Verbrechen wie lange nicht

Tatort eines ungeklärten Verbrechens: Ein Polizist durchsucht im Januar diesen Jahres das Haus, in dem der erschossene Sportwettenunternehmer gefunden wurde. Bild: dpa

2014 war in Frankfurt ein Jahr mit vielen Morden – die meisten sind geklärt. Ein Überblick über ein nicht „ganz normales“ Jahr für die Ermittler.

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          Dass ein Jahreswechsel mit einem Verbrechen beginnt, kommt nicht selten vor – nach Auskunft von Kriminalpsychologen sogar ziemlich häufig. Denn Weihnachten, so sagen sie, sei eine „hochemotionale Zeit“. Viele Familien seien sich an den Festtagen so nah wie selten, komme es zum Streit, sei die Gefahr hoch, dass die Situation eskaliere.

          Katharina Iskandar

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Dieses Weihnachtsfest ist für die Frankfurter Polizei so gesehen fast schon eine Ausnahme gewesen. Denn zum Ausklang des Jahres ist es in der Mainmetropole ungewöhnlich ruhig geblieben – ganz anders als in den zwölf Monaten zuvor. Aus Sicht der Ermittler ist das Jahr 2014 nämlich kein „ganz normales“ gewesen. Nur zwei Tage nach Neujahr ereignete sich der erste Mord – und der sollte nur der Auftakt zu einer ganzen Reihe von Tötungsdelikten sein. Das ganze Jahr über wurde in Frankfurt und Umgebung geschossen, erstochen und anderweitig getötet. So viel wie lange nicht mehr.

          Mysteriöser Kopfschuss-Mord

          Eines der Verbrechen, das die Polizei bis heute vor ein Rätsel stellt, war der Mord an dem Wettspielbetreiber Oliver F. am 3. Januar 2014. Am helllichten Tage wurde der Mann in Frankfurt-Sachsenhausen im Innenhof des Gebäudes, in dem er sein Büro hatte, erschossen. Nach bisherigen Erkenntnissen lauerte der Täter dem Geschäftsmann auf und schoss ihm zwei Kugeln in den Kopf. Es gab keine Zeugen und keine brauchbaren Aufzeichnungen von Überwachungskameras. Die offizielle Stellungnahme der Polizei lautet bis heute, sie ermittle „in alle Richtungen“. Allerdings, so ist aus dem Kreis der Ermittler zu hören, wird ein geschäftliches Motiv vermutet. F., der das Unternehmen Happybet zusammen mit seinem Bruder aufgebaut hatte, soll Gerüchten zufolge geplant haben, aus bestehenden Verträgen mit ausländischen Wettanbietern auszusteigen, um unabhängig zu sein. Nach Ansicht der Ermittler ging es möglicherweise um viel Geld. Selbst wenn der eigentliche Schütze jemals gefasst werden sollte, sei fraglich, ob die Hintermänner ermittelt werden könnten, glauben die Beamten. Denn nach allem, was die Auswertung der Spuren bisher ergeben hat, handelte es sich um einen Auftragsmord.

          Weit weniger rätselhaft ist der Mord an zwei Afghanen vor dem Frankfurter Landgericht am 24. Januar 2014. Der Prozess gegen den mutmaßlichen Täter, den 48 Jahre alten Afghanen Hamayon S., wird gerade vor dem Landgericht verhandelt. Das Motiv scheint klar: Kurz nach der Tat sprach der heutige Frankfurter Polizeipräsident Gerhard Bereswill von „Blutrache“, einer Form der Selbstjustiz mit kulturellen Motiven.

          Rache - ein häufiges Motiv

          Auch der Prozess zeigt: Die Tat steht in engem Zusammenhang mit einem Verbrechen, das sich bereits vor sieben Jahren zugetragen hat, auf einem Parkplatz in Steinbach. Damals ging es um einen Streit zwischen Autohändlern, bei dem der Bruder von Hamayon S. getötet wurde – mutmaßlich von den beiden Männern, die S. schließlich vor dem Landgericht erschoss. Beide wurden in einem ersten Urteil freigesprochen. Hamayon S., so stellt sich die Tat heute dar, wollte seinen toten Bruder rächen. Die Frankfurter Polizei befürchtet weitere Racheakte zwischen den beiden afghanischen Familien – auch wenn es derzeit keine konkreten Hinweise darauf gibt.

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