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Frankfurt : So viele Verbrechen wie lange nicht

Die Morde vor dem Landgericht blieben nicht die einzige Tat, die von Rache getrieben war. Denn auch die tödlichen Schüsse, die im April 2014 im Frankfurter Stadtteil Nieder-Eschbach fielen, waren nach derzeitigen Erkenntnissen die Reaktion auf einen Streit, der schon länger zwischen zwei jungen Männern schwelte. Angeblich ging es um Drogengeschäfte. Der Fall des toten Kibrom T. beschäftigte die Polizei über Wochen hinweg. Auch deshalb, weil T. Mitglied der Rockervereinigung MC Gremium Fulda war und die Polizei zunächst befürchtete, es könne nach der Tat zu Racheaktionen aus diesen Kreisen kommen – was aber ausblieb.

Zeugen psychologisch betreut

Der mutmaßliche Täter, ein 27 Jahre alter polizeibekannter Deutsch-Afghane, tötete den Äthiopier KibromT. an jenem späten Nachmittag direkt neben einem Spielplatz, auf dem sich zu diesem Zeitpunkt mehrere Kinder aufhielten, mit rund 20 Schüssen. Wochenlang stand die Siedlung unter Schock. Anwohner, die die Tat aus nächster Nähe miterlebt haben, bekamen psychologische Betreuung. Einige von ihnen leiden noch heute unter den Eindrücken der Tat.

Nach der tödlichen Schießerei am Frankfurter Ben-Gurion-Ring erinnern am Tatort Trauerkerzen an das Opfer

Um Drogengeschäfte soll es auch bei der Schießerei gegangen sein, die sich nur wenige Tage später im Frankfurter Bahnhofsviertel ereignete. Angeblich war in einer Bar ein Rauschgiftgeschäft gescheitert, der Täter schoss dem Opfer, einem 23 Jahre alten Mann aus der Drogenszene, daraufhin auf offener Straße zweimal ins Bein. Der Mann überlebte schwer verletzt, der Schütze flüchtete unerkannt.

Eine umkämpfte Region

Gleich fünf Verletzte gab es im Bahnhofsviertel drei Monate später, als Mitglieder der Hells Angels aufeinander schossen. Von einem neuen Rockerkrieg wollte die Polizei damals noch nicht sprechen. Allerdings mehrten sich in den folgenden Wochen die Hinweise, dass sich der schwelende Konflikt zwischen deutschen und türkischen Hells Angels „auf die Straße“ verlagern werde. In Polizeikreisen heißt es inzwischen, es sei nicht auszuschließen, dass es auch künftig zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen den Gruppen kommen könnte. Das Rhein-Main-Gebiet ist den Ermittlern zufolge derzeit eines der am stärksten umkämpften Reviere für Drogen- und Prostitutionsgeschäfte, mit denen die Rocker in Verbindung gebracht werden.

Geklärt hat die Polizei in Frankfurt unterdessen den Mord an einem Gemüsehändler aus Bulgarien, der nach derzeitigen Erkenntnissen von einem Geschäftspartner erstochen wurde. Bei der Tat, die sich im Juli ereignete, ging es um eine fünfstellige Geldsumme. Der Täter wurde nach einigen Wochen festgenommen.

Um viel Geld soll es auch in dem Fall des getöteten Ehepaars aus Maintal gegangen sein, der die Polizei mehrere Monate lang beschäftigte. Die Beamten hatten Blutspuren des zunächst vermissten Ehepaars auf einem Grundstück gefunden, das ihm gehörte und das es an einen 59 Jahre alten Mann und seinen Sohn vermietet hatte. Diese beiden wurden verdächtigt, das Paar schließlich wegen Unstimmigkeiten über die Mietzahlungen umgebracht zu haben. Doch lange schien es, als bleibe das Tötungsdelikt ein „Fall ohne Leichen“. Erst vier Monate nach der Tat bekam die Polizei einen Hinweis und fand das Ehepaar auf seinem Anwesen – von den Tätern in der Erde verscharrt.

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