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Razzien der Polizei : Das sind Frankfurts Erfolge im Kampf gegen den Drogenhandel

  • -Aktualisiert am

Aus dem Verkehr gezogen: Im April ging die Polizei im Bahnhofsviertel gegen einen albanischen Drogenhändlerring vor. Bild: dpa

Fast täglich nimmt die Frankfurter Polizei im Bahnhofsviertel professionelle Drogendealer fest. Alle paar Wochen wird ein Händlerring zerschlagen. Die Strategie der Polizei geht offenbar auf – und es bleibt eine Erkenntnis.

          Die Razzia verlief schnell und leise: Am frühen Morgen des 24. Mai stürmten Beamte eines Spezialeinsatzkommandos eine Wohnung im Frankfurter Stadtteil Bornheim und nahmen einen 51 Jahre alten Deutschtürken fest. Der Mann gilt als Kopf eines größeren Rauschgifthändler-Rings, der über längere Zeit vorwiegend Kokain in großem Stil ins Rhein-Main-Gebiet geschmuggelt und dort verkauft haben soll. Der Fall schlug keine großen Wellen. Erst jetzt hat die Polizei Details veröffentlicht – dabei zeigt gerade dieses Beispiel, wie erfolgreich der Kampf gegen Rauschgifthändler der sogenannten mittleren Ebene inzwischen ist.

          Fast täglich verzeichnen die Beamten in Frankfurt Festnahmen in der Straßenszene, vor allem im Bahnhofsviertel. Alle paar Wochen wird ein Händlerring zerschlagen. Die Strategie der Polizei geht offenbar auf: Seit die Beamten erst mit der sogenannten BAO und nun mit der neuen Dienststelle die Strukturen des Drogenhandels im Bahnhofsviertel aufdecken, wird auch das Netz der Hintermänner sichtbar. Nicht nur der jüngste Fall in Bornheim zeigt das, sondern auch eine Razzia im Haus Niddastraße 51 im April, mit der die Polizei einen albanischen Drogenhändlerring zerschlagen konnte.

          Beschuldigte monatelang im Fokus der Ermittler

          Der bisher größte Ermittlungserfolg in dieser Serie wird derzeit vor dem Frankfurter Landgericht verhandelt. Angeklagt ist eine Gruppierung aus Marokko, die kiloweise Heroin aus den Niederlanden nach Frankfurt geschmuggelt und im Bahnhofsviertel verkauft haben soll. Im September vergangenen Jahres wurden mehrere Mitglieder der Bande im Stadtteil Niederrad festgenommen, als wieder einmal eine größere Lieferung mit rund vier Kilogramm Heroin eingetroffen war. Der Verdacht richtet sich gegen acht Männer und eine Frau. Die Ermittlungen liefen unter dem Codenamen „Caffè Latte“, in Anlehnung an das Lieblingsgetränk eines der Drahtzieher, wie bei der Observierung zu erfahren war.

          Monatelang hatten die Ermittler die Beschuldigten im Fokus. Sie observierten sie rund um die Uhr, verfolgten ihre Lieferwege und ihre Fahrten zu den Bunkern, in denen sie das Heroin portionsweise versteckt hatten. Außerdem wurden die Telefonate der Verdächtigen abgehört, in denen Verabredungen für die Übergaben getroffen wurden. „Man steht morgens mit den Verdächtigen auf und geht abends mit ihnen ins Bett“, berichtet einer der Ermittler, der anonym bleiben will. Wurde bei einer Lieferung auch nur ansatzweise der Zeitplan verändert, musste das gesamte Observationsteam reagieren – oft innerhalb von Sekunden. Der Sprecher des Landgerichts spricht „von einem der größten Verfahren im Zusammenhang mit Rauschgiftkriminalität der vergangenen Jahre“.

          Eine Erkenntnis der Polizei aus den zahlreichen Ermittlungen ist folgende: Es gibt im Drogenhandel in Frankfurt inzwischen keine dominierende Gruppierung mehr, wie es noch vor einigen Jahren der Fall war. Bis 2013 hatte eine mazedonische Rauschgiftbande den Heroin-Markt in der Mainmetropole beherrscht, bis die „AG Jade“, eine spezielle Ermittlungseinheit der Polizei, die Gruppe schließlich zerschlagen konnte.

          Nach den Worten eines Polizeisprechers ist „das Feld“ heute aufgeteilt, die Rauschgiftbanden agierten nebeneinanderher. „Die Szene ist differenzierter geworden. Auch in dem, was verkauft wird.“ Hätten sich die Banden früher auf jeweils eine Droge spezialisiert, werde nun die ganze Bandbreite angeboten. Die Polizei werde in ihren Bemühungen nicht nachlassen. Die jüngsten Erfolge seien „auch eine Motivation“.

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