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Frankfurter Palais Quartier : Verkauft für 800 Millionen Euro

Beste Innenstadtlage: Auf dem „Rundschau“-Areal plant Strabag einen Neubau. Die Deutsche-Bank-Tochter AWM kümmert sich künftig um die Vermarktung des Hotelturms. Bild: Fricke, Helmut

ECE, Deutsche Bank und Strabag haben das Palais Quartier in der Frankfurter Innenstadt erworben. Wie geht es nun mit dem Areal weiter?

          3 Min.

          Das Palais Quartier an der Frankfurter Hauptwache hat für 800 Millionen Euro den Besitzer gewechselt. Für diese Summe haben die zur Deutschen Bank gehörende Deutsche Asset & Wealth Management (Deutsche AWM) und das Hamburger Unternehmen ECE den Gebäudekomplex erworben. Verkäufer ist die zur Rabo Real Estate Group gehörende KP Investments.

          Rainer Schulze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die ECE beteiligt sich am Erwerb zu zehn Prozent und übernimmt das Management des Einkaufszentrums „My Zeil“. Die Deutsche AWM kümmert sich um Instandhaltung und Vermietung des Büroturms „Nextower“, des Hotelturms „Jumeirah Frankfurt“ und des rekonstruierten Thurn-und-Taxis-Palais. Das ebenfalls zum Palais Quartier gehörende ehemalige „Rundschau“-Areal, das seit dem Abriss des Verlagshauses brachliegt, wurde an Strabag Real Estate veräußert, dem Vernehmen nach für weniger als 40 Millionen Euro. Strabag plant dort einen gemischt genutzten Neubau mit Büros, Wohnungen und Geschäften. „Wir wollen mit der Realisierung zeitnah beginnen“, teilte ein Sprecher mit.

          Mehr junge Mode in „My Zeil“

          Die Deutsche AWM will sich auf die Vermietung des Büroturms konzentrieren, der nach dem Bau lange leer stand und jetzt zu 36 Prozent vermietet ist. Der Abteilungsleiter Jörn Stobbe zeigte sich zuversichtlich, dass auch die restlichen Flächen bald vermarktet sind.

          ECE will das fast vollständig vermietete Einkaufszentrum „My Zeil“ geringfügig umgestalten, um die Aufenthaltsdauer und Verteilung der Kunden über die einzelnen Ebenen zu optimieren. Unter anderem soll die oberste Ebene, auf der sich einige Gastronomieangebote befinden, zu einem „richtigen Food Court“ umgebaut werden, wie ein Sprecher sagte. Bei den Geschäften wolle man das Thema „junge Mode“ noch stärker zum Schwerpunkt machen. Auch der Übergang zum Hotelturm solle verbessert werden. Die Zukunft der benachbarten Zeilgalerie sei für das Unternehmen „kein Thema“.

          Bundeskartellamt hatte geprüft

          Im Jahr 2013 zählte das „My Zeil“ mit etwa 15 Millionen Besuchern zu den meistfrequentierten deutschen Shoppingcentern. Mit 50 000 Kunden am Tag sei die Frequenz im Einkaufszentrum „top“, sagte der Sprecher. Ein neuer Center-Manager soll sich um den Betrieb kümmern. Das Unternehmen will dabei auch die Synergieeffekte seiner inzwischen fünf Einkaufzentren in Frankfurt und Umgebung nutzen. Es gebe einen „riesigen Fundus an Aktionen und Events“, von denen die Kunden profitieren könnten. Durch den Erwerb des „My Zeil“ sei ECE aber „bei weitem nicht dominant“, sagte der Sprecher.

          Der Verkauf des Palais Quartiers ist auch kartellrechtlich geprüft worden. Zunächst hatte das Bundeskartellamt die Folgen der Transaktion untersucht, den Fall dann aber an Brüssel überwiesen. Die EU-Kommission entschied am 18. November, dass wettbewerbsrechtlich nichts zu beanstanden sei. Die Marktposition verändere sich durch den Verkauf nur moderat, es gebe noch andere starke Akteure auf dem deutschen Einzelhandelsmarkt. Ein Sprecher des Bundeskartellamts sagte, ECE habe „beachtliche Marktanteile in der Region“, der Wettbewerb werde aber nicht beeinträchtigt.

          Preis für Areal “erstaunlich hoch“

          Die Deutsche AWM hat das Palais Quartier für drei Spezialfonds institutioneller Anleger erworben. In der Immobilienbranche wird der Kaufpreis von 800 Millionen Euro als gut bewertet. Es sei „mit Abstand der größte Deal der letzten Jahre“, sagte Fabian Klein von dem Maklerunternehmen CBRE, das beratend tätig war. „Derzeit beobachten wir europaweit ein wachsendes Interesse an komplexen, mischgenutzten Objekten“, sagte Jörg Ritter, der bei dem ebenfalls involvierten Maklerunternehmen JLL für den Einzelhandel zuständig ist.

          Mit dem Verkauf des Palais Quartiers steuert der Frankfurter Investmentmarkt auf ein besonders hohes Jahresergebnis zu. Makler rechnen damit, dass in diesem Jahr mit dem Handel mit Immobilien mehr als fünf Milliarden Euro umgesetzt werden. Das wäre das zweitbeste Ergebnis aller Zeiten. Der Anlagedruck auf dem Investmentmarkt sei sehr hoch, sagt ein Fachmann. „Es ist Wahnsinn, wie viel Geld im Moment vorhanden ist.“ Der Preis für das Palais Quartier sei auch im Vergleich zur bisher schwierigen Vermarktung des Areals erstaunlich hoch.

          Das Palais Quartier wurde bis 2010 von der MAB, einer Tochter der niederländischen Rabobank, errichtet. Der Bauherr hat Insidern zufolge bei der Entwicklung Verluste gemacht. Für den Büroturm suchte MAB lange nach Mietern. Das nach den Plänen des Frankfurter Büros KSP Jürgen Engel Architekten errichtete Hochhaus soll auch konstruktive Schwächen haben. Insbesondere die Lage der Stützen sei nicht optimal, heißt es. Inzwischen ist der Turm aber zu mehr als einem Drittel gefüllt. Auch mit dem Thurn-und-Taxis-Palais tat sich MAB schwer. Nach langem Leerstand wird bisher nur ein Flügel gastronomisch genutzt. Auch der unterirdische Ballsaal wird bisher nur selten als Veranstaltungsort bespielt.

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