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Frankfurter Oper : Rassistische Ausgrenzung und menschliches Drama

Abwechslung: In „La forza del destino“ werden die Genres vom Melodrama bis zum Grotesken bedient. Bild: dpa

Tobias Kratzer inszeniert Verdis „La forza del destino“ und berichtete in der Einführungsveranstaltung „Oper extra“ von der dramatischen Handlung. In dem „sehr russischen Stück“ wird ab dem 27. Januar unter anderem ein Kriegsgeschehen aufgeführt.

          Der Titel „La forza del destino“ („Die Macht des Schicksals“) impliziere, dass in dieser Oper von Giuseppe Verdi etwas Unabänderliches vor sich gehe. Das sei aber nicht der Fall, hat jetzt der Regisseur Tobias Kratzer dargelegt. In seiner Inszenierung hat das Werk am 27. Januar in der Oper Frankfurt Premiere. Nun erklärte Kratzer, Jahrgang 1980 und im November als bester Musiktheaterregisseur mit dem „Faust“- Preis ausgezeichnet, seine Sicht bei der traditionellen Einführungsveranstaltung „Oper extra“.

          Guido Holze

          Freier Autor in der Rhein-Main-Zeitung.

          Denn dem tödlichen Schuss, der sich aus der Pistole von Don Alvaro löse, gingen „rassistische Ausgrenzung“ und ein sehr menschengemachtes familiäres Drama voraus: Don Alvaro hat eine andere Hautfarbe, und daher verbietet der Marchese von Calatrava seiner Tochter, eine Beziehung mit diesem „Mischling“ zu haben. Als der Marchese das Liebespaar überrascht, fällt der Schuss, und die beiden werden auf ihrer Flucht vor Leonoras rachsüchtigem Bruder Carlo voneinander getrennt. Diese Haupthandlung springe zwar über Länder- und Zeitgrenzen hinweg, sei aber im Grunde relativ einfach, befand Kratzer.

          Viele Tote und Filmeinspieler

          Zwischendurch verliere man jedoch als Zuschauer die Protagonisten aus den Augen, indem der ganze dritte Akt einem Kriegsgeschehen gewidmet werde, das mit der Haupthandlung nur „sehr lose“ verbunden sei, führte der Dramaturg Konrad Kuhn aus. Mit diesem Aufbau erinnere die Oper, die als Auftragswerk Verdis 1862 in Sankt Petersburg zur Uraufführung kam, etwa an Tolstois Roman „Krieg und Frieden“, sagte Kratzer. Es sei „ein sehr russisches Stück“. Jede der sechs Szenen bediene zudem ein ganz anderes Genre, vom Melodramatischen bis hin zum Grotesken. Gerade im dritten Akt wende Verdi dazu eine so „harte Schnitttechnik“ an, dass geradezu „eine schnelle Collage“ entstehe.

          Das Wechselbad von Gefühlen findet demnach auch formal Widerhall und soll sich in der Inszenierung von Kratzer, der in Frankfurt Meyerbeers Grand opéra „L’Africaine“ als Weltraumspektakel auf die Bühne gebracht hat, auch in „verschiedenen Spielweisen“ niederschlagen, wie er selbst sagte. Einige Szenen seien dazu doppelt zu sehen: einmal real auf der Bühne und zugleich als opulent ausgestatteter Film, der mit einer anderen Besetzung auf einer Probebühne gedreht worden sei. So sollen sich „Überblendungen“ ergeben. Gespielt wird in Frankfurt die selten aufgeführte, ungestrichene Sankt Petersburger Originalfassung, in der alle drei Protagonisten auf offener Bühne sterben. Erst für die späteren Aufführungen in Mailand habe Verdi nämlich eine entschärfte Fassung erstellt: In dieser bringt sich Don Alvaro, nachdem er sich am Ende als Mönch in ein Kloster zurückgezogen hat, nicht um, sondern wird von einem anderen Pater vom Selbstmord abgehalten.

          Die Premiere in der Oper Frankfurt beginnt am Sonntag, 27. Januar, um 18 Uhr. Die nächsten Vorstellungen folgen am 31. Januar sowie am 3., 7., 9., 15., 17., 23. und 28. Februar.

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