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Frankfurter Oper : Mit dem Maestro di concerto ins Maxim

  • -Aktualisiert am

Er hält alle zusammen: Ingo de Haas mit seiner Geige im Ballettsaal der Oper Frankfurt. Bild: Marcus Kaufhold

Er verbindet Musiker und Dirigenten, bereitet das Notenmaterial vor und ist Pausenmanager: Auf den Konzertmeister kann kein Orchester verzichten. In der Frankfurter Oper heißt er Ingo de Haas.

          „Konzertmeister? Ist das nicht einer, der Konzerte verwaltet?“ – „Hat das mit klassischer Musik zu tun?“ – „Vielleicht ein Dirigent?“ Vor dem Frankfurter Opernhaus lassen sich einige Passanten auf die Frage nach der altertümlich klingenden Berufsbezeichnung ein. Während ihre unsicheren Überlegungen draußen in der Winterluft hängenbleiben, steht im Orchesterprobenraum der Oper Ingo de Haas vom Sitz auf und wedelt mit dem rechten Arm kurz durch die Luft. Wie von Zauberhand gebannt verstummt das vielstimmige Gemurmel, Stühlerücken und Notengeraschel. Aufmerksame Spannung macht sich breit. Der Konzertmeister hat das Signal zum Beginn der Probe gegeben.

          „Wir spielen mal ein paar Takte“, sagt der Dirigent Hartmut Keil nach dem Stimmen der Instrumente aufmunternd zu den Musikern. Drei Tage später wird er die Wiederaufnahme der „Lustigen Witwe“ an der Oper Frankfurt leiten. Ein Blick über das Orchester, ein Schwenk der Augen Richtung de Haas, dann der Einsatz. Und schon geht sie los, die Ouvertüre, die in dieser Operette „Introduktion“ heißt: eine schmissige Melodie mit glänzenden Spitzen, Zweivierteltakt, sehr schnell und sehr laut, wie vorgeschrieben. Nach 40 Takten jedoch, am etwas gezügelten Übergang zu einer marschmäßigen Passage, gerät der Dampfer ins Schlingern. Keil schlägt ab, wieder ein Blick zum Konzertmeister, dann eine kurze Anweisung: „Noch mal von vorn.“

          Unverzichtbar als „Gelenk“ und mit Tradition

          Am ersten Pult der ersten Violinen, außen, hat er seinen Platz, der Mann, mit dem Keil ständig Kontakt hält. „Hier crescendo“, „piano anfangen“, „bei den Achteln nicht weglaufen“ – immer ist der Adressat der Konzertmeister. Keil bezeichnet ihn als „extrem wichtig“. Denn auch wenn die Noten und Vortragsanweisungen den Mitgliedern des Orchesters schwarz auf weiß gedruckt vorliegen, sind über sie hinaus unzählige Details abzustimmen, die letztlich die Interpretation ausmachen. Um wie viel lauter sollen die Musiker an der Stelle spielen, an der „crescendo“ steht? Wie leise soll das „piano“ klingen? Wird ein rhythmisch komplizierter Takt in Viertelnoten gezählt oder besser gedanklich in Achtel geteilt? Wären an solchen Entscheidungen alle Musiker beteiligt, endete die Probe wohl niemals. Also wendet Keil sich an denjenigen, den er als „verbindendes Gelenk“ zum Orchester bezeichnet – den Konzertmeister.

          Bei der Probe dieses Tages kann er sich auf einen erfahrenen Musiker verlassen. Fast 20 Jahre ist es her, dass de Haas seine Stelle an der Oper Frankfurt angetreten hat, übrigens als Nach-Nachfahr des Komponisten Paul Hindemith, der von 1915 bis 1923 Konzertmeister der Frankfurter Oper war. Ein anderer berühmter Ahnherr ist Wolfgang Amadeus Mozart, der Salzburger Hofkalender des Jahres 1775 weist ihn als „Concertmeister“ aus. Zu seiner Zeit wurden die akademischen Vertreter der Tonkunst noch gemeinsam mit dem Reit-, Tanz-, Fecht-, Zeichen- und Schreiblehrer zu den Exerzitien-Meistern gezählt. Nicht nur die altertümliche Bezeichnung „Konzertmeister“ lebt bis heute fort. Auf seine „extrem wichtige“ Position kann auch im 21. Jahrhundert kein Orchester verzichten.

          Alles bis ins Detail geplant

          Das fängt schon damit an, dass der Konzertmeister die Noten für ein neues Werk „einrichtet“, wie es im Fachjargon heißt. Er kümmert sich darum schon lange, ehe sie in der Probe auf den Pulten liegen. Dabei gehe es darum, erklärt de Haas, für Violinen, Bratschen, Celli und Bässe die Richtung der Bogenstriche festzulegen. Ist es doch meist nicht unerheblich für den musikalischen Ausdruck, ob ein Ton durch Streichen zur Bogenspitze hin oder von ihr wegstrebend hervorgebracht wird. Wo es ihm sinnvoll erscheint, legt der Konzertmeister auch die Fingersätze fest. Denn auch die Art und Weise, wie sich die Finger der Streicher auf dem Griffbrett bewegen, kann zur musikalischen Aussage beitragen. Auch über Fragen der Artikulation, etwa ob Töne breit oder spitz, eng miteinander verbunden oder leicht getrennt, hart oder weich erklingen sollen, hat sich der Konzertmeister im Vorfeld Gedanken zu machen.

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