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Oper Frankfurt : Wenn es klappert und zischt, klopft und rauscht

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Auch eine Operette ist geplant

Am 25. Oktober wird die zweite Premiere der Saison 2015/16 zu sehen sein, „Iwan Sussanin“ von Michail Iwanowitsch Glinka. Altmeister Harry Kupfer inszeniert diese Oper um einen heldenhaften Bauern, der zur Zeit des Polnisch-Russischen Kriegs (1609 bis 1618) die Besatzer in die Irre führt und das Land dadurch rettet. Am 29. November steht das Bravourstück des jungen Richard Wagner auf dem Programm, „Der fliegende Holländer“, der so lange mit seinem Geisterschiff über die Weltmeere fahren muss, bis ihn die Liebe der Seefahrertochter Senta erlöst. David Bösch inszeniert das stürmische Werk.

„Hänsel und Gretel“: Keith Warner hat Humperdincks Märchenoper inszeniert und viele irritierende Details eingebaut. Wie eine Hexe, die ein Mann ist.
„Hänsel und Gretel“: Keith Warner hat Humperdincks Märchenoper inszeniert und viele irritierende Details eingebaut. Wie eine Hexe, die ein Mann ist. : Bild: Monika Rittershaus

Auch an eine Operette wagt sich das Opernhaus wieder einmal, eine Sparte, mit der man sich im nüchternen Frankfurt immer schwergetan hat, schließlich macht das Leichte oft die meiste Mühe. Weshalb man dieses Mal gleich auf eine Inszenierung verzichtet hat und Franz Lehárs „Der Graf von Luxemburg“ zum Jahresende konzertant aufführt. „La Cantatrice Villane“ („Aufstieg der Sängerinnen“) von Valentino Fioraventi gehört nicht eben zu den bekannten Werken: Die 1799 uraufgeführte Opera buffa, die einen satirischen Blick auf das Opernleben der damaligen Zeit wirft, hat am 23. Januar im Bockenheimer Depot Premiere.

Fabeloper hat im April 2016 Premiere

Auch eine Rarität, inszeniert von Benedict Andrews: „Stiffelio“ von Giuseppe Verdi. Der Titelheld ist ein protestantischer Prediger, der seiner Gemeinde christliche Nächstenliebe und Barmherzigkeit nahebringen will, selbst jedoch dem hohen Anspruch nicht gerecht wird, als seine Ehefrau Lina ihm untreu wird. An Verzeihung ist da nicht zu denken. Am 18. und 20. Februar wird Verdis „Oberto“ konzertant gegeben. Eine szenische Deutung von Händels „Messias“ wird am 27. März vorgestellt, die David Freeman erarbeitet: Eine Reihe bedrängter Dörfler besinnt sich auf den Glauben. Und es geht weiter mit dem Barockmeister: „Radamisto“ wird unter der Regie von Tilmann Köhler im Bockenheimer Depot in einer Frankfurter Erstaufführung präsentiert.

„Das schlaue Füchslein“ von Leos Janáček hat am 24. April Premiere: Eine junge Füchsin gerät in Gefangenschaft, kann entfliehen und verliebt sich im Wald in einen Fuchs. Eine Fabeloper, die stark von der tschechischen Volksmusik inspiriert wurde. Und ein Stück über Natur und Zivilisation. Am 5. Juni schließlich wird mit Georges Bizets „Carmen“ in der Regie von Barrie Kosky endlich ein vermutlicher Kassenschlager angeboten. Es soll sich um die meistgespielte Oper der Geschichte handeln. Liebe und Leidenschaft sind allzeit interessant, in Frankfurt aber möchte die Inszenierung etwas tiefer forschen und nach dem Charakter der Titelheldin fragen. Um womöglich herauszufinden, dass er ein Geheimnis bleibt und diese Frau sich einfach nicht festlegen lässt.

Neue Saison mit mehr als 400 Veranstaltungen

So wie die Spielzeit mit einer späten Moderne beginnt, schließt sie mit der frühen: Am 26. Juni wird Christoph Loys Interpretation von Alban Bergs „Wozzeck“ zu sehen sein. Eine der bedeutendsten Opern des 20. Jahrhunderts, die Büchners „Woyzeck“ folgt und die Verstörung dieser Figur in Musik gefasst hat. Im Bockenheimer Depot beschließt am 7. Juli die Doppelaufführung von „Pierrot Lunaire“ von Arnold Schönberg und „Anna Toll oder die Liebe der Treue“ des 1983 geborenen Komponisten Michael Langemann die Spielzeit.

„Dich Hochzeit des Figaro“: Mozarts Oper ist die erste Wiederaufnahme in der neuen Spielzeit.
„Dich Hochzeit des Figaro“: Mozarts Oper ist die erste Wiederaufnahme in der neuen Spielzeit. : Bild: Wolfgang Runkel

Die Wiederaufnahmen bis zum Ende des Jahres sind Mozarts „Die Hochzeit des Figaro“ am 1. Oktober, Erich Wolfgang Korngolds „Die tote Stadt“ am 2. Oktober, Engelbert Humperdincks „Hänsel und Gretel“ am 29. Oktober, Verdis „Don Carlo“ am 7. November, Donizettis „Lucia di Lammermoor“ am 5. Dezember und Rossinis „Die diebische Elster“ am 11. Dezember. Im Mai 2016 wird Vera Nemirovas „Ring“-Zyklus wieder komplett gespielt. Alles in allem wartet Frankfurt in der neuen Saison mit mehr als 400 Musiktheater-Veranstaltungen auf.

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