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Frankfurter Neubaugebiet : Der letzte Acker

Wetterau statt Großstadt

Aber muss Frankfurt tatsächlich so weit draußen wachsen? Ziehen die Menschen nicht in die Großstadt wegen ihrer Urbanität und Dichte? Wer ein Reihenhäuschen auf dem Land sucht, kann doch gleich in die Wetterau gehen, meint der Architekt Stefan Forster. Das Neubaugebiet sei ein „dummer Vorschlag“. „Wer nach Frankfurt will, will nach Sachsenhausen, Bornheim, in die Großstadt, nicht aufs Dorf.“ Stadterweiterung am Fluss, Sachsenhausen weiterbauen, Umbau des Osthafens, Nachverdichtung der Fünfziger-Jahre-Siedlungen, das wäre logisch, findet er.

Die Felder gehören in großen Teilen städtischen Stiftungen und der Stadt. Der SPD schwebt wie beim Riedberg eine städtebauliche Entwicklungsmaßnahme vor. Das bedeutet: Die Gemeinde erwirbt die Grundstücke zu dem Wert, den sie ohne Aussicht auf das Wohngebiet hätten. Also zum Preis von Ackerland. Nach der Erschließung mit Straßen, Gleisen, Schulen und Kanälen kann sie das Gelände dann teuer als Wohnbauland weiterverkaufen. Von dem Erlös wird die Entwicklung der Infrastruktur finanziert.

Platz zwei hinter dem Riedberg

Wer auf den Stadtplan schaut, sieht, dass es in Frankfurt langsam eng wird. Zwar sind 25 Prozent der Stadtfläche Ackerland, ein weiteres Viertel Grünflächen, Parks, Kleingärten und Wald. Aber die Flächen, die überhaupt noch für Neubaugebiete zur Verfügung stehen, sind an einer Hand abzuzählen. Die meisten haben noch größere Beschränkungen als das Gebiet im Norden, stehen unter Naturschutz oder liegen wegen des Fluglärms im Siedlungsbeschränkungsgebiet. Die Stadt darf dort keine neuen Baugebiete ausweisen.

Schon einmal sollten die Felder zwischen Nieder-Eschbach und Nieder-Erlenbach bebaut werden. Der damalige Planungsdezernent Martin Wentz (SPD) war in den neunziger Jahren die ständigen Konflikte am Stadtrand leid: Er suchte nach Neubaugebieten - und wurde im Norden fündig. Auf der Rangliste landeten die Felder von Bauer Mehl auf dem zweiten Platz, hinter dem Riedberg. Der gewann nur, weil er näher an der Stadt lag. Nördlich von Bergen-Enkheim war damals eine weitere Fläche in der engeren Wahl. Aber die ist noch weiter von der Innenstadt entfernt und mittlerweile Siedlungsbeschränkungsgebiet.

Erfolgsgeschichte Riedberg

“Auch wenn der Riedberg noch besser werden könnte, ist er eine Erfolgsgeschichte“, sagt Wentz. Er erklärt seine damalige Strategie: „Erweitere ich Bestandsgebiete, dann hole ich mir die Verkehrsprobleme in die Stadtteile.“ Neue Viertel erhielten im Unterschied dazu eine eigene Anbindung, die alten Ortskerne seien nicht betroffen. Außerdem entfalle der Kampf an den Stadträndern um jedes neue Wohnprojekt. „Was will ich an einen Stadtteil heranbauen, der am Rand schon Reihenhäuser hat? Wer dort wohnt, macht einen Volksaufstand“, sagt Wentz.

Dass die Innenstadtviertel noch weiter wachsen, verhindert auch der Grüngürtel, eine Bebauung gilt als sakrosankt. Selbst an geeignete Restflächen, die nur einen geringen Erholungswert haben und auf denen das Etikett „Grüngürtel“ klebt, traut sich bisher kein Politiker heran. Zwischen Sachsenhausen und Oberrad etwa wäre Platz für eine sinnvolle Ergänzung. Die Kleingärten zwischen Gallus und Griesheim, Flächen nördlich des Huthparks in Seckbach, die Grüne-Soße-Felder in Oberrad: Fast alle zählen zum Grüngürtel.

„Die Industrie kommt nicht mehr zurück“

Was bleibt, sind die Felder im Norden. Eine Bebauung würde wohl 20 Jahre und mehr dauern. Der Wohnraum fehlt aber heute. Und manche bezweifeln, dass eine so große Reserve langfristig überhaupt nötig ist: „Die Gefahr besteht darin, dass wir über das Ziel hinausschießen“, sagt zum Beispiel der Projektentwickler Jürgen Groß. Er sieht Frankfurts Potentiale nicht auf der grünen Wiese, sondern in der Innenstadt: die Gewerbegebiete. Wo sie nur noch kümmerlich genutzt werden, etwa im Unterhafen oder an der Borsigallee, sollten sie in Wohngebiete umgewandelt werden. „Die Industrie kommt nicht mehr zurück“, sagt er. Groß findet, Frankfurt sollte „konzentriert“ wachsen. „Alles andere dauert zu lang und ist mit großen Problemen verbunden.“ Er ist auch kein Freund von Reihenhäuschen: „Wir müssen das großstädtische Angebot ausbauen. Wir brauchen etwas mit Esprit.“

So deutet manches darauf hin, dass der letzte Acker doch unbebaut bleibt. Bauer Mehl darf vorsichtig durchatmen.

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