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Umfrage unter Frankfurter Muslimen : Unislamische Attentäter, verletzende Zeichnungen

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Im Gebet: Muslime in der Moschee des Vereins Islamische Informations- und Serviceleistungen im Frankfurter Gallus Bild: Fricke, Helmut

Was sagen Muslime zum Attentat auf „Charlie Hebdo“? Wie empfinden sie Karikaturen über den Propheten Mohammed? Gläubige von drei Frankfurter Moscheen gewähren Einblick.

          Moschee des IIS, Gallus

          Nadir Moubarrids hat eine klare Ansage: Muslime, die Allah wirklich folgten, erkenne man daran, dass sie Gutes täten, „produktiv“ seien für die Gesellschaft. Mit immer neuen Beispielen unterlegt er das in seiner Predigt in der Moschee des Vereins Islamische Informations- und Serviceleistungen (IIS). „Die Attentäter von Paris haben diese Botschaft Mohammeds nicht verstanden.“

          Moubarrid leitet das „Haus des Islam“ in Lützelbach und ist an diesem Freitag Gastredner des Moscheevereins im Gallus. Der Gebetsraum ist voll, rund 450 Gläubige sind gekommen, 370 Männer, 80 Frauen. „Möge Gott den Islam vor solchen Menschen schützen“, sagt Khaled El Sayed mit Blick auf die Attentäter. Er ist ein Gründungsmitglied der Gemeinde und Mitglied im Frankfurter Rat der Religionen. „Das hat mit unserem Verständnis von Islam nichts zu tun.“ Zwei 14 und 15 Jahre alte Schülerinnen zeigen sich „geschockt“, „bestürzt“ ein Neunzehnjähriger, der im ersten Semester Islamische Theologie an der Goethe-Universität studiert. „So haben auch meine Kommilitonen reagiert.“ In Verschwörungstheorien ergeht sich niemand, nur einer findet die Spekulation erwähnenswert, dass die französische Regierung vielleicht doch hinter den Anschlägen stecken könnte.

          Aber es wird auch Kritik an den Mohammed-Karikaturen laut. „Sie sind geschmacklos, es ist unser Recht zu sagen: Das gefällt uns nicht“, sagt Moubarrid. Wenn es nötig sei, müsse man mit rechtsstaatlichen Mitteln gegen sie vorgehen, findet der Theologiestudent, denn die Zeichnungen seien diskriminierend. „Wir verstehen Satire und sind nicht humorlos“, sagt El Sayed, „aber das Problem ist, wenn Mohammed oder ein anderer Prophet so gezeigt wird.“

          Für Mohammed Naved Johari steht mit den Karikaturen noch etwas anderes auf dem Spiel als die Verletzung religiöser Gefühle. Er arbeitet als Freitagsredner und Sozialpädagoge in der Moschee und sieht in den Karikaturen ein „volksverhetzendes Potential“ – und klare Anzeichen für Islamfeindlichkeit in Deutschland. Die beiden Kopftuch tragenden Schülerinnen wissen zumindest davon zu berichten, dass sie auf der Straße als „Terroristin“ oder „Extremistin“ beschimpft wurden, schon vor den Attentaten in Paris. „Muslime beziehen schon lange Stellung gegen Terror, jetzt bekommen sie auch die nötige Aufmerksamkeit in den Medien und der Politik“, sagt Johari. (toe.)

          Taqwa-Moschee, Gutleutviertel

          Heimat sei nicht nur dort, wo man herkomme, sondern auch dort, wo man lebe, predigt Abdel Hakim Azaoum von der Kanzel der neuen Taqwa-Moschee im Gutleutviertel. Er redet auf Arabisch. Die meisten seiner Zuhörer kommen aus Marokko. Nur als der Imam von Angela Merkel spricht, zitiert er sie auch auf Deutsch: „Ich bin die Bundeskanzlerin aller Deutschen. Das schließt alle, die hier dauerhaft leben, mit ein.“ Gut 150 Muslime sind am Freitagmittag in den Männer-Gebetssaal gekommen. Mancher bringt seine Einkaufstüten mit, einer kommt in der blauen Jacke der Deutschen Bahn.

          „Es ist eine Pflicht für Muslime gegen Gewalt und Terrorismus aufzustehen“, sagt der Imam, als er über die Geschehnisse in Frankreich spricht. „Das waren starke Worte“, sagt ein Besucher Anfang vierzig hinterher. Über die Aussage der Kanzlerin freue er sich. Über die Mohammed-Karikaturen aber ärgere er sich.

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