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Museum für Komische Kunst : Waschbär in der Wanne

Bissiger Witz: Ernst Kahls Werke sind im Frankfurter Museum für Komische Kunst zu bewundern. Bild: Ernst Kahl

Das Frankfurter Museum für Komische Kunst zeigt die Ausstellung „Ernst Kahl. Vergessene Katastrophen“. Dessen Werke sind gespickt mit kunsthistorischen Anspielungen.

          Kampagnen haben Key Visuals, und was für Konsumprodukte recht und billig ist, gilt längst auch für Ausstellungen. Sie werben mit einem Schlüsselbild für sich, einem ikonischen Werk, das gleichsam im Nu und in nuce zum Vorschein bringt, was Sache ist. Im Fall der Schau, die das Frankfurter Museum für Komische Kunst, auch Caricatura geheißen, jetzt Ernst Kahl widmet, handelt es sich um ein Gemälde, das einen Waschbären in der Badewanne zeigt und einen kleinen wohlbeleibten Jungen in Badehose mit Taucherbrille, Schnorchel und Schwimmflossen.

          Michael Hierholzer

          Kulturredakteur der Rhein-Main-Zeitung.

          Sein recht rundes Haupt ist mit einer Badekappe bedeckt. Er hält ein Schiffchen in der einen, eine Harpune in der anderen Hand. Eine weitere, in der äußerst empfehlenswerten, im Verlag Antje Kunstmann erschienenen Begleitpublikation abgedruckte Version desselben Themas zeigt den ob des Tiers in der Wanne perplexen Knaben ohne Unterwasserjagdgerät. Auf dem Umschlag aber prangt er mit ihm. So oder so, das Bild ist ein typischer Kahl, der beigefügte Text lieh der Schau ihren Namen: „Vergessene Katastrophen“.

          „Waschbärenplage in Kassel 2010“

          Auf dem Bild wird präzisiert, dass es sich um die Nummer sieben handelt, und die Auskunft erteilt: „Waschbärenplage in Kassel 2010.“ Diese habe es tatsächlich gegeben, sagt Kahl. Eher unwahrscheinlich in der wirklichen Wirklichkeit ist freilich die Zusammenstellung von badendem Waschbär und traurigem Schnorchler, und da haben wir es schon mit einer für Kahl charakteristischen Methode zu tun, die uns an den Surrealismus erinnert. Der brachte schließlich auch zusammen, was nicht zusammengehörte, und erzeugte dadurch allerlei paradoxe, skurrile, bizarre Effekte. Ein anderes Prinzip des Kahl’schen Schaffens verkörpert der Waschbär, den der norddeutsche Hochkomiker so wörtlich nimmt wie sehr viele andere Begriffe aus der Tier-, Menschen- und Sachwelt. Der Waschbär macht, was sein Name sagt, er wäscht sich mit einem Schwamm, vereitelt dadurch aber den Tauchgang des kleinen Mannes, der seine Kleider sorgsam über einen Thonet-Stuhl gelegt hat, von dem man auch nicht genau weiß, was er im Badezimmer soll.

          Der Kern von Kahls Karikaturen ist der Kalauer. Der Wortwitz liegt dem Bildscherz zugrunde, der recht derb ausfallen kann. Und immer wieder aufs Neue führt der Künstler Begriffe und Redewendungen, Sprichworte und Metaphern auf ihre eigentliche Bedeutung zurück: Wenn es um „umgekippten Wein“ geht, zeichnet er Flaschen, die eine der ihren aufzuhelfen versuchen, weil sie in die Horizontale geraten ist.

          Gemälde, Zeichnungen und Installationen

          Neben Gemälden und Zeichnungen, die Kahl als altmeisterlichen Künstler ausweisen, der in Farben schwelgt und dessen Strich von renaissancehafter oder barocker Manier sein kann, werden auch einige Installationen gezeigt. Und darin ist er ganz und gar auch formal ein Moderner, mehr noch: ein Avantgardist. Der, wie er sich gestern äußerte, nicht verstehen kann, dass ein Miró oder Max Ernst gerade auch wegen ihrer Infantilität von der Kunstwissenschaft geschätzt werden, während, „was ein bisschen überreizt ist“, von ihr in die Tonne getreten wird.

          So ein Saustall: Neben Malerei betreibt Kahl auch Installationskunst, ist Schriftsteller, Filmemacher, Drehbuchautor und Musiker. Bilderstrecke

          Dabei sind Kahls Bilder voll von kunsthistorischen Anspielungen, Caspar David Friedrich, Manet, Picasso oder auch ein Genre wie das Stillleben als solches sind Bezugsgrößen, um munter persifliert zu werden. Bei der „Royal Arse-Hair-Collection“ mit Exemplaren von Edelgesäßen wie jenen von Queen Mum, Elton John oder Theresa May, auf roten Kissen anmutig präsentiert, stellt sich die Frage nach dem Ursprung der Sammlung. Ein Onkel habe damit begonnen, erfahren wir immerhin.

          Die Ausstellung im Frankfurter Caricatura Museum für Komische Kunst, Weckmarkt 17, wird heute um 18 Uhr eröffnet. Von morgen bis zum 12. Mai ist sie dienstags bis sonntags von 11 bis 18 Uhr zu sehen, mittwochs sogar bis 21 Uhr.

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