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Frankfurter Magistrat macht Urlaub : Zwischen Nordkap und Südpolen

Im Sommer sind alle ausgeflogen: Blick auf die Magistratsbank. Bild: Pilar, Daniel

Schwimmen, lesen, wandern, Fußball spielen: Der Frankfurter Magistrat macht Urlaub.

          Wahrscheinlich liegt es an Felix Semmelroth. Der Frankfurter Kulturdezernent ist soeben aus Rhodos zurückgekehrt. Sehr schön warm war es dort, manchmal waren es mehr als 40Grad. Und weil Semmelroth immer im Dienste der Stadt unterwegs ist, sogar im Sommerurlaub, hat er den Sonnenschein von der griechischen Insel einfach mitgebracht an den Main. Deshalb das schöne Wetter seit Wochenanfang. Wenn Semmelroth gerade keine Wärme zum Mitbringen sammelte, hat er gelesen. Durch „The Party at Jack’s“ von Thomas Wolfe, Robert Spaemanns „Über Gott und die Welt“ und Paul Noltes „Was ist Demokratie?“ hat sich der CDU-Mann in nur zwölf Tagen gefräst. Kaum zu glauben, dass er da noch Zeit gefunden hat, viel zu schwimmen oder mit seiner Frau zu reden.

          Tobias Rösmann

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Dreißig Grad kühler hat die Sozialdezernentin ihren Urlaub verbracht. Nicht, dass Daniela Birkenfeld ein kaltes Gemüt hätte, aber sie war mit ihrem 19Jahre alten Sohn unterwegs auf der „Aida“, auf einer Kreuzfahrttour von Hamburg zum Nordkap. Immer schön die norwegische Küste entlang, irgendwann dann abbiegen Richtung Island und über Schottland zurück nach Hause. Die Reise war das Abi-Geschenk für den Sohnemann. Der schlief morgens gerne lange, während Birkenfeld schon so früh über das Deck joggte, dass ihr noch keine Sonnenliegen im Weg standen. Wobei sich schon die Frage stellt, wer sich bei 11 bis 16Grad auf eine Sonnenliege legt, aber das ist ein anderes Thema. Äußerst praktisch für Wenigschläfer war jedenfalls, dass es während der Reise fast immer hell war, auch nachts.

          „Von Breslau über Krakau inklusive Hohe Tatra“

          Das Wort „hell“ führt unweigerlich zum neuen Oberbürgermeister, den Wächter über die Arbeit des Magistrats, den Primus unter Gleichen. Natürlich macht Peter Feldmann dieser Tage überhaupt keinen Urlaub, schließlich hat seine Amtszeit gerade erst begonnen. Stattdessen nimmt der Sozialdemokrat viele Termine wahr und arbeitet sich ein. Das sei auch dringend nötig, lästern schon manche im Römer, aber das ist gemein und soll sofort wieder vergessen werden.

          Lesekost hatte auch der Verkehrsdezernent Stefan Majer im Gepäck. Mit dem Auto ist er bis nach Südpolen gereist, in eine Region, die er als Student öfter besuchte hat. „Von Breslau über Krakau inklusive Hohe Tatra“, so fasst der Grünen-Politiker die knapp zweiwöchige Tour zusammen. Schmökern wollte er eigentlich in Margarete Mitscherlichs „Die Radikalität des Alters“. Weil er aber so viel ansehen und wandern musste, kam er über den Anfang im Urlaub nicht hinaus. Das macht aber nichts, denn Majer ist erst 54, und so radikal, nicht bald weiterzulesen, wird er wohl noch nicht sein.

          Mails lesen auf Mallorca

          Während sich Rosemarie Heilig vorbildlich in ihre Aufgabe als Umwelt- und Gesundheitsdezernentin einarbeitet, ist ihre Grünen-Parteifreundin Sarah Sorge aus dem Schuldezernat zum Urlaub in Kroatien aufgebrochen. Was genau sie dort macht, kann ihr Sprecher nicht sagen. Und ihr Handy macht nur komische Geräusche, wenn man sie selbst anrufen will. Jedenfalls wird Sorge dort drei Wochen verbringen. Wer mutmaße, sie werde baden gehen, liege nicht falsch, sagt der Sprecher. Aber bitte nur wörtlich nehmen.

          Kämmerer Uwe Becker ist zwar eigentlich im Urlaub in Colonia Sant Jordi im Südosten Mallorcas. Aber hin und wieder checkt er dort durchaus seine E-Mails und die Mailbox auch. Obwohl der CDU-Politiker möglichst viel Zeit mit der Familie - Frau und Zwillinge - verbringen will, hat er gleich drei Bücher dabei. Vor allem das Werk mit dem herrlich pfiffigen Titel „Wenn das Leben Dir eine Zitrone schenkt, frag nach Salz und Tequila“ lässt sich vermutlich auch gut nach ein bis zwei Flaschen Wein durchblättern. Verfasst ist es von Sonya Kraus, einer recht blonden Schulkameradin des Kämmerers. Verschlungen werden wollen außerdem „Mandelas Weg“ von Richard Stengel und „Man muss kein Held sein - Auf welche Werte es im Leben ankommt“, verfasst von dem Piloten, der 2009 eine Notwasserung auf dem Hudson-River meisterte. Viel Stoff. Becker fürchtet, „dass wahrscheinlich nicht alle Bücher ihren Leseabschluss auf Mallorca finden werden“. Dann vielleicht während einer der Haushaltsdebatten im Herbst.

          Ferien auf der eigenen Baustelle

          Die Ägäis hat sich Bürgermeister Olaf Cunitz genauer angeschaut. Der Mann, der auch Planungsdezernent ist, war mit Frau und knapp zwei Jahre altem Sohn auf Kos. Und oft am Strand. Gelesen hat er einen Science-Fiction-Wälzer von Iain Banks mit 800Seiten. Der Titel „Der Algebraist“ und die hoffentlich enthaltenen mathematischen Formeln machen ihn natürlich zu einem begehrten Gesprächspartner in den immer schwierigeren Haushaltsfragen der Stadt. Bald bei der Eintracht anmelden kann Cunitz wahrscheinlich seinen Sohn. Der nimmt seit dem intensiven Strandfußballtraining kaum noch die Hand zu Hilfe und hat insofern manchem Eintracht-Grobmotoriker etwas voraus. Streiten könnte sich Cunitz mit dem Kulturdezernenten darüber, wer tatsächlich das gute Wetter nach Frankfurt gebracht hat, denn auch in der Ägäis lagen die Temperaturen bei 36Grad im Schatten.

          Ferien daheim macht Markus Frank. Der Wirtschafts-, Ordnungs- und Sportdezernent verbringt die Tage auf einer Baustelle. Die liegt im Stadtteil Schwanheim, wo Frank ein Haus umbauen lässt, in das er im Herbst mit Frau und zwei Töchtern einziehen möchte. Kaum zu glauben, dass der CDU-Politiker abschalten kann, während er einem Bautrupp beim Bohren eines Luftbrunnens zusieht. „Macht sogar Spaß“, behauptet der Mann, der auch gerne daheim eine Lüftungsanlage konfiguriert. Vielleicht ließe sich Frank eine Freude machen mit einem Abo von „Schöner wohnen“. Aber unbedingt vor dem Einzug schenken.

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