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Männer-Club weiter ohne Frauen : Wie die Glut zehrt von der Glut

„Wie die Glut zehrt von der Glut“: Das Motto der Frankfurter Gesellschaft für Handel, Industrie und Wissenschaft, auch Villa Bonn genannt Bild: Frankfurter Gesellschaft für Handel, Industrie und Wissenschaft

Soll sich der in Frankfurt in der Villa Bonn beheimatete Männer-Club tatsächlich für Frauen öffnen? Darüber streiten Mitglieder - auch vor Gericht.

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          Selbst im Vorstand der Deutschen Bank sind die Männer neuerdings nicht mehr vor einer Begegnung mit einer Frau sicher. Es gibt gemischte Rotary-Clubs. Und in Hallenbädern herrscht sowieso ein regelrechtes geschlechtliches Durcheinander - wenn überhaupt, dann ist von stundenweisem Frauenschwimmen die Rede. Dringlich stellt sich daher die Frage: Wo ist der Mann noch unter sich?

          Manfred Köhler
          Stellvertretender Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und verantwortlicher Redakteur des Wirtschaftsmagazins Metropol.

          In der Frankfurter Gesellschaft für Handel, Industrie und Wissenschaft ist er das. Und zwar, obwohl sich heute zum ersten Mal der turbulente Abend jährt, an dem die Herren der altehrwürdigen Vereinigung nach heftiger Debatte beschlossen, den Verein schon im 96. Jahr seines Bestehens auch für Angehörige des anderen Geschlechts zu öffnen. Frauen? Nein, Frauen seien in den zwölf Monaten seitdem nicht aufgenommen worden, berichtet Präsident Rüdiger von Rosen.

          Streit vor Gericht

          Immerhin kann er einen guten Grund dafür nennen. Denn die Frage, ob bei der Abstimmung alles nach Recht und Gesetz zugegangen war, ist noch vor dem Landgericht Frankfurt anhängig. Eines der Mitglieder hat den Beschluss angefochten. Zu einer Verhandlung ist es aber bis zur Stunde nicht gekommen. Dem Vernehmen nach soll es jetzt am 21. November so weit sein.

          Die Angelegenheit ist also ungeheuer wichtig, und die Sache wird dadurch nicht einfacher, dass der Frankfurter Gesellschaft für Handel, Industrie und Wissenschaft ausschließlich Honoratioren angehören, die es im Leben zu etwas gebracht haben und es gewohnt sind, recht zu haben. 13 Seiten lang ist die Klageschrift. Es wird nicht nur angezweifelt, dass die von der Satzung verlangte Dreiviertelmehrheit erreicht wurde, sondern auch bestritten, dass es richtig war, per Handzeichen über die Aufnahme von Frauen abzustimmen statt geheim. Glaubt man der Klageschrift, so herrschten regelrecht Sodom und Gomorrha an jenem Abend, die Zähler der Stimmen steckten ihre Köpfe zusammen, um die Ergebnisse auszutauschen, immer wieder musste in Teilen des Saales nachgezählt werden, und wie überhaupt haben die Zähler selbst abgestimmt?

          Dann lieber Deutsche Bank

          Der juristische Versuch, das Unheil aufzuhalten, ist sowieso die letzte Möglichkeit, nachdem schon nicht das Argument verfangen hatte, ein Herrenclub biete eine ganz eigenständige Form der Geselligkeit, die, einmal durch Frauen zerstört, niemals zurückzuholen sei. „Wie die Glut zehrt von der Glut, wie der Brand sich entzündet am Brand, so lernt der Mann vom Manne im Gespräch“, so lautet das Motto des Vereins, das über dem Kamin seiner Villa im Frankfurter Westend hängt.

          Rosen ist sich sicher, dass es tolle Frauen gibt, die für die Frankfurter Gesellschaft von großem Interesse wären, wenn nur endlich Klarheit herrsche. Und falls es sich tatsächlich eine Frau antun will, einem Club beizutreten, der so nach Herzenslust über Frauen als solche streiten kann. Dann besser in den Deutsche-Bank-Vorstand einrücken. Da wird wenigstens ordentlich gezahlt.

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