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Frankfurter Löwen : Zurück ins zweite Glied

  • -Aktualisiert am

Da lang? Der Weg von Rich Chernomaz ist noch nicht ganz klar. Bild: Jan Huebner

Bleibt Rich Chernomaz Sportdirektor oder wird er wieder Trainer? Bei den Frankfurter Löwen steht die wichtigste Entscheidung des Jahres bevor.

          3 Min.

          Rich Chernomaz und das Frankfurter Eishockey – das ist eine Verbindung, die schon seit der Saison 2003/04 bestens funktioniert und harmoniert. Die damaligen Frankfurt Lions waren gerade abgestiegen und nur durch die finanziell bedingte Zwangsrelegation der Schwenninger Wild Wings in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) geblieben. „Cherno“, wie Chernomaz in der Eishockeybranche genannt wird, übernahm und gewann überraschend in seiner ersten Saison in Frankfurt den Titel.

          Es war der Beginn einer erfolgreichen Ära, die erst durch den damaligen Ausschluss der insolventen Lions aus der DEL vor Beginn der Saison 2010/11 nach sieben Jahren beendet wurde. Der Kontakt zwischen Chernomaz und dem Frankfurter Eishockey riss aber in der Folge nie ab, und so machte sich Stefan Krämer, der 2010 den Klub als Geschäftsführer und Mitgesellschafter übernahm, zu Beginn des Jahres 2013 auf den Weg nach Ungarn und bot dem damaligen ungarischen Nationaltrainer Chernomaz einen Fünfjahresvertrag bei den neu gegründeten Löwen Frankfurt an. So kehrte der Kanadier unter großem Beifall der Frankfurter Fans im April 2013 an seine alte Wirkungsstätte mit dem Auftrag zurück, die Löwen langfristig in die höchste deutsche Spielklasse zurückzuführen.

          Topfavorit auf den Titel

          Das Arbeitszeugnis kann sich seither sehen lassen. In der Saison 2013/14 gelang der Aufstieg in die DEL2, in der man im April erstmals die Meisterschaft feiern konnte. Und auch in dieser Saison gelten die Hessen als Topfavorit auf den Titel. So weit, so gut – und es sollte daher eigentlich nichts gegen eine Vertragsverlängerung über 2018 hinaus sprechen. Aber Rich Chernomaz hat auch ein anderes Gesicht. Nicht vergessen ist das Versagen seiner Mannschaft aus der Saison 2015/16, als sich die Löwen in den Play offs gegen die Kassel Huskies dermaßen blamierten und mit null Siegen und peinlichen Auftritten ausschieden. Zum Ärgernis ist den Gesellschaftern Krämer und Andreas Stracke zudem geworden, dass Chernomaz auch schon mal gerne den Etat überzieht, den ihm die Klubführung vorgibt.

          Ein weiterer Vorwurf lautet, dass er als Sportdirektor nahezu kein Netzwerk aufgebaut hat, was gerade den Markt an jungen deutschen Talenten betrifft. In der Konsequenz der Kaderzusammenstellung war dies auf der anderen Seite auch nie wirklich nötig. Durch die vereinbarten Kooperationen einst mit Nürnberg und aktuell mit Mannheim und Köln spielen automatisch hoffnungsvolle junge deutsche Spieler für die Löwen. Zudem gilt: Wenn Chernomaz anklopfte und einen Spieler haben wollte, dann bekam er ihn in der Regel auch. Dass dabei die finanzielle Überlegenheit gegenüber anderen Klubs das Argument ist und war, versteht sich von alleine. Anstatt auch mal geduldig nach preiswerteren Spielern mit Potential zu schauen, ist der Kanadier bekannt dafür, schon mal mehr zu bezahlen, um einen Spieler sicher zu bekommen. So spielen aktuell mit C.J. Stretch, Wade MacLeod oder Tim Schüle Eishockeyprofis in Frankfurt, die auch die Möglichkeit hätten, in der DEL zu spielen.

          Entscheidung im Dezember

          Wie geht es nun für die Löwen perspektivisch in den nächsten drei Jahren weiter? Im Dezember soll entschieden werden, ob es künftig einen geregelten Auf- und Abstieg zwischen DEL und DEL2 geben wird. Bisher lehnt die höchste deutsche Spielklasse dies ab, und die DEL2 hat dagegen geklagt. Diese Entscheidung könnte auch einen Einfluss auf die Personalie Chernomaz haben. Derzeit ist noch offen, ob der Kanadier auch über den Sommer 2018 hinweg als Sportdirektor bei den Löwen tätig sein wird. Sollten die Löwen kurzfristig doch den Weg in die DEL finden, könnte es Überlegungen in der Chefetage geben, Chernomaz wieder als Trainer zu installieren. Bewiesen hat er, dass dort seine Stärke liegt. Dann bräuchten die Hessen einen neuen Sportdirektor. Die Frage ist, ob sich Chernomaz dies vorstellen könnte.

          Aktuell ist er als Sportdirektor der Chef von Trainer Paul Gardner. Möchte Chernomaz wieder in das zweite Glied? Sollte die Rückkehr in die DEL kurzfristig nicht gelingen und die Löwen weiterhin in der DEL2 spielen, müssen die Klubchefs auch entscheiden, ob sie sich weiterhin den nach Informationen dieser Zeitung teuersten Mitarbeiter der Liga leisten können oder wollen. Keine Frage. Das Herz von Chernomaz hängt am Verein und seine Verdienste sind groß. Berechtigt ist dennoch die Überlegung der Chefetage, ob Chernomaz der richtige Mann ist, um die nächsten Schritte zu gehen. Keine leichte Entscheidung für die Geschäftsführung, die sich auffallend bedeckt hält. Im Dezember soll Klarheit herrschen, weil dann entweder ein neuer starker Mann den Löwen-Kader zusammenstellen muss – oder eben Rich Chernomaz.

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