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Frankfurter Kulturpolitik : Kulturfonds will Romantikmuseum retten

Auf der Fassade schon Wirklichkeit: Diese Lichtinstallation des Designers Stefan Matlik wies schon im Mai 2012 auf das geplante Romantikmuseum hin Bild: Schmitt, Felix

Für das geplante Romantikmuseum besteht wieder Anlass zur Hoffnung: Dies folgt aus dem Bekenntnis Frankfurt/Rhein-Main der Region zum Anbau des Frankfurter Goethe-Museums.

          Für das geplante Romantikmuseum besteht wieder Anlass zur Hoffnung: Der Kulturfonds Frankfurt/Rhein-Main möchte dazu beitragen, die wegen des Rückzugs der Stadt Frankfurt aus dem Projekt entstandene Finanzierungslücke „kleiner zu machen und womöglich zu schließen“. Dies hat der Vorsitzende des Kulturausschusses des Kulturfonds und Landrat des Hochtaunuskreises, Ulrich Krebs (CDU), bei der Vorstellung des „Jahrbuchs 2013“ der Gesellschaft angekündigt. Er bezeichnete die Erweiterung des Frankfurter Goethe-Hauses, um dessen kulturhistorisch höchst bedeutsame Sammlung zur romantischen Bewegung angemessen zu präsentieren, als „entscheidendes Projekt“, das in engem Zusammenhang zum Schwerpunktthema „Impuls Romantik“ des Kulturfonds stehe. „Eine solche Chance darf nicht vertan werden“, sagte Krebs. Die Haushaltskommission der schwarz-grünen Römerkoalition hatte beschlossen, die als Anteil der Stadt an den Neubaukosten vorgesehenen vier Millionen Euro nicht zur Verfügung zu stellen.

          Michael Hierholzer

          Kulturredakteur der Rhein-Main-Zeitung.

          Er werde dafür werben, dass der Kulturfonds sich mit einer deutlichen Summe an dem Neubau-Vorhaben beteilige, sagte Krebs. Über die Höhe des finanziellen Engagements wolle er noch keine Auskunft geben. Da der Kulturfonds bisher keine Investitionsförderung betrieben habe, müssten erst dessen Gremien entscheiden, wie dem Romantikmuseum zu helfen sei, führte Krebs aus. Er zweifle aber nicht daran, dass ein Weg gefunden werde. Auch wolle er bei möglichen Sponsoren für das Projekt werben.

          Millionen von der Deutschen Bank

          Land und Bund hatten schon jeweils vier Millionen Euro zugesagt, die Deutsche Bank hatte vor, drei Millionen in den Museumsanbau zu investieren. Er war möglich geworden, weil der Börsenverein des Deutschen Buchhandels aus dem benachbarten Gebäude ausgezogen ist. Nachdem bekanntgeworden war, dass das Romantikmuseum auf der Streichliste der Haushaltskommission steht, reagierten Kulturleute, aber auch Politiker von so unterschiedlicher Couleur wie die CDU-Bundestagsabgeordnete Erika Steinbach oder der frühere Frankfurter Stadtkämmerer Tom Koenigs (Die Grünen) mit heftiger Kritik an dem Sparbeschluss.

          Der frühere Frankfurter Kulturdezernent und ehemalige Präsident des Goethe-Instituts Hilmar Hoffmann (SPD), der neben zahlreichen Leitern von Kulturinstituten des Rhein-Main-Gebiets bei der Vorstellung des freilich kaum zum Thema gewordenen Kulturfonds-Jahrbuchs zugegen war, wiederholte unabhängig vom möglichen Einspringen des Kulturfonds seine Forderung nach einem Moratorium. Die Stadt solle Zeit bekommen, um eine Änderung ihrer Sparbeschlüsse vorzunehmen. Das von Stadt, Land Hessen und Sponsoren zugesagte Geld dürfe nicht verlorengehen, andere Institutionen hätten schon Begehrlichkeiten angemeldet.

          Die Vorsitzende des Kuratoriums des Kulturfonds, die frühere hessische Staatsministerin Ruth Wagner (FDP), zitierte auf derselben Veranstaltung Friedrich Schiller: „Kunst ist die Tochter der Freiheit, und von der Notwendigkeit der Geister, nicht von der Notdurft der Materie will sie ihre Vorschrift empfangen.“ Es sei unverantwortlich, die Schätze, die das Freie Deutsche Hochstift als Träger von Goethe-Haus und Goethe-Museum besitze, nicht zugänglich zu machen. Der Romantik-Schwerpunkt des Kulturfonds zeige, dass die Romantik im Rhein-Main-Gebiet mit erfunden worden sei und wesentlich zur Identität der Region gehöre.

          „Wie eine Region benehmen“

          Sie erwähnte auch Georg Büchners Brüder Alexander und Ludwig, die das Freie Deutsche Hochstift mit initiiert haben. Schon länger ärgere sie, äußerte Wagner, wenn von der Kultur als „weichem Standortfaktor“ die Rede sei. Mit einem Umsatz von 19 Milliarden Euro sei die Kulturwirtschaft in der Rhein-Main-Region ein „harter Standortfaktor“. Das Zusammenwachsen der Region habe der seit fünf Jahren bestehende Kulturfonds wesentlich befördert. „Wir sind“, sagte Wagner, „eine Region und müssen uns auch so benehmen.“

          Noch immer offen ist, wer künftig als Geschäftsführer den Kulturfonds leiten wird. Bis Mitte des Jahres soll laut Landrat Krebs eine Entscheidung fallen. Unterdessen hat sich der Hochtaunuskreis mit einer großen Mehrheit für den Verbleib im Kulturfonds entschieden. Die Freien Wähler hatten den Antrag gestellt, aus der Förderinstitution auszutreten. Der Main-Taunus-Kreis wiederum möchte ein Austrittsrecht in der Satzung verankern. Neu aufgenommen in den Kulturfonds wird demnächst die Stadt Hanau. Sie hat derzeit einen Gaststatus.

          Roth tritt nicht an

          Die frühere Frankfurter Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) will nicht mehr Geschäftsführerin des Kulturfonds Frankfurt/Rhein-Main werden. Sie teilte dieser Zeitung mit, dass sie sich nach „langer, reiflicher Überlegung“ entschieden habe, die Aufgabe doch nicht anzunehmen. Roth galt seit Juni vergangenen Jahres als geeignete Kandidatin für den Posten, den zuvor der frühere Städeldirektor Herbert Beck innehatte und der zurzeit kommissarisch mit Albrecht von Kalnein besetzt ist. Es heißt, Roth habe in der Zwischenzeit viele Pflichten übernommen, von denen sie meine, sie seien zeitlich mit der Geschäftsführung nicht zu vereinbaren. Dem Vernehmen nach ist Roth aber auch verärgert, weil sich der Aufsichtsrat des Fonds unter Leitung von Hochtaunus-Landrat Ulrich Krebs (CDU) Monate Zeit gelassen hat, Roth verbindlich für diese Tätigkeit anzufragen. Krebs teilte mit, dass er Roths Entscheidung „sehr bedauert“. Der Fonds habe zunächst über Satzungs- und Finanzierungsfragen diskutieren müssen. Er werde sich umgehend der Suche nach einem anderen Kandidaten widmen, so Krebs. Eine Beratungsfirma sei eingeschaltet worden, um bis zum Sommer eine neue Geschäftsführung präsentieren zu können. (Siehe Seite 38.) (mch.)

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