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Ina Hartwig : „Für mich steht die Ästhetik an erster Stelle“

Wünscht sich eine neue Gesprächskultur: Ina Hartwig ist seit knapp einer Woche Frankfurter Kulturdezernentin. Bild: Wonge Bergmann

Die Kulturpolitik wird das Soziale stärker in den Blick nehmen. Die neue Stadträtin macht auch deutlich, dass die Freiheit der Künste ihre Leitidee ist, an der sie niemanden rütteln lässt.

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          Sie sitzen erst seit ein paar Tagen in dem Büro, das ihr Vorgänger Felix Semmelroth zehn Jahre lang genutzt hat. Fühlen Sie sich hier wohl oder sogar schon ein bisschen heimisch?

          Michael Hierholzer
          (zer.), Rhein-Main-Zeitung

          Heimisch fühle ich mich noch nicht, wohl fühle ich mich schon.

          Wie viele Bittsteller haben Sie seit Ihrem Amtsantritt schon angerufen?

          Es kommen viele Anfragen zum Kennenlernen, und es werden bereits sehr viele Termine gemacht. Aber um Geld ist es bisher noch nicht gegangen.

          Doch es könnte nach dem Kennenlernen durchaus um Zuschüsse gehen?

          Das kann ich mir sehr gut vorstellen.

          Auch wenn Sie sich erst noch einarbeiten müssen, muss eine Personalfrage dringend geklärt werden: Übernimmt Philipp Demandt, der künftige Direktor von Städel und Liebieghaus, auch die Schirn?

          Diese Frage steht ganz oben auf meiner Agenda und wird zeitnah beantwortet.

          Ist auch eine Lösung unabhängig von Städel und Liebieghaus denkbar?

          Ich habe Philipp Demandt bereits kennengelernt, und wir freuen uns beide auf die Zusammenarbeit. Die Argumente für eine gemeinsame Führung aller drei Häuser sind allen Beteiligten bewusst und werden bei der Entscheidung, die noch offen ist, berücksichtigt.

          Ihr Vorgänger hat sich anders geäußert. Es hörte sich an, als sei es längst ausgemacht, dass der neue Städel-Chef auch die Schirn übernimmt.

          Ich betrachte die Sache eher aus der Binnenlogik der Schirn heraus. Zunächst ist es mir ganz wichtig, die Perspektive der Schirn kennenzulernen. Das ist ein anderer Ansatz, das gebe ich zu, er kann aber zum gleichen Ergebnis führen.

          Die Schirn gehört zu den Leuchttürmen, von denen Sie nach Ihrer Wahl zur Kulturdezernentin vorige Woche gesprochen haben. Nun befürchten einige Leuchtturmwärter, ihre weithin strahlenden Museen oder Theater könnten unter einer sozialdemokratischen Kulturdezernentin künftig vernachlässigt werden. Zu Recht?

          Nein. Das ist die Kultur, mit der ich aufgewachsen bin, mit der ich vertraut bin und die ich schützen werde. Die Entfaltung der freien Künste ist mir ein ganz wichtiges Anliegen. Eine Kulturdezernentin kann nur gut daran tun, diese Räume zu schützen und das, was in ihnen vorgeht, zu fördern.

          Aber es gab doch im Vorfeld Ihrer Wahl Äußerungen aus dem Büro des Oberbürgermeisters, die einen kulturpolitischen Kurswechsel forderten. Von dort ging auch die Diskussion über die Kultur als soziales Schmiermittel aus.

          Diese Diskussion ist ja schon ein bisschen älter. Ich sehe mich nicht als Teil des Konflikts, den es offenbar in der Stadt gegeben hat. Ich habe mit dem Oberbürgermeister schon einige fruchtbare Gespräche geführt und bin mir sicher, dass es viele kulturpolitische Berührungspunkte gibt.

          Hat das Ästhetische Vorrang?

          Für mich steht die Ästhetik an erster Stelle. Grundsätzlich halte ich jede lebhafte Diskussion für erfreulich. Worauf es ankommt, ist, dass der Oberbürgermeister die Kultur bei wichtigen Projekten unterstützt, und das hat er mir bereits signalisiert.

          Mit dem kulturpolitischen Profil der SPD ist es seit geraumer Zeit nicht weit her. Fühlen Sie sich in der Partei nicht deplaziert?

          Wie meinen Sie das genau? Ich fühle mich auf sicherem Boden. Ich komme aus einem sozialdemokratischen Elternhaus und erinnere an Carlo Schmid, der Baudelaire übersetzt hatte, oder an Herbert Weichmann, der in Hamburg der erste jüdische Bürgermeister einer deutschen Großstadt nach dem Krieg war. Ich lasse mir nicht einreden, dass die SPD-Kulturpolitik notwendigerweise etwas mit der Reduzierung der ästhetischen Vielfalt zu tun haben muss.

          Wir haben in Frankfurt seit längerem aber gute Gründe anzunehmen, dass das so ist.

          Dann werden wir dafür sorgen, dass dieser Eindruck jetzt zerstreut wird.

          Ist es für Sie wichtig, Verbündete in der SPD-Fraktion zu finden?

          Ja, das ist es. Ich brauche Verbündete. Und ich habe nicht den Eindruck gewonnen, dass in der SPD meine kulturpolitischen Vorstellungen bekämpft werden, ganz im Gegenteil. Auf dem SPD-Parteitag habe ich meine Wertschätzung für die Leuchttürme und für die Arbeit von Max Hollein sehr deutlich artikuliert und habe dafür von meiner Partei sehr viel Beifall bekommen und auch emotionale Unterstützung erfahren. Die SPD ist sich der Bedeutung der Kultur- und Kunststadt Frankfurt weit über die Stadtgrenzen hinaus bewusst. Übereinstimmung herrscht im Übrigen auch in dem Punkt, insbesondere Kindern und Jugendlichen, Flüchtlingen und am Rande Stehenden den Zugang zu den Kulturinstitutionen zu erleichtern.

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