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Frankfurter Kopfschuss-Fall : Mordopfer in der Wettbranche erfolgreich

Tatort: Polizisten sichern Spuren nach dem Kopfschuss in Frankfurt-Sachsenhausen Bild: dpa

Das Frankfurter Mordopfer Oliver F. war Gründer einer Sportwettenfirma und geschäftlich mit Bayer 04 Leverkusen verbunden. Die Firma ist eine der größeren in ihrer Branche.

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          Meinolf Sprink muss sich nicht erst durch lange Erläuterungen ins Bild setzen lassen. Das Stichwort „Happybet“ genügt, und er weiß Bescheid. Zwar sitzt er in Leverkusen, doch als Mitglied der Geschäftsleitung von Bayer 04 verfolgt Sprink die Berichte über den Mord an einem Sportwettenunternehmer und Vertreter der Marke Happybet in Frankfurt. Und er kennt auch den vollen Namen des erschossenen Oliver F. Denn der Sportwettenanbieter und der Fußball-Bundesligaverein sind seit Oktober vergangenen Jahres geschäftlich miteinander verbunden. Happybet tritt seitdem für die laufende Saison als „Premiumpartner“ auf - so wie etwa die Brauerei Krombacher und die Helaba im Fall der Frankfurter Eintracht.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          In der Presseerklärung zu dieser Partnerschaft lobt der Verein den Sportwettenanbieter „mit seiner umfangreichen Erfahrung“ als „traditionsreiche Marke in der Wettbranche mit einer sehr guten Reputation“. Oliver F. wird ausführlich zitiert und zudem als Gründer von Happybet genannt. Der Wettunternehmer versprach, gemeinsam mit dem Verein „viele überraschende Ansätze und Ideen“ zu entwickeln und zu verwirklichen, wobei der Schwerpunkt auf der Fan-Kommunikation liege. Diese Absicht verwundert nicht. Schließlich dürfte so mancher Fußballanhänger auch Kunde der vielgesichtigen Wettbranche sein.

          Die Zusammenarbeit zwischen Verein und Wettfirma leidet durch den Tod des Happybet-Gründers offenbar bisher nicht. Happybet sei seinen Verpflichtungen mit Bandenwerbung im Stadion und Anzeigen im Stadionmagazin nachgekommen, sagt Sprink. Die Firma habe zudem kurz nach dem Mordanschlag schriftlich mitgeteilt, der Geschäftsbetrieb werde nicht durch die Gewalttat beeinträchtigt.

          Das Wettunternehmen selbst hat nach dem Mordanschlag eine Erklärung veröffentlicht („Gründer und Mitgesellschafter der Happybet Sportwetten unerwartet verstorben“), in der die Mitarbeiter ihre Fassungslosigkeit und Bestürzung ausdrücken. „Die Hinterbliebenen und Mitgesellschafter werden sein unternehmerisches Lebenswerk in seinem Sinne fortsetzen“, heißt es weiter.

          Ohne Frage ist Happybet in der Sportwettenbranche eine feste Größe und zählt nach eigenen Angaben in Rhein-Main rund 70 Wettannahmestellen. In einschlägigen Foren ist zu erfahren, die Marke sei seit 2004 am Markt. Mit ihren Kunden tritt sie demnach vor allem über Wett-Terminals in Bars und anderen Gaststätten sowie Kiosksysteme in Kontakt. Im wichtigen Online-Markt mit Bwin an der Spitze hat Happybet dagegen eine „eher schwache Präsenz“, wie es heißt.

          Nach Einschätzung des Verbands Europäischer Wettunternehmer ist der Anbieter keiner der ganz Großen der Branche und in Deutschland etwa hinter dem Unternehmen Tipico anzusiedeln, dessen Marke im Rhein-Main-Gebiet gut vertreten ist. Allerdings liege Happybet schon „im oberen Mittelfeld“ unter rund 20 größeren Anbietern, sagt ein Sprecher des Verbands, dem Happybet seit einigen Jahren nicht mehr angehört.

          Happybet tummelt sich zusammen mit Dutzenden privater Anbieter und den staatlichen Lottogesellschaften in einem Markt, der von der Universität Hohenheim in einer Studie auf gut drei Milliarden Euro geschätzt wird. Auf diese Summe taxieren die Wissenschaftler die gesamten Spieleinsätze, rund 400 Millionen Euro davon verblieben als Bruttoertrag bei den Anbietern. Zahlen zu einzelnen Wettfirmen werden mit Ausnahme von Bwin aber nicht genannt. Happybet schweigt zum eigenen Jahresumsatz. Und die Kundenzahl in Deutschland sei schwer zu beziffern.

          Wie andere private Anbieter auch hat Happybet sein offizielles Hauptquartier nicht in Deutschland. Unternehmenssitz ist vielmehr Malta. Eine maltesische Lizenz diente gleichsam als Eintrittskarte in den deutschen Markt: Wie auf der Happybet-Internetseite zu lesen ist, verfügt die Firma über eine Konzession des Innenministeriums von Schleswig-Holstein. Zwar ist Happybet selbst auf der Internetseite der Kieler nicht zu finden, wohl aber die Dachgesellschaft World of Sportsbetting Ltd. Schleswig-Holstein hat insgesamt gut zwei Dutzend Sportwettenanbieter lizenziert, nachdem sich die Bundesländer nicht auf eine gemeinsame Linie zu den Konzessionen hatten einigen können. Dies hat sich zwar mittlerweile geändert, jedoch läuft das bundesweite, vom hessischen Sportministerium betreute Lizenzierungsverfahren noch. An diesem nimmt Happybet/World of Sportsbetting teil.

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