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Frankfurter Kaiserdom : Zu wenig Platz für Kirchenreformer

Wegen Baustelle zu klein: Im Seitenschiff des Kaiserdoms laufen Ende Januar Sanierungsarbeiten. Bild: Wolfgang Eilmes

Eigentlich wollten die 230 Mitglieder des „Synodalen Wegs“ in der katholischen Kirche im Frankfurter Kaiserdom tagen. Doch der wird gerade saniert. Außerdem ist es dort Ende Januar zu kalt. Jetzt muss ein Ausweichquartier her.

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          Die katholische Kirche wird nicht im Kaiserdom reformiert: Wegen Bauarbeiten und der winterlichen Kälte müssten die Teilnehmer des sogenannten Synodalen Wegs ihr mehrtägiges Treffen Ende Januar an einem anderen Ort in Frankfurt abhalten, sagte der Sprecher des Zentralkomitees deutscher Katholiken (ZdK) auf Anfrage. „Wir haben uns den Dom angeschaut. Aber wegen der Bauarbeiten im Seitenschiff reicht der Platz für die 230 Mitglieder der Versammlung einfach nicht aus.“ Außerdem hätte es nach seinen Worten einen erheblichen Aufwand verursacht, den Dom im Winter so stark zu heizen, dass dort viele Stunden hintereinander hätte beraten werden können. Vermutlich werde die Versammlung nun im Spenerhaus stattfinden; das ist das Hotel und Tagungszentrum am Dominikanerkloster nahe der Konstablerwache.

          Tobias Rösmann

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die 69 Mitglieder der Bischofskonferenz, außerdem Vertreter von Priester- und Gemeinderäten, Pastoralreferenten, Professoren und anderen Gruppen hatten ursprünglich öffentlich im Kaiserdom tagen wollen. Von einer solchen, jederzeit zugänglichen Veranstaltung sollte ein Eindruck großer Transparenz ausgehen. Schließlich wird es um nicht weniger gehen als um die Zukunft der katholischen Kirche. Um diesen Eindruck weiterhin vermitteln zu können, werden nach Angaben des ZdK-Sprechers die kompletten Versammlungen, die vom 30. Januar bis zum 1. Februar stattfinden, live im Internet übertragen. Den Auftakt zu der Veranstaltung werde gleichwohl eine Messe im Kaiserdom bilden. Auch dieser Gottesdienst werde zumindest von eigenen Kirchenmedien übertragen, womöglich auch von einem Fernsehsender.

          Lehren aus Skandal ziehen und Vertrauen zurückgewinnen

          Die katholischen Bischöfe in Deutschland hatten auf Druck vieler Gläubiger und unter dem Eindruck des Missbrauchsskandals im Frühjahr einen „verbindlichen synodalen Weg“ angestoßen, der die Kirche erneuern soll. Durch das Projekt, das auf zwei Jahre angelegt ist, wollen sie zusammen mit dem Zentralkomitee deutscher Katholiken Lehren aus dem Skandal ziehen und Vertrauen zurückgewinnen. Geplant sind vier Arbeitsgruppen zu den Themen Macht in der Kirche, Sexualmoral, priesterliche Lebensform sowie Frauen in der Kirche.

          Der symbolische Auftakt für den gemeinsamen Reformweg ist am nächsten Sonntag. Am 1. Advent werden in der Münchner Frauenkirche der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, und die ZdK-Vizepräsidentin Karin Kortmann gemeinsam eine Kerze entzünden. Ähnliches soll auch in anderen deutschen Bischofskirchen geschehen. Zudem werde am Sonntag die neue Homepage unter www.synodalerweg.de freigeschaltet, sagte der ZdK-Sprecher und fügte hinzu: „Dort laden wir die Leute ein, sich mit Fragen an unserem Prozess zu beteiligen.“ In den sozialen Medien werde der „Synodale Weg“ ebenfalls fortan stärker präsent sein. „Wir wissen, dass es ohne gar nicht geht.“

          Unklar sind bis jetzt die Kompetenzen eines „synodalen Wegs“, auch ist unklar, wie verbindlich die Vereinbarungen sein werden. Zwar möchte auch Papst Franziskus das Synodale in der Kirche stärken und sieht das Projekt als gemeinsamen Weg mit der Führung des Heiligen Geistes. Doch hebt er auch hervor, dass der Begriff unklar sei und „sicherlich noch tiefer in Betracht gezogen werden“ müsse. Der Begriff Synode kommt aus dem Griechischen und bedeutet im Wortsinn „Weggemeinschaft“; im kirchlichen Sprachgebrauch bezeichnet er eine Versammlung von Bischöfen beziehungsweise von Geistlichen und Laien.

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