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Frankfurter Kaffeefestival : Röstmeister auf der Bühne, Luxus in der Tasse

Der gute alte Filterkaffee ist noch nicht von großen Maschinen verdrängt worden. Bild: Albermann, Martin

Beim Frankfurter Kaffeefestival mischen sich immer mehr große Hersteller unter die kleinen Premium-Röstereien. Denn Kaffee wird als Luxusware erkannt, mit der sich viel Geld verdienen lässt.

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          Eine Kaffeemaschine reicht Max Jakubowski nicht, es müssen schon drei sein: eine Profimühle mit tariertem Portionierer, eine Brühmaschine und eine Tampermaschine, die das gemahlene Kaffeepulver mit exakt 20 Kilogramm in den Siebträger presst. „Nur das Frankfurter Leitungswasser ist leider ein bisschen langweilig“, sagt der Röstmeister, es fehlten darin die Mineralien.

          Falk Heunemann
          Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Jakubowski, ein Urenkel der Wacker-Café-Gründerin, hat vor vier Jahren seine eigene Kaffeemarke „Due Mani“ gegründet, nun steht er in der Union Halle mit seinen Kaffeemaschinen zwischen Röstern aus Regensburg, Siegburg und Mannheim und hofft beim ersten Frankfurter Kaffeefestival auf Aufmerksamkeit. Das ist nicht einfach, denn die Konkurrenz ist groß, sowohl in der Veranstaltungshalle als auch generell in der Region. Der Andrang der Besucher aber auch. Dicht gedrängt stehen sie an jedem Stand, schlürfen Espresso und Pour-Over-Kaffee, wie teure Filterkaffees inzwischen heißen. Ein DJ spielt Hintergrundbeats ab, und auf der Bühne lassen sich Röstmeister von einer Jury bewerten, wie sie ihre Kaffeespezialitäten zubereiten – es geht um den Titel des Deutschen Barista-Meisters.

          Die dritte Welle

          Mit mehreren Tausend Besuchern rechnet der Veranstalter Patrice Wiedemann bis zum Sonntag, er hat das Festival, das Branchentreff und Messe ist, organisiert. Inspiriert habe ihn dazu das Berlin Coffee Festival, erzählt Wiedemann, der eigentlich hauptsächlich italienische Kaffeemaschinen vertreibt, aber auch dem Vorstand der Specialty Coffee Association angehört, dem Fachverband der Premiumkaffeeröster. Dass das Branchenfestival nun in Frankfurt stattfindet, findet er passend: „Wir haben inzwischen in der Region eine recht hochwertige Kaffeeszene“, sagt er. Hiesige Marken wie Backyard Coffee, Hoppenworth&Ploch, Gorilla Kaffee aus Obertshausen oder auch der Internethändler Roastmarket kennen längst nicht nur Insider.

          Von einer dritten Welle sprechen die Bohnenfans, nach Massenproduktion (erste Welle) und Variationen (Latte, Espresso) würden immer mehr Konsumenten die Bohnen als Genussmittel entdecken. Gerade in der Corona-Krise, erzählt Robin Korinth am Stand des Hanauer Maschinenhändlers Tuttocaffè, habe das Interesse noch einmal stark angezogen – und damit auch die Bereitschaft, dafür Geld auszugeben. Rund 600 Euro zum Beispiel kostet bei Tuttocaffè das Einstiegsstück. „Das ist aber ein ganz einfaches Modell“, sagt Korinth. Das teuerste kostet 18.000 Euro. Darauf könne man bis zu 100 Kaffeevariationen programmieren, gefragt sei derzeit zum Beispiel der Americano, also ein verlängerter Espresso, mit Kaffeebohnen.

          Wie der Wein, so der Kaffee

          Auch der Kaffee der Dritte-Welle-Röstereien ist nicht billig. „Due Mani“-Gründer Jakubowski zum Beispiel bietet seine Bohnen, die er im Frankfurter Osten röstet, für 27 bis 60 Euro je Kilo an, pro Monat verkaufe er im Schnitt eine Tonne. Bei anderen Anbietern in der Union Halle kostet das Kilo teilweise sogar bis zu 120 Euro. „Kaffee ist eben zum Luxusgut geworden“, erklärt Jakubowski.

          Dass der Kaffeemarkt wächst, haben auch die Konzerne entdeckt, wie sich auf dem Festival zeigt. In der Hallenmitte lässt der Melitta-Konzern seine Filter von Pour-Over-Liebhabern an der „Brewbar“ testen, eine Etage darüber bewirbt Brita seine Wasserfilter. Und am Eingang hat der italienische Großhersteller Lavazza eine eigene Bar aufgebaut. Die Italiener bewerben in der Halle drei neue Bio-Premiumsorten mit Herkunftssiegel und verteilen einen kleinen „Barista Guide“. Von Oktober an wird das Unternehmen in seiner Deutschland-Zentrale im Frankfurter Pollux-Hochhaus erstmals Barista-Kurse für Privatkonsumenten anbieten, bislang gab es die nur für Gastronomen. Die Kunden fragten auch bei Lavazza immer häufiger nach Bohnenart, Herkunft, Röstgrad und nach Zubereitungstipps, erzählt der Barista-Trainer Dominik Bischof. „So wie man bisher den passenden Wein zum Essen haben will, wird nun auch der passende Kaffee nachgefragt.“

          Kleine Hersteller wie Jakubowski, die ihren Stand am Rand der Halle haben, sehen das wachsende Engagement der Massenhersteller mit gewissem Argwohn, schließlich können die Konzerne deutlich günstigere Preise anbieten. Die Qualität sei aber bei denen bei Weitem nicht so hoch wie bei den Dritte-Welle-Röstereien, meint der Gründer. „Wer Röstmeister werden will, muss Lust auf Daten, Mathematik und Statistik haben.“ Denn die perfekte Kaffeezubereitung ist für die Szene längst zur Wissenschaft geworden, bei der Extraktionsgrad mit extra Messgeräten kontrolliert und Wassermengen pro Portion in Zehntelgramm abgewogen werden. Das könnten die Konzerne in ihren großen Produktionsanlagen zwar gern nachahmen, sagt der Frankfurter. „Aber das schaffen die handwerklich einfach nicht.“

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