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Klimaschutz in Frankfurt : Menschenkette um die „grüne Lunge“

Für ein klimafreundliches Frankfurt: Bürgerinitiative Grüne Lunge Bild: dpa

Die Pläne für ein Wohnquartier am Günthersburgpark stoßen weiter auf Protest. Einer Initiative schwebt statt einer Bebauung etwas ganz anderes vor.

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          Durch den Günthersburgpark im Nordend schallt die Parole „grüne Lunge bleibt“. Die Demonstranten von Fridays for Future haben Regenschirme aufgespannt, die in Orange, Blau oder Regenbogenfarben ein buntes Bild an einem grauen Tag ergeben. Schritt für Schritt nähert sich der Zug der „grünen Lunge“, wie die Demonstranten das Gartenareal nennen. Auf Transparenten steht „Wäre die Welt eine Bank, wäre sie schon gerettet“ oder „Summ, summ, summ, morgen alles stumm“. Der Demonstrationszug, der am Mittag am Merianplatz begonnen hatte, endet vor dem Abenteuerspielplatz, aber der Protest ist noch nicht zu Ende.

          Auf den Boden haben die Initiatoren Pfeile gelegt, die nach links und rechts zeigen. Der Zug trennt sich, die Demonstranten laufen zu beiden Seiten am Zaun entlang und nehmen sich an die Hand. Ziel ist es, eine Menschenkette rund um das Areal zu bilden und so ein Zeichen gegen dessen geplante Bebauung zu setzen. Zwischen Günthersburgpark und Wasserpark sollen die „Günthersburghöfe“ entstehen, ein neues Wohnquartier. Alte Bäume müssten dafür gefällt, Wiesen überbaut werden. Am letzten Tag vor den Herbstferien nehmen viele Schüler am Protest teil. „Es ist cool, dass so viele junge Menschen da sind, obwohl es regnet“, sagen Amina und Ida. „Das ist einfach krass.“ Die 15 und 16 Jahre alten Mädchen hatten nur drei Stunden Schule und haben das genutzt, um das erste Mal bei Fridays for Future dabei zu sein.

          Etwa 2500 Menschen beteiligen sich an der Demonstration, die unter dem Motto „Earth Strike“ steht. Es sind auch Erwachsene gekommen. „Bei manchen aus der Generation über vierzig habe ich das Gefühl, dass sie sich über die Bewegung lustig machen und Angst haben, ihre Prinzipien zu verlieren“, sagt eine Anwohnerin. „Daher will ich dabei sein und etwas bewegen.“ Ihr Bekannter sagt, er verbringe seine Mittagspausen in dem grünen Areal von Freizeit- und Gemeinschaftsgärten. „Danach kann ich viel besser weiterarbeiten als wenn ich zum Beispiel auf der Berger Straße Mittag esse.“ Unter dem Blätterdach sei es auch kühler, vor allem im Sommer. Seit Mai baut der Mittvierziger sein Gemüse in einem der Gärten an.

          Schutz eines wertvollen Biotops

          Schmale Pfade führen zum „Apfelbaumgarten“ oder „Wiesengarten“. Das Gartenareal wirkt wie eine kleine Wildnis mitten in der Stadt. Die „Gemüseheldinnen Frankfurt“, eine Initiative, die das Areal in der jetzigen Form erhalten will, bewirtschaftet die Gärten nach dem Prinzip der Permakultur. Die Initiative will auf dem Gebiet einen „Permakulturgarten“ schaffen, mit Naturinseln, Gärtnerateliers, einer Imkerei und einem Eichenwald. Es gehe um eine Art der Nahrungsmittelproduktion, die darauf beruhe, natürliche Ökosysteme nachzuahmen.

          Juliane Ranck von der Initiative sagt: „Ein so wertvolles Biotop darf nicht zubetoniert werden.“ Das Areal solle eine Möglichkeit bieten, Nahrungsmittel anzubauen und so zu lernen, wie Pflanzen wachsen und gedeihen. „Das ganze Gebiet ist von Baumkronen überzogen. Wir möchten sie erhalten“, sagt Chris Kirchner, die zusammen mit Laura Setzer die Idee entwickelt hat. Die „grüne Lunge“ sei auch wichtig für den Erhalt des Stadtklimas. „Wir möchten und dürfen nicht zulassen, dass das Gebiet zerstört wird“, sagt Setzer.

          Die Demonstranten rücken immer weiter auf und halten sich an den Händen. Eine Frau fragt: „Haben wir es jetzt endlich herum geschafft?“ Ein anderer Demonstrant antwortet ziemlich überzeugend: „Wir haben es jetzt.“

           

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