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Frankfurter Kabarett „Die Käs“ : Freunde des Hauses

Nach Frankfurt, der Kleinkunst wegen: Michael Glebocki und Dorothée Arden in der Naxoshalle. Bild: Cornelia Sick

Jetzt müssen sie bloß noch die Kaffeemaschine verstehen: Dorothée Arden und Michael Glebocki haben die Leitung des Frankfurter Kabaretts „Die Käs“ übernommen.

          So ganz angekommen sind sie offenbar noch nicht. Auch wenn Dorothée Arden und Michael Glebocki, die zum Jahreswechsel die künstlerische Leitung des Frankfurter Kabaretts „Die Käs“ übernommen haben, sich schon fast wie zu Hause fühlen. Doch wo das Saallicht an- und ausgeht und wie im Foyer die Kaffeemaschine funktioniert, muss das Ehepaar noch lernen. Sonst aber fühlt es sich der Herausforderung, ein Haus mit rund 200 Veranstaltungen im Jahr zu leiten, durchaus gewachsen. Schließlich kennen Arden und Glebocki Sinasi Dikmen und seine längst zur Institution gewordene Bühne schon seit ihren Anfängen vor bald 18 Jahren.

          Christoph Schütte

          Freier Autor in der Rhein-Main-Zeitung.

          Als Leiter des „Fresche Keller“ in Ortenberg - eine „Hobbybühne“, sagt Glebocki - sind sie ohnehin vom kleinkünstlerischen Fach und schauen sich immer wieder die Programme von bekannten und weniger bekannten Künstlern sowie von Talenten an, die vom breiten Publikum erst noch zu entdecken sind. Und das, wie Glebocki hinzufügt, naturgemäß „am liebsten auf einer Bühne, die wir selbst gerne mögen“. Trotzdem hat Dikmen sie im Sommer vorigen Jahres nachhaltig überrascht mit seiner Anfrage, ob die von langjährigen Stammgästen zu „Freunden des Hauses“ gereiften Kulturveranstalter Lust hätten, als Nachfolger von Dusan Pintner die „Käs“ zu übernehmen. Getreu dem weisen Rat von Glebockis Großmutter wurde eine Nacht darüber geschlafen. Doch dann war die Entscheidung rasch gefallen.

          Kabarett bleibt Schwerpunkt

          „Der Zeitpunkt war perfekt“, sagt die Kunsthistorikerin Arden, die zuvor für den Kronberger Kulturkreis gearbeitet hat, den sie in den vergangenen Jahren als Geschäftsführerin auch geleitet hat. „Nach 17 Jahren hat man schon mal Lust auf Veränderung.“ Die allerdings hat es in sich. Denn eine Bühne mit 85 Plätzen zu füllen wie im „Fresche Keller“, wo die Stammgäste einem schon vorab mitteilen, zu welcher der rund zwanzig Veranstaltungen im Jahr sie leider nicht kommen können, ist fraglos eine ganz andere Herausforderung, als Abend für Abend ein Theater in der Frankfurter Innenstadt zu füllen. Das Programm der „Käs“ freilich wird sich vor allem durch Kontinuität auszeichnen und steht für die aktuelle Spielzeit ohnehin längst fest.

          Klassisches Kabarett, für das Namen wie Martin Buchholz, Arnulf Rating oder Richard Rogler stehen, bleibt auch künftig der Schwerpunkt des Programms. Comedians wie Hennes Bender und Enissa Amani, Grenzgänger wie Michael Ehnert und Christoph Sieber sowie A-Cappella-Formationen wie 6-Zylinder und LaLeLu finden hier ebenfalls verlässlich ihr Publikum. Die einst so streng gezogenen Grenzen zwischen Kabarett und Comedy, so Glebockis Erfahrung, würden ohnehin längst „von beiden Seiten aufgeweicht“. Und auch für „Käs“-Gründer Sinasi Dikmen, der für März nach dreißig Jahren seinen Abschied von der Bühne angekündigt hat, wird sich selbstredend „sofort ein freier Termin finden“, sollte er seinen Entschluss vielleicht doch irgendwann einmal bereuen.

          Keine Angst vor einer Konkurrenz

          Radikale Neuerungen also, da darf das Publikum beruhigt sein, wird es in der „Käs“ nicht geben. „Wir machen das ja nicht wie eine Frau, die sich einen Mann aussucht, um aus ihm dann das zu machen, was sie gerne hätte“, sagt Glebocki. Hier darf also, um im Bild zu bleiben, der Ehemann auch künftig sein, was er als Liebhaber gewesen ist. „Wir mochten die Käs ja auch vorher schon.“ Damit meint Glebocki nicht nur das Programm sowie die mit Dikmen und seiner Bühne zum Teil seit Jahrzehnten verbundenen Künstler, sondern auch die ganz besondere, fast private Atmosphäre des Theaters. „Auch die Künstler sind glücklich, hier aufzutreten“, sagt Arden. „Man ist ganz nah am Publikum, und diese Nähe zeichnet die Kleinkunst immer schon aus.“

          Vor der Konkurrenzsituation, die sie in der Wetterau kaum fürchten mussten, ist ihnen denn auch nicht bange. „Das Einzugsgebiet reicht eigentlich für alle aus“, so Glebockis Einschätzung. Man könne im Gegenteil durchaus auch voneinander profitieren. Eine Zusammenarbeit etwa mit dem Stalburg Theater oder dem Neuen Theater Höchst habe es bei Gastspielen von LaLeLu oder Größen des Genres wie Alfred Dorfer auch in der Vergangenheit schon gegeben. Womöglich lässt sich das noch ausbauen. Die Ortenberger „Hobbybühne“ jedenfalls wollen Arden und Glebocki auch als Leiter der „Käs“ weiterführen, allerdings ohne die feste Spielstätte in der Backstube. Gastspiele von Michael Tretter (24. Januar), Tina Teubner (7. Februar) und Claus von Wagner (21. Februar) stehen schon fest.

          Wie das Ehepaar wohnt

          Angst vor der kleinkünstlerischen Wüstenei müssen die Wetterauer bis auf weiteres ohnehin nicht haben. Schließlich leben Arden und Glebocki gerne draußen auf dem Land und wollen trotz der Entfernung nach Frankfurt am Rand des Vogelsbergs auch wohnen bleiben. „16 Gründe“, sagt Glebocki, sprächen mindestens dagegen, das Zuhause für einen Umzug an den neuen Arbeitsort aufzugeben. Er denkt dabei nicht nur an Freunde und Bekannte und den „Fresche Keller“, sondern auch an die kleine Herde Coburger Fuchsschafe, die auf dem Grundstück des Ehepaars weidet.

          Und damit auch an den ihm mittlerweile lieb und teuer gewordenen täglichen Gang über die Wiese, und sei es bloß, um nachzuschauen, ob der Zaun noch steht oder die Tiere genug frisches Wasser haben. Wie ein Kurzurlaub sei das, den man nicht eingeplant habe: „Da kann man sich die schlimmen Gedanken aus dem Kopf wehen lassen.“ Wer weiß, vielleicht fällt Glebocki dabei ja eines Tages auch noch ein, wie in der „Käs“ die Kaffeemaschine funktioniert. Bis dahin trinken wir halt einfach Tee.

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