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Frankfurter Start-up : Postkarte vom Investmentbanker

  • -Aktualisiert am

Karten-Liebhaber: Postando-Gründer Johannes Duttenhöfer Bild: Wonge Bergmann

Statt Rechnungen wünscht Johannes Duttenhöfer sich wieder mehr Postkarten im Briefkasten. Sein Start-up soll dabei helfen. Name und Logo des Unternehmens erinnern an schon Bekanntes.

          Eigentlich ist Johannes Duttenhöfer Betriebswirt und arbeitet als Investmentbanker. Sein Arbeitstag beginnt morgens um kurz nach sechs und endet abends selten vor neunzehn Uhr. Nach Feierabend geht der Achtundzwanzigjährige allerdings einem ungewöhnlichen Zweitjob nach: Er kümmert sich um die Postkarten anderer Leute – in seinem Start-up namens Postando.

          Ein Relikt aus vergangenen Zeiten der Kommunikation ziert das Firmenlogo von Postando: eine Brieftaube. Die Postkarten-Versand-App komme bei den jungen Leuten seiner Generation erstaunlich gut an, sagt Duttenhöfer. Handy-Foto hochladen, Text schreiben, Schrift-Typ aussuchen, Adresse angeben – den Rest besorgen Duttenhöfer und seine Mitarbeiter. Mit zwei Freunden und IT-Fachleuten hat er die Anwendung für das Smartphone im vergangenen Jahr entwickelt, seit Oktober ist sie am Markt, wo sie mit ähnlichen Postkarten-Apps konkurriert.

          Älteste Kundin ist 80 Jahre

          Der Vorteil: Auf diese Weise lassen sich eigene Fotos als Postkartenmotive nutzen. In Handarbeit kleben Duttenhöfer und seine Freunde auf die an sie digital übermittelte und anschließend gedruckte Karte eine schöne Briefmarke und versenden sie mit der Post. So gelangen auch in Australien oder Ghana verfasste Urlaubsgrüße in spätestens zwei Tagen zum Empfänger in Deutschland, Karten ins Ausland brauchten drei bis sieben Tage. Der Service kostet unabhängig vom Bestimmungsort weltweit immer 1,99 Euro. „Möglichst einfach statt kompliziert“ – so lautet die Devise.

          Der Gründer ist ein großer Fan von Postkarten, seine Frau noch mehr. „Sie schickt ihrem Vater aus jedem Urlaub mehrere Ansichtskarten.“ Als das Paar vor gut zwei Jahren auf Bali Urlaub machte, fand sie erst keine schönen Karten, dann keine Briefmarken und schließlich keinen Postkasten. Am Ende kamen von den zwei Dutzend abgeschickten Karten nur zwei tatsächlich bei Familie und Freunden an. „Das muss doch besser gehen, einfacher, persönlicher und schneller“, dachte er und probierte damals schon am Markt vorhandene Karten-Apps aus.

          Die seien ihm aber alle zu umständlich in der Bedienung gewesen, „zu viele Klicks bis zum Ergebnis.“ Mit IT-Experten aus Wien entwickelte er eine App, „die auch meine Oma mit einem Finger bedienen kann“. Únd siehe da: Seine älteste Kundin ist 80 Jahre alt. Der Name Postando erinnert freilich nicht zufällig an „Zalando“. Das Logo ähnelt zudem Twitters Brieftaube, nur eben in Zalando-Orange. „Wiedererkennungswert“, sagt der Gründer und lacht.

          Start im früheren Kinderzimmer

          Allein in Deutschland werden – zu allen möglichen Anlässen – jährlich 200 Millionen Karten verschickt. Für Geburtstagsgrüße, Karten zum Muttertag oder zur Geburt bietet der Online-Dienst vorgefertigte Motive an, die man mit einem individuellen Text bedrucken lassen kann. Duttenhöfer will mit seiner App die Postkartenkultur im digitalen Zeitalter erhalten, wie er sagt. „Ich würde mich freuen, wenn meine Kinder mir eines Tages auch noch aus dem Urlaub Karten schicken würden, am besten täglich“, fügt Duttenhöfer hinzu.

          Einer seiner Freunde hat aus der Urlaubslaune mittlerweile den Hauptberuf gemacht, ein weiterer ist auf dem Absprung. Er selbst sei weiterhin mit großer Leidenschaft im Investmentbanking tätig. Das Unternehmen solle aber weiter wachsen. „Man hat ja schon viele Dinge gesehen, die in Garagen gestartet wurden“, sagt Duttenhöfer. Der Start von Postando hingegen erfolgte nicht in der Garage, bei Duttenhöfer stapelten sich Drucker und Karten zunächst in seinem früheren Kinderzimmer im Elternhaus. Mittlerweile gibt es Büros in Frankfurt und Wien.

          Nicht nur Rechnungen im Briefkasten

          Bei den Karten setzt der hauptberufliche Banker nach eigenem Bekunden auf Nachhaltigkeit: Gedruckt werden die Motive auf CO2-neutralem Papier, ohne UV-Lack verschickt mit dem „Go green“-Programm der Post. In Stoßzeiten in den Sommerferien oder zu Weihnachten kommen 1000 Karten am Tag zusammen. „Aber auch die Karte mit dem Foto vom Junggesellenabschied, an alle Teilnehmer verschickt und zwei Tage später im Briefkasten, hängt mit Sicherheit noch sehr lang in der Wohnung jedes Einzelnen“. Karten „einfach einmal so“ zu verschicken, liege im Trend.

          Das Glücksgefühl, wenn im Briefkasten morgens nicht nur Rechnungen liegen, sondern auch eine bunte Karte, von der einem auch noch ein bekanntes Gesicht entgegenlacht, sei durch nichts zu ersetzen. Auch wenn die sozialen Medien in ihrer Werbung versprechen, Lebenslinien zu verfolgen und glückliche Momente mit anderen zu teilen, so seien die meisten Nutzer davon doch längst übersättigt. Eine Karte hat dagegen nachhaltigere Wirkung.

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