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Frankfurter Immobilienmarkt : Deutsche Bank und ECE wollen Palais Quartier kaufen

Wertvolle Baumasse: Zum Palais Quartier gehören das Einkaufszentrum „MyZeil“, der Jumeirah-Hotelturm, das Bürohochhaus „Nexttower“ und das Rundschau-Areal. Das Thurn-und Taxis-Palais gab dem Komplex seinen Namen. Bild: Fricke, Helmut

Die Verhandlungen um das Palais Quartier in Frankfurt stehen kurz vor dem Abschluss. Die neuen Besitzer könnten dann die Deutsche Bank und ECE sein. Das Rundschau-Areal wird wohl an einen anderen Investor gehen.

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          Die zur Deutschen Bank gehörende Rreef-Immobilienfondsgesellschaft und der Projektentwickler ECE stehen kurz vor dem Kauf des Palais Quartiers, eines Gebäudekomplexes in der Frankfurter Innenstadt. Beide Unternehmen wollen Anfragen zu dem Thema nicht beantworten. Aus verlässlichen Quellen in der Immobilienbranche heißt es aber, dass sie den Gebäudekomplex für rund 800 Millionen Euro schon von der niederländischen Rabobank erworben haben. Ein Vorvertrag sei vorbehaltlich einer Risikoprüfung geschlossen worden. Die Rabobank war seit Jahresbeginn auf der Suche nach einem Käufer.

          Rainer Schulze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Der zur Rabobank-Gruppe gehörende Projektentwickler MAB hatte das Palais Quartier vor fünf Jahren erbaut. Zu dem Ensemble an der Hauptwache gehören der 136 Meter hohe Büroturm Nextower, das 99 Meter hohe Jumeirah-Hotel, das Einkaufszentrum My Zeil und das rekonstruierte Thurn-und-Taxis-Palais. Während weite Gebäudeteile wie das Einkaufszentrum und der Hotelturm erfolgreich vermietet wurden, tat sich MAB mit anderen schwer. So steht der Büroturm bis heute weitgehend leer. Und auch das Palais wartete lange Zeit auf eine adäquate Nutzung. Inzwischen ist in einen Flügel Gastronomie eingezogen, der unterirdische Ballsaal wird für Veranstaltungen vermietet.

          ECE macht sich selbst Konkurrenz

          Dem Vernehmen nach wollen die Deutsche Bank und ECE, der größte deutsche Entwickler und Betreiber von Shoppingcentern, die Immobilien neu am Markt positionieren. „Nun kann auch der Büroturm marktkonform vermietet werden“, prophezeit ein Makler. Dass ein so zentral gelegenes Hochhaus keinen Mieter gefunden habe, liege nicht an der Marktlage, sondern an den unrealistischen Mietpreisen, die der vorherige Eigentümer verlangt habe. „MAB sprach nicht die Sprache des Büromarktes. Das Preis-Leistungs-Verhältnis muss stimmen.“ Derzeit sind nur drei Etagen des Büroturms an Anwaltskanzleien und Finanzdienstleister vermietet. 27 000 Quadratmeter Bürofläche stehen noch zur Verfügung. Das Maklerunternehmen Colliers hatte die letzten Mietabschlüsse vermittelt. „Die ersten Erfolge sind da, die nächsten werden in den nächsten Monaten folgen“, sagt der Geschäftsführer von Colliers Frankfurt, Matthias Stanke. Er rechnet damit, dass das Hochhaus in den nächsten zwölf Monaten komplett vermietet wird. Es biete die gleiche Qualität wie die Türme im Bankenviertel. „Es hat nicht so eine imposante Lobby wie der Taunusturm, aber dafür kostet es auch nicht so viel“, sagt Stanke. Mit seiner Lage an der Hauptwache stehe das Gebäude „mitten im Leben“.

          Um das Einkaufszentrum kümmert sich mit ECE künftig der erfahrenste Betreiber in Deutschland. Allerdings macht er sich nun auch selbst Konkurrenz. Die Hamburger führen schon das Skyline Plaza im Europaviertel und auch das Main-Taunus-Zentrum vor der Stadtgrenze. Das My Zeil ist allerdings besonders günstig gelegen. Die stark frequentierte Fußgängerzone Zeil zählt mit einer Höchstmiete von 320 Euro pro Quadratmeter zu den teuersten Lagen in Deutschland, nur in München werden noch höhere Preise gezahlt. Mit rund 11 300 Passanten in der Stunde liegt die Zeil im deutschlandweiten Vergleich der Fußgängerzonen auf dem vierten Rang. Das My Zeil ist fast komplett vermietet, derzeit stehen drei Ladenflächen leer. Der Hotelturm wurde langfristig an die Luxus-Hotelkette Jumeirah vermietet.

          Rundschau-Areal noch unbebaut

          Ebenfalls noch Potential hat das Thurn-und-Taxis-Palais. Weil der Eigentümer unrealistischen Vorstellungen nachhing - zwischenzeitlich war sogar eine Art Filiale des Casinos in Bad Homburg geplant -, stand es lange leer.

          Zum Palais Quartier gehört auch das noch unbebaute frühere Rundschau-Areal an der Großen Eschenheimer Straße. Offenbar wollen es die Deutsche Bank und ECE direkt weiterveräußern, an einen noch unbekannten dritten Projektentwickler. Das Grundstück sei „einzeln auf dem Markt“, heißt es. An dieser Stelle wird eine Entwicklung mit besonderer Spannung erwartet. Der Bebauungsplan sieht hier ein gemischt genutztes Wohn- und Geschäftshaus vor, das höchstens 20 bis 26 Meter hoch sein darf, also etwa sieben bis acht Geschosse haben kann. Möglich sind 15.000 Quadratmeter Bürofläche und 3500 Quadratmeter Wohnfläche.

          Die Ideen der Stadt für das Areal

          Der Stadt ist besonders an mehr Wohnraum gelegen. „Wir wollen das Wohnen in der Innenstadt weiter stärken“, sagt Planungsamtsleiter Dieter von Lüpke. Auch in der direkten Umgebung kommen durch Neuentwicklungen zusätzliche Wohnungen hinzu: An der Stiftstraße wird ein 80 Meter hoher Wohnturm gebaut, das Fremdsprachenkino Turmpalast wurde durch das Turmcarrée mit Geschäften, Büros und elf Mietwohnungen ersetzt.

          Die genaue Anordnung der verschiedenen Nutzungen auf dem alten Rundschau-Areal hängt von der Architektur des Gebäudes ab. Im Erdgeschoss will die Stadt Einzelhandel sehen, allerdings handelt es sich um keine hochfrequentierte Lage. Über der Einfahrt zur Tiefgarage unter dem My Zeil sollen offenbar die Wohnungen liegen, zur Stiftstraße hin die Büros.

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