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Hotelier Eduard Singer : „Wir verkaufen uns unter Wert“

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Meint, dass es in Frankfurt zu viele Hotels gibt: Eduard Singer, Vorsitzender des Frankfurter Hotel- und Gaststättenverbands. Bild: Wonge Bergmann

Eduard Singer leitet das Hotel Hessischer Hof. Im Interview spricht er über Zimmer, die zu billig sind, und über das Geld, das die Stadt für touristisches Marketing nicht ausgibt.

          Seit Januar gilt der gesetzliche Mindestlohn. Ihre Branche hat viele Vorbehalte dagegen formuliert. Was ist seitdem passiert?

          Gegen den Mindestlohn gibt es keinen Einspruch, gab es nie. Die unterste Stufe der Entgelttariftabelle lag in unserer Branche schon lange vor dem Mindestlohn bei 9,64 Euro, das kann uns also gar nicht tangieren. Aber es gibt Probleme mit den zusätzlichen bürokratischen Belastungen. Dienstpläne, Zeiterfassungssysteme, Allergenverordnung umsetzen und Ähnliches: Die Großhotellerie hat und kann das alles, kleinere Betriebe kommen in Schwierigkeiten. Aber ich denke, das ist behoben, und inzwischen dokumentiert jeder so, wie es vom Gesetzgeber vorgesehen ist. Eine größere Herausforderung ist das Arbeitszeitgesetz und die Vorgabe, dass maximal zehn Stunden am Stück gearbeitet werden darf.

          Das ist ja eigentlich nichts Neues...

           ...ja, das ist schon richtig. Aber für Gastronomie und Hotellerie hat das eine besondere Bedeutung.

          Wo ist das Problem? Besteht es darin, dass die Arbeitszeiten nicht eingehalten werden können?

          Sie haben recht, natürlich hat das Arbeitszeitgesetz auch früher schon gegolten. Aber jetzt muss wirklich jede einzelne Stunde aufgeschrieben werden, das bedeutet auch: Überschreitungen müssen zurückgeführt werden, wo sie sonst ausgeglichen wurden, und zwar im Interesse der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die flexible Arbeitszeiten wünschen. Das heißt, wir müssen zusätzliche Schichten einführen. Wir benötigen Mitarbeiter, und die gibt es auf dem Markt einfach nicht.

          Um das anschaulicher zu machen: Was hat sich für den Hessischen Hof, das Hotel, das Sie leiten, mit der Einführung des Mindestlohns verändert?

          An meinem Haus kann ich das schlecht beschreiben, denn wir hatten schon vorher ein Dokumentationssystem, wir haben auch ein Dienstzeiten-Programm. Was wirklich allen Probleme macht, sind die Vorschriften zur Arbeitszeit an sich. Im Hotel zum Beispiel: Wo den Gästen Frühstück angeboten wird, Mittagessen, Kaffee, Abendessen, wo dann womöglich noch eine Bar betrieben wird und ein Nachtkoch vorgehalten wird: Da kommen für Mitarbeiter eben nicht immer zehn Stunden zusammen, sondern zu besonderen Anlässen auch mal zwölf, mit Einverständnis und Ausgleich natürlich. Wir können die Gäste ja nicht nach dem Dessert nach Hause schicken. Also brauche ich zusätzliche Arbeitskräfte. Die kann ich aber unter Umständen nicht einstellen, aus welchen Gründen auch immer.

          Gibt es schon Statistiken dazu, wie sich die Neuerungen auswirken?

          Nein. Das handhabt jeder Betrieb unterschiedlich. Wenn Sie sich umsehen, in der Gastronomie vor allem, werden Sie bemerken, dass der eine seine Öffnungszeiten einschränkt, der andere ein Lokal schließt, vor allem wenn er mehrere hat. Wer es sich leisten kann und Leute findet, der stellt ein, oder er arbeitet mit Personal von Zeitarbeitsfirmen.

          Restaurants, die nur noch vier Tage die Woche geöffnet sind, gibt es tatsächlich immer mehr.

          Es ist für viele einfach nicht anders zu schaffen. Vor allem weil es, wie schon gesagt, keine Mitarbeiter gibt. Und wenn Sie mich noch einmal fragen wollen, inwieweit sich die neuen Vorschriften auf die Branche auswirken: Ich denke, in einem halben Jahr wird man dazu mehr sagen und auch belastbare Zahlen vorweisen können.

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