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Hauptbahnhof Frankfurt : Mit „Desi“ gegen das Virus

Hinweise, Putzen, Hygiene: Mit diesem Dreisatz versucht der Frankfurter Hauptbahnhof, Fahrgästen in Corona-Zeiten ein Gefühl der Sicherheit zu geben. Bild: Lando Hass

Menschenansammlungen gilt es derzeit zu meiden. Damit Fahrgäste keine Scheu haben, den Frankfurter Hauptbahnhof zu nutzen, arbeiten die Deutsche Bahn und Bahnhofsmanager Hartmut Schwarz täglich am Hygienekonzept.

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          Mit einer litfaßsäulengroßen Desinfektionsstation, UV-Licht-Reinigung an Rolltreppen und doppelt so vielen Putzeinsätzen an Touchscreens, Handläufen, Aufzügen und Fahrkartenschaltern versucht Hartmut Schwarz das zurückzugewinnen, was er in den vergangenen drei Monaten am meisten vermisst hat: Kunden. Leere Bahnsteige, geschlossene Läden, nicht einmal ein Hauch von Geschäftigkeit war in Zeiten des Lockdowns im Frankfurter Hauptbahnhof zu spüren, der mit rund 500.000 Passagieren am Tag der nach Fahrgastzahlen zweitgrößte Bahnhof Deutschlands ist. „Das war schlimm“, sagt der Manager des Hauptbahnhofs, „da hat wirklich etwas gefehlt.“

          Mechthild Harting
          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Allmählich kehren die Bahnreisenden zurück. Fünfzig bis sechzig Prozent seien inzwischen wieder da, sagt Schwarz. Der größte Teil sind Pendler. Mit jedem Tag, an dem am Flughafen wieder mehr Maschinen abhöben, kämen weitere „normale“ Bahnreisende hinzu. Nur auf die Geschäftsleute, davon geht der Leiter des Bahnhofsmanagements aus, wird er noch lange warten. Dass sich zur Buchmesse im Oktober an den 28 Bahnsteigen so viele Menschen einfinden wie in der Vor-Corona-Zeit, davon geht er erst gar nicht aus. Das waren einst die Spitzentage mit 600.000 Bahnreisenden am Tag.

          Mit Hygiene und Sauberkeit, Markierungen und klug installierten Hinweisen auf Abstandsregeln und Maskenpflicht in Zügen und Bahnhöfen will Schwarz noch mehr Menschen Mut machen, Fernzüge und den öffentlichen Nahverkehr auch in Corona-Zeiten zu nutzen.

          Fünf Mal am Tag werden Oberflächen gereinigt

          Mit einem gewissen Stolz präsentiert er die erst kürzlich installierte „Desi-Station“, einen drei Meter hohen Desinfektionsspender in der Eingangshalle des Hauptbahnhofs. Von zwei Seiten aus können Passanten sich die Hände auf dem Weg zu den Gleisen desinfizieren. Das mit Akkus betriebene Gerät beinhaltet 20 Liter Desinfektionsmittel, viermal täglich wird es gereinigt. Die Station werde gut angenommen, sagt Schwarz, so dass er eine zweite in der B-Ebene installieren will. An anderer Stelle, etwa am Nordausgang, soll es weitere geben, dann jedoch in kleinerem Format. Einfache Spender gibt es schon seit Wochen rund um die Informationsschalter. „Wir wollen vorbereitet sein, wenn die Fahrgastzahlen steigen“, wenn der Betrieb „hochfährt“.

          Wie bestellt macht eine vorbeieilende junge Frau tatsächlich kurz halt und steckt schnell die Hände in das große „Desi“-Gerät. „Das ist eine gute Idee der Bahn“, sagt sie, die täglich zwischen Bensheim und Frankfurt pendelt. Immer, wenn sie durch den Bahnhof komme, nutze sie die Gelegenheit, sich die Hände zu desinfizieren: „Ich fühle mich dann sauberer.“ Ein Vater mit kleiner Tochter, der offenbar auf Reisen gehen will, sagt, er wolle gleich im Bahnhof etwas essen, da komme ihm die Station wie gerufen. Auf die Frage, ob die Bahn ausreichend Vorkehrungen treffe, um Reisende vor einer Ansteckung durch das Virus zu schützen, zeigt er sich zufrieden: „Was sie machen, ist schon ganz gut.“ Der Frankfurter Hauptbahnhof ist der erste überhaupt, der Mitte Mai testweise mit einer speziellen Reinigung durch UV-Licht ausgestattet wurde. Installiert wurde sie an zwei Rolltreppen in Richtung der S-Bahn-Gleise im Tiefgeschoss. Die Anlage sollte dafür sorgen, dass die Handläufe der Treppen keimfrei sind. Das Ergebnis war nach vier Wochen Test so überzeugend, dass nun andere Hauptbahnhöfe wie der in Düsseldorf dem Frankfurter Beispiel folgen. In Frankfurt will Schwarz jede Rolltreppe, die er erneuert, mit der Technik ausstatten. Als Erstes werden die Treppen zu den S-Bahnen sie erhalten.

          Wo Technik fehlt, lässt Schwarz mit der Hand putzen: fünfmal am Tag die Handläufe und alle anderen Kontaktflächen. Der Bahnhof selbst wird zweimal täglich mit Maschinen gereinigt. Das Reinigungspersonal arbeitet in drei Schichten. „Wir tun derzeit etwas mehr“, sagt Schwarz, damit jeder „mit einem guten Gefühl“ im Hauptbahnhof unterwegs sein kann.

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