https://www.faz.net/-gzg-802zx

Frankfurter Geschäftsleben : Die Ausweitung der Luxuszone

Wechselhaft: Die wiederbelebte Taschen-Marke MCM tritt groß auf. Bild: Cornelia Sick

Uhren und Taschen sind weiterhin die Stars im Frankfurter Einzelhandel. Einkaufsstraßen werden schicker und teurer. Doch auch Inhaber kleinerer Geschäfte investieren.

          5 Min.

          Seiko, Swatch, Sinn und Hublot

          Petra Kirchhoff

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Immer mehr Uhrenmarken setzen auf eigene Geschäfte. Gleich vier Neueröffnungen stehen in nächster Zeit in Frankfurt an. An der Goethestraße wird die Schweizer Luxus-Marke Hublot die Räume von Tag Heuer übernehmen – ein Stabwechsel im eigenen Haus, denn beide Label gehören zum französischen Luxusgüterkonzern LVMH (Louis Vuitton, Givenchy, Moët&Chandon). Hublot spielt mit Durchschnittspreisen von 19000 Euro für eine Uhr weit oben in der Luxus-Liga, die Schwestermarke Tag Heuer liegt deutlich darunter und will künftig nach Angaben von Hublot-Deutschland-Chef Philippe Roten ein jüngeres Publikum ansprechen. So gesehen, passe Hublot besser zur Goethestraße. Es ist die dritte Hublot-Filiale in Deutschland. Die Eröffnung ist für Anfang März geplant. Ebenfalls im März wird die Frankfurter Uhrenmanufaktur Sinn ihre neue Vorzeigefiliale auf dem Römerberg eröffnen, die vor Weihnachten schon einmal provisorisch in Betrieb genommen worden war. Eher in der mittleren Preisliga spielen die Marken Swatch (Schweiz) und Seiko (Japan). Seiko wird Nachmieter von Timberland an der Freßgass’, Swatch zieht an die prominente Adresse Zeil 123 (ehemals Hako-Haus) und wird dort Nachbar des amerikanischen Lederaccessoires-Anbieters Fossil, der ursprünglich die ganze Fläche mieten wollte. Die Räume, deren Miete über 400 Euro je Quadratmeter liegen soll, hatten seit der Fertigstellung im vergangenen Jahr leer gestanden.

          Kein Café vor E-Kinos

          Zerschlagen haben sich inzwischen die Pläne für ein Eiscafé oder eine Bar mit Außenbestuhlung im Neubau an der Hauptwache (ehemals Hako-Haus). Eine kleine, rund 50 Quadratmeter große Fläche hatte der Projektentwickler Gertler Estates dafür reserviert mit dem Wunsch, Tische und Stühle auf dem Vorplatz in Richtung Katharinenkirche aufzustellen. Die Stadt hat sich laut Gertler-Marketing-Leiter Bernd Reinheimer bei den Plätzen nicht festlegen wollen. Daher sei es nicht gelungen, einen Mieter zu finden. „Wenn man nicht weiß, was man anbieten soll...“, so Reinheimer. Jetzt geht die Fläche als Empfangshalle an die türkische Işbank, die Anfang März einziehen wird.

          Timberland statt GGL

          Das Taschenlabel George Gina&Lucy, kurz GG&L, hat sein Geschäft an der Katharinenpforte geschlossen. Ein zieht das amerikanische Unternehmen für robuste Schuhe und Mode: Timberland. Damit bleibt die Verkaufsfläche in der Hand der Hanauer Unternehmerfamilie Bailly Diehl. Der Modefilialist ist Partner von Timberland und verantwortlich für fünf Filialen in der Rhein-Main-Region. Das Label GG&L hatte Nicole Bailly, Tochter von Unternehmer Michael Bailly, seinerzeit mitentwickelt. Die bunten Nylontaschen mit dem Karabinerhaken als Markenzeichen sind weltweit erfolgreich. Den Rückzug begründet ein Unternehmenssprecher mit der Eröffnung einer neuen GG-&-L-Filiale im Main-Taunus-Zentrum im vergangenen Sommer. Das neue Timberland-Geschäft ist Ersatz für die bisherige Filiale an der Freßgass’. Dort ist der Mietvertrag ausgelaufen. Unternehmenschef Michael Bailly spricht von einem guten Verhältnis zum Vermieter, aber den vorgesehenen Sprung bei der Miete habe er nicht mehr mitmachen wollen.

          MCM am Opernplatz

          Weiter oben Richtung Opernplatz hat die Freßgass’ inzwischen zumindest optisch Goethe-Straße-Charakter. Mit Porsche Design, Stuart Weizman und Twin-Set reiht sich ein Hochglanz-Geschäft neben das andere. Dazu passt die Neueröffnung des Münchener Taschenladens MCM, der auf zwei Etagen die prominenteste Fläche im neuen Büro- und Geschäftshaus an der Ecke Freßgass’/Goethestraße (Goethe 34) belegt. Lange hat man nichts von MCM gehört. Dabei hatte die Taschenmarke, deren Buchstaben für „Modern Creation München“ stehen, Anfang der neunziger Jahre mehr Glamour als Louis Vuitton. Lady Di besaß eine MCM. Doch spätestens seit Lieschen Müller die Taschen mit dem Lorbeerkranz-Logo für sich entdeckte, galten sie als uncool. Ende der neunziger Jahre wurde die Marke zerlegt und weiterverkauft. 2005 übernahm eine koreanische Investorin und Multimillionärin MCM, und sechs Jahre später ging es wieder aufwärts. Im vergangenen Jahr kündigte das Unternehmen die Eröffnung neuer Markengeschäfte und Shop-in-Shop-Lösungen in renommierten Warenhäusern an. Die Vorzeigefiliale in Frankfurt ist die vierte in Deutschland.

          Weitere Themen

          Börsenglocke zum Geburtstag Video-Seite öffnen

          F.A.Z. wird 70 : Börsenglocke zum Geburtstag

          Nein, die F.A.Z. geht nicht an die Börse. Dass Werner D'Inka, seine Mit-Herausgeber und die Geschäftsführer die Eröffnungsglocke auf dem Frankfurter Parkett läuten durften, war ein Geschenk der Deutschen Börse zum 70. Geburtstag.

          „Jubiläum kein Grund zur Freude“

          Demos von Flughafengegnern : „Jubiläum kein Grund zur Freude“

          Rund Tausend Gegner des Flughafenausbaus versammelten sich am Montagabend zur 300. Demonstration in Frankfurt. Obwohl mit Tarek Al-Wazir ein früherer Ausbaugegner seit Jahren Verkehrsminister in Hessen ist, sehen sie nur wenige ihrer Forderungen umgesetzt.

          Topmeldungen

          Altersvorsorge : Rentenpolitik ohne Kompass

          Die Koalition lobt die Grundrente als einen „sozialpolitischen Meilenstein“. Die Wahrheit ist: Die Grundrente wird weder das Vertrauen in den Generationenvertrag stärken, noch taugt sie als Konzept gegen Altersarmut.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.