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Gallusviertel : Frankfurts neuer Vorzeigestadtteil

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Wohnen und Kultur: Auf dem ehemaligen BMW-Gelände vor den Adlerwerken entstehen Wohnungen. Bild: Junker, Patrick

Immer mehr Wohnungen, eine blühende Kulturszene: Der Frankfurter Stadtteil Gallus ist beliebt - wenn auch nicht unbedingt schick. Das neue Image ist auch einem Projekt zu verdanken, das vor 16 Jahren begann.

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          „Ich zieh ins Gallus!“ Vor einigen Jahren hätten das wahrscheinlich nur wenige mit einem Lächeln voller Vorfreude gesagt. Heute glänzt das Gallus wie nie zuvor und lockt immer mehr Menschen an: In den vergangenen fünf Jahren sind knapp 9000 Menschen in den Stadtteil gezogen, wie Zahlen des statistischen Jahrbuchs der Stadt zeigen. Die Stadt ist ziemlich stolz auf die Entwicklung, die ihr einstiges Industrieviertel zwischen Hauptbahnhof und Rebstockpark hingelegt hat. Das Gallus – früher ein Viertel, aus dem die Leute lieber weggezogen sind – ist heute beliebter denn je.

          Das einstige Arbeiterviertel, dessen Häuser vom Ruß geschwärzt wurden, ist zur Heimat vieler Kultureinrichtungen geworden. Das Gallus Theater, das Günes-Theater, das Frankfurt Lab und der Musik-Club „Das Bett“ sind nur einige von ihnen. Auch Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) meint: „Das Gallus ist ein Ort der freien Szene. Der Stadtteil zeichnet sich durch seine kulturelle Vielfalt aus und bietet viel Raum für Kreativität.“ Deshalb ist das Viertel auch der Schwerpunkt in der Nacht der Museen am Samstag. Viele Werkstätten werden für die Veranstaltung ihre Türen öffnen, außerdem soll es Ausstellungen und Konzerte rund um die Galluswarte geben.

          Viertel mit eigenem Charakter

          Der Zustrom mag auch daran liegen, dass das Gallus eines der Viertel ist, in denen in Frankfurt am stärksten gebaut wird, wie der Sprecher des Planungsdezernats sagt. Und zwar vor allem auf Flächen, die vorher gewerblich genutzt worden seien, es entstehe also wirklich neuer Wohnraum. Seit 2011 kamen mehr als 2700 Wohnungen hinzu. Warum ausgerechnet im Gallus?

          Ein Grund ist sicherlich, dass es im Gallus überhaupt noch Platz gibt, das Viertel dabei aber ziemlich zentral liegt. Auch Hans Mattheußer, der einen Gebäudekomplex mit rund 150 Wohnungen an der Lahnstraße entwickelt, glaubt, dass viele lieber „in den Kiez“ ziehen wollen, als in eine „Trabantenstadt wie den Riedberg“.

          Tatsächlich ist das Gallus ein gewachsener Stadtteil, kein künstlich gezüchteter. Es gibt viel Einzelhandel, Bistros, Kneipen und Supermärkte. Auch die Bausubstanz aus der Gründerzeit verleiht dem Viertel einen eigenen Charakter. Seit Frankfurt das Viertel vor gut sechzehn Jahren in das Programm „Soziale Stadt“ gebracht hat, ist im Gallus viel passiert. Wo vorher durch den Strukturwandel der siebziger Jahre die Industrie verschwand und daher Arbeitslose und sozial Schwache lebten, tat sich wieder etwas.

          Ursprüngliches und Neues

          Durch das Programm wurden Parks geschaffen, Wohnungen modernisiert und nachbarschaftliches Engagement gefördert. Der Quartiersplatz an der Quäkerwiese zieht inzwischen immer mehr Menschen an, kleine Restaurants laufen gut, und die umliegenden Parks wie der Gleisfeldpark, Europapark und Rebstockpark verschaffen dem Viertel etwas Luft.

          Planungsdezernent Mike Josef (SPD) ist besonders stolz auf den Bolzplatz am Galluspark, der durch „Soziale Stadt“ gebaut wurde. Dort können die Kinder im Viertel sich austoben, aber auch Kontakte knüpfen. Es gibt noch viele weitere Initiativen, die Bewohner zusammenbringen, etwa das Urban Gardening-Projekt an der Frankenallee oder das Mehrgenerationenhaus.

          Das Gallus ist immer noch nicht schick. Es ist sogar weit davon entfernt, wie etwa das Nordend zu werden. Aber das will es auch gar nicht sein. Und vielleicht zieht es auch gerade deswegen immer mehr Kreative an. Noch sind die Mieten erschwinglich, noch gibt es etwas Ursprüngliches, aber eben auch Neues. Das weiß auch die Stadt.

          Kein Geheimtipp mehr

          Nächsten Mittwoch führt Josef deshalb Bundesumweltministerin Barbara Hendricks und die hessische Umweltministerin Priska Hinz, die jeweils auch für Wohnungspolitik zuständig sind, durch das Gallus. Er wird ihnen das Viertel im Rahmen des Auftakts für den bundesweiten Tag der Städtebauförderung als Vorzeigeprojekt vorstellen, das sich – auch durch das Geld, das Bund und Länder investiert haben – zu einem lebenswerten Quartier entwickelt hat.

          Das Gallus steht nicht still. Viele hundert Wohnungen entstehen auch in diesem Jahr, wie eben an der Lahnstraße oder auch an der Kleyerstraße. Dort, auf dem ehemaligen BMW-Gelände, baut die SWI 620 Wohnungen. Der Abbruch auf dem Gelände läuft schon – fertig wird das Projekt wohl aber erst 2020.

          Mehr Wohnungen, mehr Kunst, mehr Leben – im Gallus geht es vorwärts. Ein Geheimtipp ist es jedenfalls schon lange nicht mehr.

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