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Frauenfriedenskirche : Auf Sand gebaut

Friedenskönigin: Die zwölf Meter hohe Mosaikstatue der Frauenfriedenskirche bleibt von den Arbeiten verschont. Bild: Frank Röth

Weil der Architekt Hans Herkommer die Frankfurter Frauenfriedenskirche vor 90 Jahren auf ungeeigneten Grund errichten ließ, muss sie jetzt für 2,2 Millionen Euro saniert werden.

          Kerstin Stoffels ist Rheinländerin, Winzertochter, Pfarrsekretärin und Frohnatur. Hört sie allerdings den Namen Hans Herkommer, ist schlagartig Schluss mit lustig. „Ich könnte ihn ohrfeigen“, sagt sie. 1927 wurde die Frauenfriedenskirche nach seinen Plänen errichtet. Knapp 90 Jahre später muss sie für mehr als 2,2 Millionen Euro saniert werden. Der Architekt schien bereits beim Bau der Kirche zu ahnen, dass das Gemäuer nicht viel länger halten würde. In einem Brief prophezeite er genau die Schäden, die Kerstin Stoffels jetzt um den Schlaf bringen.

          Anklagend schreitet sie um das große Kirchenschiff und bleibt vor dem Anbau, in dem sich die Taufkapelle befindet, stehen. Die Tür ist zugesperrt. Seit Jahren schon. Ein Schild weist darauf hin, dass dieser Eingang „wegen Senkungen bis auf weiteres“ geschlossen sei. Ursprünglich habe Architekt Herkommer geplant, auf die Kapelle einen Baldachin zu setzen. „Dann hat er spontan beschlossen, doch 20 Meter Kirche draufzupacken, ohne dass eine Gründung drunter ist. Er hat die Kirche buchstäblich in den Matsch gesetzt“, sagt sie. Und genau das ist das Hauptproblem. Die Frauenfriedenskirche steht auf Basalt, dazwischen eine lehmige Bodenschicht. „Ganz schlechter Baugrund“, wie Stoffels, die die Arbeiten koordiniert, sagt. Ein Jahr ist für die Renovierung vorgesehen. Am heutigen Palmsonntag wird der letzte Gottesdienst in der Frauenfriedenskirche gefeiert, bevor mit großem Gerät versucht wird, dem Bau wieder zu mehr Standhaftigkeit zu verhelfen.

          Hügeliger Flickenteppich

          Eng an den Außenmauern der Kirche entlang sollen insgesamt 17 Rohre bis zu 14 Meter tief in den Boden gerammt werden. Unter Hochdruck wird dann ein Zementgemisch in das Erdreich eingespritzt, um den Untergrund zu befestigen. Im Innenraum warten weitere Arbeiten. Die Kirche soll – zumindest farblich – in den Originalzustand zurückversetzt werden. Das bedeutet: neuer Anstrich, neuer Boden. Derzeit ähnelt der Boden eher einem hügeligen Flickenteppich. Silberne Metallplatten gleichen die bis zu fünf Zentimeter hohen Unebenheiten aus.

          Stoffels kennt jeden Riss in der Wand, jede wackelige Stufe zum Altar, jedes verzogene Fenster. Die millionenteuren Renovierungsarbeiten, die das Bistum Limburg, das Land Hessen, das Amt für Denkmalschutz sowie der Freundeskreis der Frauenfriedenskirche stemmen, sehen auch einen neuen Altar vor. „Der alte ist ja mehr ein Teetisch“, scherzt Stoffels. Viel zu klein, viel zu unscheinbar. Der neue erinnert hingegen an ein halbes goldenes Ei. „Der ist sensationell“, schwärmt die 58 Jahre alte Pfarrsekretärin, die sich in den vergangenen Jahren mit der Architektur, aber auch mit der Geschichte der Kirche befasst hat.

          Denkmal nationaler Bedeutung

          1944, erzählt Stoffels, wurde die Kirche bei einem Bombenangriff stark zerstört. „Das halbe Dach hat gefehlt. Da ist die Soße wochenlang die Wände runtergelaufen.“ Geflickt wurde damals eher provisorisch. Gestrichen auch – in Mausgrau. Nun soll alles wieder in den Originalzustand zurückversetzt werden. Weiße Wände, rote Applikation. Dazu ein neues Lichtkonzept, durch das das Innere der Kirche optisch in mehrere Räume geteilt werden kann. Das sei auch bitter nötig, so Stoffels. Denn die Bockenheimer Frauenfriedenskirche ist für bis zu 1000 Gottesdienstbesucher ausgelegt. An einem regulären Sonntag kommen allerdings nicht mehr als 200. „Wenn wir eine Dorfkirche wären, wäre die Bude voll.“

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