https://www.faz.net/-gzg-84oll

Frankfurter Flughafen : Vom Milliardenprojekt sollen auch Kleine profitieren

Terminl 3: Fraport will das Projekt in kleine Auftragstranchen zerlegen, um Mittelständlern Chancen zu verschaffen. Bild: dpa

Der Flughafenbetreiber Fraport baut das dritte Terminal ohne Generalunternehmer und verspricht gute Chancen für Hessens Mittelständler. Die eines freut es, die anderen sind skeptisch.

          Natürlich wäre auch der mittelständische Schaltschrank- und Stromverteilerspezialist Rittal aus dem hessischen Herborn gerne wieder dabei, wenn nun das dritte Terminal am Frankfurter Flughafen gebaut wird. Ein Investitionsvolumen in Höhe von 2,4 Milliarden Euro verspricht lukrative Aufträge für Zulieferer. Im Moment steht aber erst einmal der Tiefbau an, die Ausschreibungen laufen. Die Experten für Stromverteiltechnik sind also noch nicht am Zug.

          Jochen Remmert

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, zuständig für Flughafen und Offenbach.

          Es spricht aber viel dafür, dass sie wieder dabei sein werden, denn Flughafen können die Herborner. Das haben sie schon in aller Welt und gerade auch in Frankfurt bewiesen. So waren sie etwa beim Anschluss des A-Plus genannten 800-Meter-Flugsteigs an das Terminal 1 dabei - als Zulieferer für Auftragnehmer der Fraport AG, wie eine Unternehmenssprecherin erläutert. In der Steuerung der inzwischen 80 Kilometer langen Gepäckförderanlage unter dem Flughafen sind die Komponenten aus Herborn ebenso verbaut. Das Gleiche gilt für den neuen Tower der deutschen Flugsicherung am Frankfurter Flughafen.

          Gewaltige Dimensionen beim Terminal

          Das Projekt Terminal 3 ist allerdings ungleich größer. Denn letztlich bedeutet es, den Frankfurter Flughafen noch einmal etwa um die Kapazität der Flughäfen in Düsseldorf und Hannover zu erweitern. Wenn alle vom Frankfurter Architekten Christoph Mäckler geplanten vier Finger in Betrieb sind, wird die Passagierkapazität von Deutschlands größtem Airport um 25 Millionen auf 88 Millionen im Jahr gewachsen sein. 2022 soll aber erst einmal nur das erste Modul angefahren werden. Das besteht aus der Terminalhalle und zwei Flugsteigen von 600 und 400 Meter Länge.

          Die Kapazität des Flughafens vergrößert sich mit diesem ersten Abschnitt um 14 Millionen Fluggäste im Jahr. Schon in dieser ersten Stufe sind die Dimensionen gewaltig: 470.000 Quadratmeter Gebäudegesamtfläche, 1,4 Millionen Quadratmeter Vorfeld, von denen 530.000, also fast 100 Fußballfelder, schon gebaut und in Benutzung sind. Nicht zu vergessen der Vorfeld-Tower, den das Terminal 3 bekommen wird. Ein Gutteil der Aufträge soll dem Mittelstand in Hessen zugutekommen, versichert Fraport. Einzuhalten ist ein solches Versprechen jedoch nur, weil der Flughafenbetreiber auf einen Generalunternehmer verzichtet und die Vergaben weitgehend selbst steuert.

          Mittelständler beim A-Plus-Projekt beauftragt

          Vorstandschef Stefan Schulte sagt, Fraport habe durch etliche Großprojekte wie zuletzt den Flugsteig A-Plus im Norden des Flughafens genug eigene Expertise entwickelt, um ein solches Megaprojekt in Eigenregie vollständig durchzuplanen. Und so könne das Unternehmen eben auch steuern, dass Mittelständler aus der Region eine Chance bekämen. Weil das Terminal 3 noch ein gutes Stück größer ist als der A-Plus-Finger, hat Fraport eine separate Gruppe gebildet, die unmittelbar dem Finanzvorstand Matthias Zieschang zugeordnet ist.

          Beim A-Plus-Projekt ging es zwar nur um einen Flugsteig. Auf seinen knapp 800 Meter Länge verfügt er allerdings über eine Nutzfläche von 185.000 Quadratmetern. Allein dieser eine Flugsteig hat dem Flughafen eine zusätzliche Passagierkapazität von sechs Millionen im Jahr verschafft. Auch hierbei hat Fraport darauf geachtet, die Vergaben so zu stückeln, dass auch Mittelständler aus der Region überhaupt die Hand heben konnten.

          Wie Rhein-Main bisher profitierte

          Von den 700 Millionen Euro Gesamtbaukosten entfielen 560 Millionen Euro auf den Hochbau. 450 Millionen Euro davon verteilten sich wiederum auf alles in allem 495 einzelne Vergaben an Bauunternehmen aus ganz Deutschland. Entscheidend für kleinere Mittelständler ist, wie gesagt, die Stückelung. Deshalb verteilte Fraport beim A-Plus-Projekt das Gros dieser Vergaben, nämlich 316, auf ein Volumen von bis zu 50.000 Euro. In der nächsten Kategorie von 50.000 bis 100.000 Euro gab es 29 Vergaben. 88 Vergaben lagen im Volumen zwischen 100.000 und einer Millionen Euro. Und Vergaben größer als eine Million Euro gab es 62.

          Dass dabei Unternehmen aus Hessen und aus dem Rhein-Main-Gebiet tatsächlich profitieren konnten, zeigen folgende Zahlen: Von den 450 Millionen Euro Auftragsvolumen für Bauleistungen entfielen Ausschreibungen im Gesamtvolumen von 260 Millionen auf Hessen und hiervon wiederum 196 Millionen Euro auf Bauunternehmen aus dem Rhein-Main-Gebiet. Wieder überwogen bei den Einzelvergaben ins Rhein-Main-Gebiet die Lose mit einem Volumen unter 50.000 Euro - es waren 177. Große Lose von mehr als einer Million gab es 22, solche zwischen 100.000 und einer Millionen wurden 28 Mal vergeben, 18 Mal solche zwischen 50 000 und 100.000 Euro. Ähnlich will Fraport beim dritten Terminal verfahren.

          „Sehr anspruchsvolles Arbeitsumfeld“

          Trotzdem sieht Otto Kuhn im Frankfurter Flughafenbetreiber vor allem für größere mittelständische Unternehmen einen guten Auftraggeber. Kleinere Baufirmen mit vielleicht 20 Beschäftigten, sagt der Volkswirt und Geschäftsführer des Verbands Baugewerblicher Unternehmer Hessen, könnten theoretisch zwar auch ein Auftragsvolumen von 200.000 Euro und mehr zuverlässig abarbeiten. Der Flughafen sei aber durch die Sicherheitserfordernisse und zum Teil engen Zeitfenster, in denen überhaupt gearbeitet werden könne, ein sehr anspruchsvolles Arbeitsumfeld.

          Die notwendige Sicherheitsüberprüfungen der Mitarbeiter und die vergleichsweise komplizierte Einsatzplanung schrecke gerade kleine Firmen eher ab, sich zu bewerben. Solche Einschätzungen sind bei kleineren Unternehmen der Branche aus der Region immer wieder zu hören. Mit dem Firmennamen will allerdings keines von ihnen in der Zeitung stehen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Bundesbankpräsident Weidmann : „Ich sehe keinen Grund zur Panik“

          Die Aussichten für die Konjunktur trüben sich ein. Bundesbankpräsident Weidmann hält einen Großeinsatz der Geldpolitik aber für falsch. Im Interview spricht er über den drohenden Abschwung, übertriebene Angst vor Inflation – und warum die Zinsen noch tiefer sinken können.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.