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Frankfurter Flughafen : Noch viele Hindernisse vor längerer Lärmpause

Forderung: „So schnell wie möglich“ sollen die Anwohner des Frankfurter Flughafens eine Stunde länger Nachtruhe haben - so will es Schwarz-Grün Bild: dpa

Anlieger des Frankfurter Flughafens sehnen sich nach mehr Ruhe. Eine Stunde weniger Lärm strebt Schwarz-Grün an. Das Vorhaben würde aber erhebliche Eingriffe in den Betrieb des Flughafens erforderlich machen.

          „So schnell wie möglich“ sollen die Anwohner des Frankfurter Flughafens eine Stunde länger Nachtruhe haben. Mit diesem Satz auf Seite 67 des Koalitionsvertrages haben CDU und Grüne die Luftfahrtbranche alarmiert, Erwartungen bei den Anwohnern des Frankfurter Flughafens geweckt und sich selbst unter Zugzwang gesetzt. Im Ergebnis wird verlangt, dass die Phase der Versuche zu mehr aktivem Schallschutz vorbei sein und geliefert werden müsse. Starts und Landungen sollen frühmorgens und spätabends „gebündelt“ werden, so dass die Menschen, die unter den Einflugschneisen der zeitweise „geschonten“ Bahnen leben, sich länger erholen können. Das Drops genannte Verfahren (Abkürzung für Dedicated Runway Operations) wird morgens schon seit einiger Zeit angewandt, um die vergleichsweise geringe Zahl von Starts abzuwickeln. Ob dies auch für Landungen möglich sein wird, daran zweifeln derzeit Flughafenbetreiber und Flugsicherung noch erheblich.

          Helmut Schwan

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Im Wiesbadener Verkehrsministerium, wo mit dem Grünen-Politiker Tarek Al-Wazir am 20. Januar aller Voraussicht nach ein neuer Chef antritt, überlegt man dieser Tage schon, wie das funktionieren könnte. Das erste Dossier, das dem Minister dazu vorgelegt wird, dürfte viele Einschränkungen und Bedingungen aufweisen. Was ist, wenn der Wind häufiger als erwartet dreht und deshalb mehrmals am Tag die Betriebsrichtung gewechselt werden muss? Wie löst man das Problem, dass die schweren Maschinen, das heißt die Airbus 380 oder die Boeing 747, auf der Nordwest nicht landen dürfen? Reicht tatsächlich eine Bahn, um alle Flugzeuge herunterzulotsen, die schon um Viertel vor fünf morgens über der Region kreisen? Was ist mit den Sicherheitsbedenken der Piloten und der Fluglotsen, das Starten und Landen am Frankfurter Flughafen könnte zu kompliziert werden, wenn künftig noch mehr von den Standards abgewichen werde?

          Zahl der Flugbewegungen stagniert

          Die ultimative Forderung der künftigen Regierungskoalition fällt in eine Phase, in der das neue Vier-Bahnen-System sich gerade eingespielt hatte. Dabei half, dass die Zahl der Flugbewegungen in Frankfurt nicht wie vor fünf Jahren vorausgesagt kontinuierlich gestiegen war, sondern auf unter 500.000 pro Jahr verharrte. Das ist mit einem „Stundeneckwert“ von etwas mehr als 90 gut zu bewältigen. Damit liegt man noch weit entfernt von dem Wert 126, den das Flughafensystem leisten müsste, sollten in Frankfurt tatsächlich einmal, wie prognostiziert, im Jahr mehr als 700.000 Maschinen starten oder landen.

          Je stärker die tatsächliche Nachfrage in Frankfurt sich freilich dieser Prognose nähert, umso schwieriger wird es sein, über das Nachtflugverbot zwischen 23 und 5 Uhr hinaus zusätzliche Lärmpausen zu schaffen. Sorgen bereitet den Planern zudem, dass es derzeit noch an einer wesentlichen Voraussetzung fehlt, den Verkehr zu Spitzenzeiten so flüssig wie geplant abzuwickeln. Starts von der südlichen der Parallelbahnen und Landungen auf der Nordwest-Piste werden wegen Sicherheitsbedenken schon seit Anfang des Jahres 2013 nicht mehr gleichzeitig durchgeführt. Der Hessische Verwaltungsgerichtshof nahm diese Schwierigkeiten sogar zum Anlass, die sogenannte Südumfliegung, die Schleife über Süd- und Rheinhessen, für rechtswidrig zu erklären. Das Problem muss aber nicht nur aus juristischen Gründen möglichst schnell gelöst werden. Ein unabhängiger, das heißt gleichzeitiger Betrieb von Start- und Landebahnen wäre auch nötig, um in der stark frequentierten Startzeit zwischen 22 und 23 Uhr noch Lärmpausen zu schaffen.

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