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Frankfurter Flughafen : Rufschädigende Warteschlangen

Rufschädigend: Wegen Warteschlagen vor den Sicherheitskontrollen haben 3000 Passagiere der Lufthansa am Samstag ihren Flug verpasst (Symbolbild). Bild: dpa

3000 Passagiere der Lufthansa haben am vergangenen Samstag ihren Flug verpasst, weil sie zu lange vor den Sicherheitskontrollen warten mussten. Die Zuständigen sollten sich schnell etwas einfallen lassen.

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          Immerhin, so abgebrüht wie das Management der Deutschen Bahn sind sie bei Fraport nicht. Der Eisenbahn-Konzern ließ gestern unter der Überschrift „Weihnachtsverkehr: DB zieht positive Zwischenbilanz“ frohgemut wissen, dass seit dem vergangenen Wochenende „über 85 Prozent“ der ICE und IC pünktlich gewesen seien, was aber nichts anderes bedeutet, als dass nahezu jeder sechste Fernzug verspätet war. Ein eher unerfreulicher Wert, an den man sich nicht gewöhnen und mit dem man schon gar nicht prahlen sollte.

          Ein Fraport-Sprecher verzichtete gestern hingegen auf vergleichbare Überheblichkeit, als er sich zu den neuerlichen langen Warteschlangen vor den Sicherheitskontrollen im Terminal 1 des Frankfurter Flughafens am vergangenen Samstag äußerte, die dazu führten, dass allein 3000 Passagiere der Lufthansa ihren Flug verpassten, wie der Konzern verärgert mitteilte. „Auf allen Ebenen“ würden Gespräche geführt, hieß es von Fraport, das Thema sei erkannt.

          Dem Ruf eines Weltflughafens abträglich

          Das ist natürlich schön. Ob die Beteiligten, das ist außer dem Flughafenbetreiber auch die Bundespolizei und damit letztlich die Bundesregierung, diese Gespräche mit dem erforderlichen Tempo führen, lässt sich von außen nicht wirklich überblicken; man darf seine Zweifel haben. Die Lufthansa deutet mit dem Finger auf Fraport, dort wiederum zeigt man nach Berlin, wo allerdings womöglich die Frage nach der Auflösung von Warteschlangen im fernen Frankfurt nicht diejenige Priorität genießt, die man dem Problem hier beimisst. Neu wäre das nicht; die Frankfurter sind daran gewöhnt, dass sie auf Hilfe der Bundesregierung eher selten rechnen können, woran auch der scheidende Berlin-Beauftragte der Stadt, wiewohl vom Oberbürgermeister persönlich entsandt, offenbar nichts ändern konnte.

          Es ist schon bedauerlich genug, dass wegen des Wachstums des Luftverkehrs in Frankfurt zunehmend Maschinen nicht mehr an einem der Terminals andocken, sondern die Fluggäste mit Bussen hin- und hergekarrt werden, doch ist hier mit dem Bau des Terminals 3 Abhilfe in Sicht. Bei den Sicherheitskontrollen aber sollten sich die Zuständigen schnell etwas einfallen lassen. Dass jemand zuerst eineinhalb Stunden Schlange steht und dann noch den Flug verpasst, ist nicht nur ärgerlich, sondern auch dem Ruf eines Weltflughafens abträglich.

          Der nächste heikle Tag droht vor Ostern. Wie gut, dass dieses Fest 2019 erst spät stattfindet, am 21. April. Da haben all die Manager und Ministerialdirigenten genügend Zeit, eine Lösung zu finden, wie sich Sicherheitskontrollen so organisieren lassen, dass man hinterher auch noch in aller Ruhe und wie geplant in den Flieger steigen kann.

          Manfred Köhler
          Ressortleiter der Rhein-Main-Redaktion der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

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