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Frankfurter Flughafen : Der Terminalbau geht unter Wasser weiter

Wasserwerk: Mit dieser Anlage wird das Grundwasser aus der Baugrube des Terminals 3 aufbereitet, bevor es wieder in den Boden geleitet wird. Bild: Michael Braunschädel

Das dritte Abfertigungsgebäude am Flughafen wächst in die Tiefe. Ein neues Fluggastbeförderungssystem ist schon beauftragt. Nur die Baugenehmigung für den Billigflugsteig fehlt noch.

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          Bis zu zehn Meter hoch steht das Grundwasser in der gut fünf Fußballfelder großen Grube, die einmal die Untergeschosse des Terminal 3 am Frankfurter Flughafen aufnehmen wird. Die gut 7000 Tonnen Stahl der Spundwände verhindern, dass das Erdreich von den Seiten in die Grube stürzt. Es hat aufgehört zu schneien. Im teils noch von Eis bedeckten Wasser bereiten Mitarbeiter einer Spezialfirma von einem Ruderboot aus den nächsten Schritt vor: das Gießen der Unterwasserbetonsohle. Rund 39.000 Kubikmeter Beton werden dafür auf den Grund des künstlichen Sees gepumpt. Industrietaucher müssen im trüben, kalten Wasser darauf achten, dass dabei eine plane Fläche von einem Meter Dicke entsteht. Erst danach wird das Grundwasser abgepumpt, gereinigt und wieder in den Boden zurückgeführt.

          Jochen Remmert

          Flughafenredakteur und Korrespondent Rhein-Main-Süd.

          Flughafenbetreiber Fraport ist mit dem Bau des dritten Abfertigungsgebäude soweit im Zeitplan, wie ein Sprecher gestern bei einer Baustellenbesichtigung sagte. Für die Wurzel und die zwei Fluggaststeige H und J des ersten Bauabschnitts, die 2023 den Betrieb aufnehmen sollen, hat Fraport schon seit 2014 eine Baugenehmigung der Stadt Frankfurt. Auch in dieser Hinsicht ist das Drei-Milliarden-Euro-Projekt soweit im Plan.

          Vor allem für den Low-Cost-Verkehr

          Noch keine solche Genehmigung hat der Flughafenbetreiber allerdings für den erst im August vergangenen Jahres beantragten, vorzeitigen Bau des Fluggaststeigs G. Dieses auch Pier G genannte Gebäude möchte die Betreibergesellschaft gerne schnell und mit begrenztem Komfort errichten, um es schon von 2020 an vor allem für den Low-Cost-Verkehr zu nutzen.

          Offiziell äußert sich Fraport nicht zur ausstehenden Genehmigung. Dem Vernehmen nach rechnet das Management aber für den April mit einer Entscheidung. Und wie weiter zu hören ist, gibt es deutliche Signale der Stadt, dass im Sinne des Antrags entschieden wird.

          Prüfung ist noch im Gange

          Ob der Bau des Flugsteigs G dem grundlegenden Planfeststellungsbeschluss zum Flughafenausbau entspricht, hat das hessische Verkehrsministerium schon auf eine Bitte der Stadt Frankfurt hin gutachterlich prüfen lassen. Dabei haben beauftragte Gutachter festgestellt, dass dem so ist. Die Frankfurter Bauaufsicht hat aber darüber hinaus zu prüfen, ob auch alle anderen Vorschriften eingehalten werden, beispielsweise die des Brandschutzes. Und diese Prüfung ist noch im Gange.

          Geht es nach den Fraport-Planern, wird dieser Pier G zunächst als eigenständiges Bauwerk entstehen. Denn das Terminal 3 selbst soll nach wie vor erst drei Jahre später in Dienst gestellt und dann auch mit dem Flugsteig G verbunden werden. Der Low-Cost-Flugsteig wird dem Plan nach der östlichste aller in der Endausbaustufe vorgesehenen vier Terminal-Finger sein.

          Planmäßige Inbetriebnahme 2023

          Die inzwischen schon weitgehend errichteten Zu- und Abfahrtsrampen, die später an den noch nicht gebauten sogenannten Vorfahrtstisch der Terminalhalle angeschlossen werden, sind Teil der Anlage, die planmäßig 2023 in Betrieb geht. Für den Low-Cost-Flugsteig sind sie erst einmal nicht erforderlich. Allerdings gilt auch für diesen Flugsteig, dass er nach 2023 an das eigentliche Terminal, das unterirdische Gepäckbeförderungssystem des Flughafens und vor allem an das neue Personenbeförderungssystem angeschlossen werden muss.

          Für dessen Bau hat gestern eine Bietergemeinschaft bestehend aus aus Siemens, dem Bauunternehmen Max Bögl und der deutschen Tochter des französischen Eisenbahn- und Personennahverkehrspezialisten Keolis den Zuschlag erhalten. Das neue autonom fahrende Passagierbeförderungssystem funktioniert unabhängig von der vorhandenen Sky-Line-Bahn. Es soll Fluggäste von Terminal 1 und 2 im Norden des Flughafens in wenigen Minuten in den Süden des Areals zu Terminal 3 bringen. Dabei ist der Einsatz von zwölf Zügen bestehend aus je zwei fest verbundenen Wagen vorgesehen, die bis zu 80 Kilometer in der Stunde schnell sind und rund 4000 Passagiere je Stunde und Richtungen transportieren können. Bereits Mitte dieses Jahres soll der Bau es ersten Teilstücks zwischen Terminal 1 und 2 des Flughafens beginnen.

          Da nicht nur die von Fraport aktiv umworbenen Discount-Fluggesellschaften wie Ryanair und Easyjet den Frankfurter Flughafen immer stärker nutzen, sondern auch Hauptkunde Lufthansa nach jahrelanger Stagnation 2017 wieder deutlich auch in Frankfurt zulegen konnte, soll der Flugsteig G helfen, die zu Stoßzeiten drangvolle Enge in den Frankfurter Terminals möglichst rasch zu mildern.

          Dass der Flughafen tatsächlich in den Spitzenzeiten inzwischen massiv unter einer zu geringen Terminalkapazität leidet und in der Folge unter einem Defizit an Pünktlichkeit und Komfort für Passagiere, hat gerade vergangene Woche Lufthansa-Vorstandschef Carsten Spohr attestiert und mit einer Verlagerung weiterer Airbus A380-Flugzeuge nach München gedroht, falls sich der Zustand in Frankfurt nicht bald ändere. Es spricht allerdings viel dafür, dass Spohr dabei vielleicht dann doch eher an eine gute Auslastung des Münchner Lufthansa-Terminals denkt, an dem der Konzern selbst beteiligt ist.

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