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Frankfurter Flughafen : Am Terminal 3 führt kein Weg vorbei

„Wir sind dabei“: Die Geräte zum Spatenstich Bild: Wolfgang Eilmes

Ohne das zusätzliche Abfertigungsgebäude wäre der Flughafenausbau in Frankfurt nur eine halbe Sache. Heute beginnen die Arbeiten.

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          Von einem „dritten Terminal“ am Frankfurter Flughafen, das bald den Betrieb gehen werde, hat Wilhelm Bender schon vor fast 20 Jahren gesprochen. Damals meinte der frühere Frankfurter Flughafenchef allerdings nicht das Abfertigungsgebäude im Süden des Flughafens, dessen Bau heute offiziell beginnt, sondern den ICE-Bahnhof. Der war 1996 - aus diesem Jahr stammt die Einlassung Benders - geplant, aber noch nicht in Beton gegossen. Intermodalität, also die Verknüpfung der Verkehrsmittel Flugzeug, Bahn und Auto, wurde damals schon als zukunftsweisend erkannt.

          Jochen Remmert
          Flughafenredakteur und Korrespondent Rhein-Main-Süd.

          Beim neuen Terminal im Süden des Flughafenareals wird diese Verknüpfung allerdings erst einmal nicht in vollem Umfang möglich sein. Ein Gleisanschluss ist zwar im Bauplan vorgesehen. Es wird ihn aber nicht geben, solange die neue ICE-Strecke von Frankfurt nach Mannheim nicht gebaut ist. Diese Verbindung wird mindestens noch zehn Jahre auf sich warten lassen. Das neue Terminal wird also 2022 mit einem ebenfalls noch zu bauenden Anschluss an die A 5 in Betrieb gehen, ohne an das Netz der Bahn angeschlossen zu sein.

          Spatenstich : Frankfurter Flughafen baut Terminal 3

          Mehr Kapazität am Boden

          Dieses Manko ändert aber nichts daran, dass das dritte Terminal nötig ist, um den Kapazitätsgewinn durch die vierte Bahn im Nordwesten des Flughafens voll auszuschöpfen. Denn mehr Start- und Landebahnen bedingen mehr Kapazität am Boden. Die zusätzlichen Passagiere sollen schließlich schneller und komfortabler als bisher aus-, ein- und umsteigen können. Und das geht nicht ohne mehr Platz am Boden - möglichst in Form von Gebäudepositionen für die Flugzeuge. Bei der Planung des Flughafenausbaus ist deshalb unter Fachleuten nie umstritten gewesen, dass außer einer weiteren Bahn ein drittes Abfertigungsgebäude gebraucht wird. Offen war nur die Frage, wann genau.

          Krisenbedingte Rückgänge bei Passagieraufkommen und Flugbewegungen ließen den Flughafenbetreiber Fraport die Investition von drei Milliarden Euro mehrfach zurückstellen. Es war aber klar, dass auf längere Sicht kein Weg an einem dritten Terminal vorbeiführen würde, wenn Frankfurt international weiter eine maßgebliche Rolle in der ersten Liga der Flughäfen spielen sollte. Zumal die Entwicklung des Passagieraufkommens in Frankfurt - trotz aller Krisen - im langfristigen Trend ein robustes Wachstum ausweist: Inzwischen bewegt sich der Flughafen dicht an der 60-Millionen-Marke. Und es spricht mehr dafür als dagegen, dass das die Fluggastzahlen in Frankfurt weiter wachsen.

          Die Grenze des reibungslosen Betriebs der beiden bestehenden Terminals liegt bei 64 Millionen Passagieren im Jahr. Sind es mehr, kann es vor allem bei den Sicherheitskontrollen und am Check-in zu Staus kommen. Da die Passagiere in Wellen ankommen, ist der Grenzwert ein theoretischer. An manchen Tagen gibt es schon heute erhebliche Engpässe.

          Al-Wazir nicht dabei

          Dass der Kapazitätsgewinn durch die im Oktober 2011 eröffnete Nordwestlandebahn auf lange Sicht nur dann auszuschöpfen ist, wenn ein drittes Terminal gebaut wird, ist auch den Ausbaugegnern rasch klargeworden, allen voran den Grünen im Hessischen Landtag. Deshalb ist es Ziel der Partei gewesen, wenigstens den Bau des dritten Terminals zu vereiteln, nachdem sie und die Bürgerinitiativen gegen die Flughafenerweiterung mit dem Versuch gescheitert waren, die vierte Bahn zu verhindern. Eine Kapazitätsbeschränkung auf Umwegen gewissermaßen.

          Tarek Al-Wazir, Frontmann der Grünen und inzwischen zum hessischen Wirtschafts- und Verkehrsminister aufgestiegen, hat mit diesem Ziel Landtagswahlkampf betrieben. Heute halten ihm viele seiner Wähler von damals vor, im Wahlkampf die Verhinderung eines dritten Terminals versprochen, dieses Versprechen aber als Minister nicht gehalten zu haben. Tatsächlich hat er zumindest alles versucht, Fraport durch Zureden von dem Plan abzubringen. Rechtlich war eigentlich ohnehin nichts mehr zu machen, der Flughafenbetreiber hatte längst Baurecht.

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