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Geretteter Stummfilm : Denkmal aus bewegten Bildern

Der Stummfilm „Der Ochsenkrieg“ wurde mit Hilfe der Bundesregierung restauriert. Bild: DFF

Franz Ostens Stummfilm „Der Ochsenkrieg“ ist ein bedeutendes Stück Zeitgeschichte. Deshalb wurde er jetzt mithilfe der Bundesregierung gerettet.

          Allein dafür hat der Besuch sich schon gelohnt. Wann wurden Kinogänger zuletzt so freundlich in den lauen Frankfurter Sommerabend verabschiedet? „Nun ist es aus, kommt gut nach Haus. Gute Nacht.“ Im Jahr 1920, als Franz Ostens Film „Der Ochsenkrieg“ mit Fritz Greiner, Ernst Rückert und Thea Steinbrecher in den Hauptrollen in die deutschen Kinos kam, war das vermutlich durchaus üblich.

          Christoph Schütte

          Freier Autor in der Rhein-Main-Zeitung.

          Auch Hermann Hoffmann, der den Film in seinem Wanderkino im Programm hatte, hat es bei seinen Vorführungen jahrelang wohl ebenso gehalten. Weshalb man die frisch restaurierte Fassung des im mittelalterlichen Bayern spielenden Stummfilms durchaus als historisch-kritische bezeichnen darf. Anke Mebold, die Restauratorin des Deutschen Filminstituts und Filmmuseums (DFF), hat die Spuren, die Vertrieb, Verkauf und Vorführung der Kopie im Verlauf von fast hundert Jahren hinterlassen haben, in ihre digitalisierte Version übernommen.

          Sensationelles Ergebnis

          Das Ergebnis kann man kaum anders als sensationell nennen. Nicht nur, weil die Dreharbeiten zum „Ochsenkrieg“ unter dem Eindruck des Ersten Weltkriegs, der Novemberrevolution und der Münchner Räterepublik standen und man im Drama um Recht und Gerechtigkeit im Berchtesgadener Land ein Stück Zeitgeschichte gespiegelt findet.

          Auch nicht, weil der auf einem Roman Ludwig Ganghofers beruhende „Ochsenkrieg“ für ein Kapitel Kinogeschichte steht. Schließlich war er die erste Produktion der später in der Bavaria aufgegangenen Münchner Lichtspielkunst AG, deren 100. Geburtstag das Kino des DFF derzeit mit einer kleinen Reihe feiert.

          Mit Franz Seitz’ „Der Favorit der Königin“ am 16. Juli und Franz Ostens „Die Leuchte Asiens“ am 23. Juli präsentiert es in den nächsten Wochen von jeweils 18 Uhr an zwei weitere Produktionen des Unternehmens. Mit der von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien finanzierten Restaurierung ist es dem DFF gelungen, ein veritables, akut vom Verfall bedrohtes „Bewegtbilddenkmal“ zu retten, wie Mebold es ausdrückt. Nur zwei Kopien des Werks, die auf Nitrozellulose gezogen wurden, sind der Filmwissenschaft derzeit bekannt. Neben einer amerikanisierten Fassung in der Library of Congress ist es die des DFF. Beide standen nun für die dringend notwendige Restaurierung des in Schwarzweiß gedrehten Films zur Verfügung, der seinerzeit im Kopierwerk viragiert wurde und in Blau, Gelb und Grün getaucht ist. Fehlstellen wurden ergänzt, eingefärbte Passagen aufgefrischt.

          Was freilich Arte sich dabei gedacht hat, für die Fernsehfassung den mit der Band Haindling bekannt gewordenen Hans-Jürgen Buchner mit der Komposition zu betrauen, kann man sich nicht ganz erklären. Schon „Der Ochsenkrieg“ allein ist großes, herzzerreißendes, Liebe, Mord, Schuld, Sühne und Vergebung verknüpfendes Drama, was man durchaus goutieren kann. Da mit viel Blech, Orgel und Streicherklängen noch einen draufzusetzen ist dann vielleicht doch ein wenig viel des hohlen Pathos.

          „Der Ochsenkrieg“ ist am 6. September im Fernsehsender Arte zu sehen.

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