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Frankfurter Feuerwehrchef : Im Kampf mit den Elementen

Geordnete Verhältnisse: Seit Ries die Frankfurter Feuerwehr führt, sind die Einsatzkräfte deutlich schneller als früher da, wo es brennt. Bild: Eilmes, Wolfgang

Reinhard Ries leitet die Feuerwehr in Frankfurt. Das ist eine der größten in Deutschland. Er hat trotzdem noch Zeit, gegen Fluten zu kämpfen.

          Ernst Achilles war 23 Jahre lang Feuerwehrchef in Frankfurt. Seinetwegen haben heute auch Feuerwehren Rettungshubschrauber und Krankenwagen, er war dabei, als im zweiten Golfkrieg die Ölquellen brannten, und weil er auf die Idee kam, dass die schwarzen Helme der Feuerwehrleute bei Dunkelheit und Rauch nicht so gut zu sehen sind, sind sie heute im ganzen Land gelb. Reinhard Ries ist seit 20 Jahren Feuerwehrchef in Frankfurt. Seinetwegen gibt es in der Stadt das modernste Trainingszentrum Europas, auf seine Initiative hat sich die Bauministerkonferenz mit Styroporbränden befasst, ein Deichsystem hat Ries erfunden und eines, um Waldbrände zu löschen.

          Denise Peikert

          Freie Autorin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Muss, wer eine der größten Feuerwehren der Republik leitet, ein großer Mann sein, Herr Ries?

          Sekunden entscheiden über Leben und Sterben

          Reinhard Ries sitzt in seinem Büro an der Feuerwehrstraße 1 in Preungesheim, in seinem Aquarium schweigen die Guppys. Ries ist keiner, der lange zögert, auch nicht mit Antworten, auch nicht auf diese Frage. „Bevor ich hier angefangen habe, hat mich das unter Druck gesetzt“, sagt er. „Aber als ich dann da war, hab ich gemerkt, dass die Feuerwehr in Frankfurt gar nicht so gut aufgestellt ist.“

          Weil Achilles, sein Vorvorgänger, ein Tüftler war, standen auf den Wachen der Feuerwehr damals zu viele verschiedene Fahrzeuge, einige davon Prototypen. Jedes war anders sortiert, immer mussten die Helfer für ihre Einsätze, in denen Sekunden über das Leben und Sterben entscheiden, woanders nach den Handschuhen, dem Tupfer oder der Beatmungsmaske suchen. Heute gibt es in Frankfurt mehr als 40 Rettungswagen, die bis auf den Aufkleber mit der Seriennummer komplett identisch sind.

          Er ist viel unterwegs

          Dass es um die Feuerwehr heute besser steht als bei seinem Amtsantritt, dass sie heute zum Beispiel nur noch fünf Minuten braucht, um da zu sein, wo sie hingerufen worden ist, das alles erwähnt Ries nicht aus Eitelkeit. „Achilles war ein großer Mann“, sagt er. Aber es sei mit ihm wie mit dem ehemaligen Frankfurter Zoodirektor Bernhard Grzimek, auch ein großer Mann: Wer viel unterwegs ist und Großes schafft, Grzimek in der Serengeti, Achilles in Tschernobyl, bei dem bleibe halt zu Hause einiges liegen.

          Auch Ries ist viel unterwegs. Er war mit einem Expertenteam des Auswärtigen Amtes im Einsatz, in der Türkei zum Beispiel. Einmal war eine Munitionsfabrik explodiert, und 3000 Menschen mussten aus der Stadt Kirikkale in Sicherheit gebracht werden. Und einmal hat nach einem Erdbeben ein Tanklager gebrannt. Aber er passe auf, dass es ihm nicht gehe wie Achilles, sagt er. Er hat in seinem Amt zum Beispiel etwas gemacht, was ihm am Anfang als Führungsschwäche ausgelegt worden ist. Er hat eine neue Hierarchie-Ebene eingezogen. Er hat jetzt zwei Stellvertreter, einer ist für die Gefahrenabwehr und einer für die Infrastruktur verantwortlich. Starke Persönlichkeiten, wie Ries sagt. Denn die Zeiten hätten sich geändert. Die der Einzelkämpfer, der stoischen Helden an der Spitze, seien vorbei. „Ich muss nicht bei jedem Feuer ganz vorne stehen“, sagt Ries. Projekte müssten angestoßen, nicht selbst gemacht werden.

          Runde Tonnen statt Sandsäcke

          Gegen Wassermassen aber kämpft Ries selbst. Im Juni 2013 drohte die Elbe das Örtchen Gartow im niedersächsischen Wendland zu überfluten. Ries rief bei der Gemeindeverwaltung in Niestetal nahe Kassel an und fragte, ob er sich sein eigenes Hochwasserschutzsystem ausleihen könne. Aquariwa heißt es, statt mit Sandsäcken werden die Fluten dort von runden Tonnen aufgehalten, die aneinandergereiht und mit Wasser gefüllt werden. Ries’ Vater hatte die Idee über Jahre in seiner Garage ausgetüftelt, der Feuerwehrchef selbst leitet jetzt das Unternehmen, das das System vertreibt.

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