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Frankfurter Fachwerk : Auf der Suche nach verkleideten Schätzen

Gästeführer mit Diplom: Mikael Horstmann vor Fachwerkhäusern an der Ecke von Dreikönigsstraße und Oppenheimerstraße in Sachsenhausen. Bild: Helmut Fricke

Demnächst wird es noch mehr Fachwerk in Frankfurt geben. Insofern hat Mikael Horstmann ein Gewerbe mit Zukunft: Er ist frischdiplomierter Fachwerkführer.

          Mikael Horstmanns Diplom ist eine gewichtige Sache. Naturfarben lasiert, armlang. Ein typisches Querholz, mit geschnitzter Verzierung. „Man kann es an einem Holznagel auch auseinanderziehen“, erklärt Horstmann. Natürlich nur, wenn man weiß, wie so ein Fachwerkelement gebaut ist. Horstmann, 39 Jahre alt, weiß es aus dem Effeff. Ein Jahr lang hat er sich fortgebildet und sich mit Zierschnitzereien, Andreaskreuzen, Zimmerei und Baugeschichte befasst. Außer dem hölzernen Beweisstück seines Könnens hat er natürlich auch ein schriftliches Zeugnis bekommen: Seit einigen Tagen ist Horstmann diplomierter Fachwerkgästeführer. Er und sein Kollege Michael Bretzler sind die Ersten, die nun im Rahmen der Deutschen Fachwerkstraße Einheimischen und Auswärtigen die Schönheiten des Frankfurter Fachwerks sachgerecht darlegen können. Vor allem soll davon der Stadtteil Höchst profitieren, denn der ist als Regionalroute Teil der Deutschen Fachwerkstraße.

          Eva-Maria Magel

          Kulturredakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Seit drei Jahren ist Mikael Horstmann Gästeführer in Frankfurt. Etwa hundert Stunden Ausbildung hat er dafür absolviert. Horstmann, als „Herr Mika“ schon seit längerem ein Ein-Mann-Unternehmen, ist als „flaneur culinaire“, Barmann und früher auch Mitglied der Kuratorengruppe „Unfriendly Takeover“ kein ganz Unbekannter in Frankfurt. Seit geraumer Zeit machen die Stadtführungen, vor allem zu Architektur, Literatur und Kulinarischem, einen großen Teil seiner Tätigkeiten aus.

          „Goldene Waage“ gar nicht so frankfurterisch

          Nun hat die Tourismus- und Congress GmbH dem Wahl-Sachsenhäuser die Weiterbildung zum Fachwerkführer finanziert. Horstmann und sein Kollege sollen gewissermaßen als Pioniere tätig sein. Obwohl vor allem Höchst im Mittelpunkt ihrer Arbeit für das Fachwerk stehen soll. Durch die Höchster Altstadt führt Horstmann regelmäßig, seit er Touren anbietet. Und es sind, so hat er festgestellt, oft weniger die Übersee-Touristen als deutsche oder sogar einheimische Gäste, die das alte Höchst und das alte Frankfurt näher erkunden wollen. „Für die Frankfurter ist Höchst ganz fremd, die meisten kennen allenfalls den Schlossplatz“, sagt er. Sein Favorit hingegen ist das ehemalige Antoniter-Hospital an der Bolongarostraße.

          Sein neues Gewerbe als Fachwerkführer hat Zukunft: Schließlich wachsen auf dem Römer die neuen Rekonstruktionen der Altstadt heran, die bald auch Touristen anziehen werden. Wiewohl doch gerade das künftige Vorzeigehaus „Zur Goldenen Waage“ gar kein typisch frankfurterisches Fachwerkhaus sei, sagt Horstmann. Als gebürtiger Frankfurter hat er einen gewissen Ehrgeiz entwickelt, auch das Verborgene aufzuspüren und zu zeigen. Da wäre etwa eines der jüngsten Beispiele von historischem Fachwerk, das Pförtnerhaus der zerstörten Weinberg-Villa Waldfried am Carl-von-Weinberg-Park. Oder die vielen verkleideten Fachwerkhäuser. Von ihnen gebe es im Stadtgebiet viele, sagt Horstmann. Einer seiner Lieblinge steht an der Dreikönigstraße, Ecke Oppenheimer Straße: Das Haus steckt in einer historischen Blechverkleidung, die erst bei genauem Hinsehen zu erkennen ist.

          Bilderstrecke

          Horstmanns scharfer Blick und die Liebe zum Detail könnten damit zu tun haben, dass er Angewandte Theaterwissenschaften studiert hat. Kostümführungen, sagt er mit leiser Ironie, werde man wohl eher nicht anbieten. Dafür aber Rundgänge mit dem „Flaneur“, dessen Inszenierung als „Herr Mika“ mit seiner Privatperson in eins fällt. Die liebt, außer Fachwerk, auch andere historische Erstaunlichkeiten. Und empfiehlt nach einem Fachwerk-Rundgang in Höchst auch einen Besuch der Josefskirche. Deren Kombination aus Neoromanik und Jugendstil, sagt „Herr Mika“, sei ganz außergewöhnlich.

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