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Frankfurter Europaviertel : Vier neue Hochhäuser und die U5

Baustellen-Trio: Rechts des Kongresszentrums ist Platz für einen Büroturm, links für einen Wohnturm. Auf dem Telenorma-Areal“ sind 800 Wohnungen geplant. Bild: Röth, Frank

Am Einkaufszentrum Skyline Plaza steht Großes bevor: Für einen Büroturm läuft ein Architekturwettbewerb, für ein Wohnhochhaus die Vorbereitung des Bauantrags. Zudem sollen zwei weitere Türme entstehen. Aber wegen des U-Bahn-Baus wird es eng.

          Der Zugang zum Einkaufszentrum ist nicht leicht zu erreichen. Rund um das Skyline Plaza im Europaviertel verstellen Bauzäune den Weg, denn die Verkehrsbetriebe (VGF) haben schon mit den Vorarbeiten für den Bau der U-Bahn-Station „Güterplatz“ begonnen. An die Baustelle werden sich die Einzelhändler gewöhnen müssen, denn gleich mehrere Großprojekte stehen bevor, die den Läden eines Tages allerdings jede Menge Kunden bescheren dürften. Rund um das Skyline Plaza sind gleich vier Hochhäuser in Planung.

          Rainer Schulze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Für den Büroturm „Tower 1“ hat die CA Immo, die große Teile des Europaviertels entwickelt hat, einen Architekturwettbewerb ausgeschrieben. Bis Mitte Oktober entwerfen acht Büros, darunter auch Frankfurter Architekten, ihre Vorschläge für einen knapp 200 Meter hohen Turm. Bei entsprechender Vorvermietung werde man das Bürohochhaus dann auch selbst realisieren, sagte eine Sprecherin der CA Immo gestern auf Anfrage. Damit wird ein Projekt reanimiert, das viele schon abgeschrieben hatten. Um die Jahrtausendwende lag schon einmal ein Entwurf des französischen Architekten Jean Nouvel für den „Tower 1“ vor, doch die Marktlage verhinderte seinen Bau.

          Kein Investor für Büros

          Käme der Turm jetzt doch, würde das Europaviertel weiter als Bürostandort etabliert. „Es ist gerade für Büromieter eine attraktive Lage, die nicht 35 Euro für den Quadratmeter in der Innenstadt zahlen wollen“, sagt José Martinez, Abteilungsleiter Bürovermietung beim Immobilienberater BNP Paribas Real Estate. Der Bebauungsplan erlaubt an dieser Stelle einen 195 Meter hohen Turm. Die Fläche liegt in direkter Nachbarschaft zum Messeturm und zu den beiden Hochhäusern Castor und Pollux, die weitgehend leer stehen.

          Auch für das „Telenorma-Areal“, das der Robert Bosch GmbH gehört, gibt es konkrete Pläne. Wie ein Sprecher sagte, verhandele man seit einem halben Jahr exklusiv über einen Verkauf an die Bietigheimer Wohnbau GmbH aus Baden-Württemberg. Sie wolle das Gelände gemeinsam mit der Frankfurter ABG bebauen. Die Gespräche seien aber noch nicht abgeschlossen. Das Gelände war ursprünglich für den Bau eines Bürohochhauses gedacht. Es dient aber seit langer Zeit als Veranstaltungsfläche und als Parkplatz, weil sich für eine Büronutzung kein Investor fand. Bosch verzichtete schließlich zugunsten von Wohnungsbau auf das Büroprojekt, 80.000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche sind möglich.

          Wohnen „zu normalen Preisen“

          Die Bietigheimer Wohnbau, ein kommunales Unternehmen aus dem Neckar-Raum, will nach eigenen Angaben auf dem Areal rund 800 Wohnungen realisieren, einen kleineren Teil davon werde die zur Stadt Frankfurt gehörende Wohnungsgesellschaft ABG bauen. Außerdem soll ein weiterer Partner mit ins Boot geholt werden, sagten gestern die Geschäftsführer Wolfgang Heckeler und Carsten Schüler. Um eine solche Menge an Wohnraum zu realisieren, wollen sie weit in die Höhe bauen. Zwei oder drei bis zu 90 Meter hohe Häuser sind geplant. Die Details soll ein Architektur- und Städtebauwettbewerb klären. „Es werden Hochhäuser, aber keine Wolkenkratzer“, sagte Schüler. Den Schwerpunkt wollen die Bauherren auf „bezahlbaren Wohnraum“ legen. Zu diesem Zweck soll auch ein flacherer Gebäudeteil „zu normalen Preisen“ angeboten werden.

          Allerdings wird das Projekt durch den Bau der U-Bahn erschwert. Weil die VGF die Trasse der U5 ins Europaviertel verlängert, kommen sich die Baustellen ins Gehege. „Wir werden eingebremst durch den Bau der U-Bahn“, heißt es in Bietigheim. Zum einen sei die Baustelle nur schwer logistisch abzuwickeln. Zum anderen dürfte sie sich zeitlich verzögern. Weil ein Teil der U-Bahn in offener Bauweise gebaut wird, befürchten die Bauherren ein 200 Meter langes und 50 Meter breites Loch in ihrer Nachbarschaft. Unter diesen Bedingungen seien die Wohnungen nur schwer zu vermarkten. „Wir sind in intensiven Abstimmungsgesprächen mit der VGF.“

          Problem: U-Bahn-Bau

          Der Sprecher der Verkehrsgesellschaft bestätigt, dass die Bauvorhaben miteinander kollidieren. „Es gibt technische Abhängigkeiten, die aber lösbar sind. Aber sie würden das Projekt verteuern.“ Der Zeitplan der Investoren vertrage sich auch nicht mit dem der VGF. Sie wollten das erste Hochhaus schon im ersten Halbjahr 2018 fertigstellen. Doch der Hauptbau der Station beginne erst im Oktober 2015 und dauere zirka fünf Jahre. Es sei auch nicht einfach, die noch vagen Pläne für den Wohnungsbau mit der schon detailliert geplanten U-Bahn-Baustelle zu koordinieren. Dem Vernehmen nach ist für September ein Gespräch angesetzt.

          Das Planungsdezernat heißt den Bau von Wohnungen auf dem „Telenorma-Areal“ gut und arbeitet an einer Änderung des Bebauungsplans. „Wir brauchen dringend Wohnungen, die an diese Stelle passen, und freuen uns, dass es hier Bewegung gibt.“

          Zudem Appartementhaus geplant

          Schon viel weiter sind die Pläne für den 160 Meter hohen Wohnturm, der bisher den Namen „Tower 2“ trägt. Nachdem der Architekturwettbewerb, wie berichtet, Ende April entschieden wurde, erarbeitet die Berliner Gesellschaft für Städtebau und Projektentwicklung nun einen Bauantrag. Nach Auskunft des Bauherrn gibt es für dieses Projekt auch eine Vereinbarung mit der VGF, so dass es keine Beeinträchtigungen durch den Bau der U-Bahn gebe. Weiterhin sei geplant, den Entwurf des Architekten Magnus Kaminiarz „zügig“ zu realisieren.

          Zwischen diesem Hochhaus und dem Kongresszentrum befindet sich noch ein Grundstück, auf dem die GBI AG ein Appartementhaus plant. Einem Sprecher zufolge ist der Bauantrag eingereicht, man warte auf die Genehmigung. „Dann wollen wir loslegen.“

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