https://www.faz.net/-gzg-7wv3d

Frankfurter Europaviertel : Die 13. Etage fehlt

Hoch hinaus: Bis zur zehnten Etage ist der Rohbau des Axis fertig, die zwölfte ist gerade im Bau. 62 Prozent der Wohnungen sind bereits verkauft. Bild: Müller, Norbert

Wohntürme sind sehr in Mode, im Europaviertel wird es gleich mehrere geben. Der erste heißt Axis und soll im April 2016 fertig sein.

          2 Min.

          Es ist Halbzeit für Axis. Zehn von 20Geschossen des Hochhauses sind fertig; es wird der erste von vier geplanten Wohntürmen im westlichen Europaviertel sein. Genaugenommen hat Axis nur 19Etagen: Der Bauherr, das Unternehmen Wilma Wohnen Süd, lässt das 13.Geschoss beim Zählen lieber aus. Aberglaube gehört manchmal zum Bauen dazu.

          Rainer Schulze
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Bisher ist jedenfalls alles glattgegangen. Während vom Porsche-Design-Tower noch nichts zu sehen ist, die Nassauische Heimstätte mit ihrem Wohnturm Praedium noch in der 600Meter entfernten Baugrube steckt und auch gegenüber vom Axis die gestapelten Mietwohnungen des Westside Tower erst langsam Kontur annehmen, ist Wilma-Geschäftsführer Peter Hofer mit seinem Hochhaus schon etwas weiter. Ende Januar soll der Rohbau fertig sein – wenn der Winter mitspielt und der Beton auch weiter fließen kann.

          „Preise im Axis nicht überteuert“

          Eigentlich ist das Unternehmen Wilma Süd auf kleinere Projekte wie Ein- und Mehrfamilienhäuser spezialisiert. Mit dem Wohnturm betritt es Neuland. Hofer träumt schon seit zehn Jahren davon, so ein Hochhaus zu bauen. „Das ist für uns ein Innovationsschub. Wir lernen viel für andere Projekte“, sagt er.

          Hofer hatte zu einem Rundgang über die Baustelle eingeladen. Natürlich auch, um für sein Projekt zu werben. 94 der 153 Eigentumswohnungen sind aber ohnehin schon verkauft. Zu 62 Prozent sind die Wohnungen vergeben, eineinhalb Jahre vor der für April 2016 geplanten Fertigstellung ist das kein schlechter Wert. Mit einer Preisspanne von 3000 bis 10.000Euro pro Quadratmeter und einem mittleren Wert von 5000 Euro liegt das Projekt noch leicht unter den Preisen, die die Nassauische Heimstätte für ihr Wohnhochhaus verlangt. „Dass die Vermarktung für das Praedium begonnen hat, hat uns geholfen“, sagt Hofer. Denn jetzt stand für viele Kaufinteressenten fest, dass die Preise im Axis auch nicht überteuert sind.

          Penthouse für 2,8 Millionen Euro

          Die Architektur, die von dem Frankfurter Büro Meixner Schlüter Wendt stammt, ist offenbar für viele ein Grund, auf der Europaallee ein Stück weiter nach Westen zu fahren. Der weiße Kalkstein für die Fassade kommt aus Kroatien – aus dem Steinbruch, aus dem angeblich auch die Steine des Weißen Hauses in Washington stammen.

          Vor allem in den oberen Etagen sind noch Wohnungen zu haben. Von dort sind der EZB-Turm, die Bundesbank und der Flughafen zu sehen. Das größte Penthouse kostet 2,8 Millionen Euro. Die günstigste Wohnung ist für weniger als ein Zehntel zu haben. Wer hier einzieht, betritt das Gebäude durch eine sechs Meter hohe, holzgetäfelte Eingangshalle. Hinter dem Empfangstresen sitzt dann ein Concièrge, der die Post oder auch die Wäsche annimmt. Die Käufer zahlen 75 Euro im Monat für diesen Service. „Für unsere internationalen Kunden ist das normal“, sagt Hofer. Der Fahrstuhl erkennt über eine Chipkarte, wer das Haus betritt, und wählt schon einmal das Stockwerk an.

          „Geringe Nebenkosten“

          Im Keller gibt es nicht nur eine Tiefgarage. Dort steht auch die aufwendige Haustechnik. Die Heizenergie wird aus einem 250 Meter entfernten Abwasserkanal gewonnen. „Der Kanal ist unser Öltank“, sagt der Ingenieur Harald Hess-Quint vom Büro für technische Gesamtplanung Waldemar Paulus VDI&Partner. Bisher verschwindet die thermische Energie des Abwassers weitgehend ungenutzt in der Kanalisation. Mit Hilfe von Wärmepumpen im Keller des Wohnturms wird die Temperatur erhöht und bei Bedarf auch gesenkt. Drei Viertel des Energieverbrauchs des Hochhauses kann so aus der Abwärme des Abwassers gedeckt werden. Nur die Energie für die Erhitzung des Brauchwassers stammt aus der Fernwärmeleitung der Mainova. Die Nebenkosten werden gering sein, wie Hofer sagt, etwa 2,80 Euro je Quadratmeter. Noch einen Wohnturm will er nicht bauen. Die Nachfrage sei begrenzt. „Mit dem Timing fühlen wir uns pudelwohl.“

          Weitere Themen

          Wie es zum Brückenschaden kam

          Gesperrte Salzbachtalbrücke : Wie es zum Brückenschaden kam

          Die Salzbachtalbrücke ist eigentlich für eine Lebensdauer von 80 Jahren ausgelegt gewesen. Mit der Zunahme des Verkehrs litt die Bausubstanz. Einzelne Spannglieder sind nicht mehr intakt, der Beton überaltert.

          Topmeldungen

          Der belarussische Staatschef Alexandr Lukaschenko

          Belarus : Lukaschenko greift Deutschland wegen Sanktionen scharf an

          Der belarussische Staatschef bringt die Strafmaßnahmen des Westens in Verbindung mit dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion vor 80 Jahren. In Richtung von Außenminister Maas fragt er, ob dieser ein „Erbe der Nazis“ sei.
          Stromtrasse in der Abendsonne im hessischen Hattersheim.

          F.A.Z. Frühdenker : Wie viel Strom benötigen wir 2030?

          Deutschland kämpft bei der EM ohne Regenbogen ums Weiterkommen. Der Verfassungsschutz befasst sich mit den Corona-Leugnern und Berlin ist noch sexy, aber nicht mehr arm. Der F.A.Z.-Newsletter für Deutschland.
          EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen (links) mit Kanzlerin Angela Merkel nach ihrem Treffen in Berlin

          Von der Leyen in Berlin : Die gütige Gabenbringerin aus Brüssel

          Ursula von der Leyen kommt aus Europas Hauptstadt nach Berlin. Neben monetären Zusagen in Milliardenhöhe bringt die EU–Kommissionspräsidentin auch noch viele freundliche Worte mit sich.
          „Ich habe das im Internet ganz anders gefunden“: Einen komplexen Beratungsbedarf bei einer Unternehmensnachfolge sollte man nicht mit einer Suche im Netz klären.

          Kolumne : Fünf Dinge, die als Unternehmensberater nerven

          „Ich habe das im Internet ganz anders gefunden.“ „Sie übersehen die bisher noch nicht genutzten Potentiale.“ „Ich kläre das mal für meine Frau.“ Solche Sätze nerven unseren Gastautoren, einen Unternehmensberater.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.