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Frankfurter Skyline : Neuer Anlauf für Millennium-Tower

Illusion: 365 Meter sollte der Millennium Tower einst messen. Auch die Nachbarschaft sieht heute anders aus. Bild: Simulation Albert Speer und Partner

Totgesagte leben länger, das gilt auch für Hochhäuser. Eine „Planungsleiche“ im Europaviertel soll nun doch Wirklichkeit werden. Aber 365 Meter wird der Turm nicht messen.

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          Als Ende der neunziger Jahre die Pläne für das Europaviertel bekanntwurden, staunte die Öffentlichkeit über ein ehrgeiziges, geradezu gigantisches Projekt: 365 Meter, einen Meter für jeden Tag des Jahres, sollte der Millennium-Tower in den Himmel ragen. Damit wäre der Turm auch heute noch der dritthöchste in Europa. Doch das Bauvorhaben schlitterte in die Immobilienkrise. An seiner Stelle befindet sich heute ein Parkplatz.

          Rainer Schulze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Nun will der Eigentümer des Grundstücks einen neuen Anlauf wagen. Sein Unternehmen werde den Bau des Millennium-Tower in Angriff nehmen, verkündete Michael Morgan, Geschäftsführer der CA Immo Deutschland GmbH gestern bei der Grundsteinlegung zu einem anderen Hochhausprojekt des Unternehmens. In der Nachbarschaft wächst bis Ende 2021 der 190 Meter hohe Hotel- und Büroturm One. Wenn dieses Hochhaus fertig ist, soll der Millennium-Tower folgen.

          Maximale Höhe steht noch nicht fest

          Unternehmenssprecher Markus Diekow erläuterte gestern weitere Details. Das Unternehmen arbeite derzeit an Testentwürfen für das Hochhausprojekt. Auf diesem Weg soll untersucht werden, ob sich die Baumasse anders verteilen lässt. Denn die planungsrechtlich möglichen 220.000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche, die der Bebauungsplan vorsieht, sollen auf mehrere Gebäude aufgeteilt werden. „365 Meter sind leider nicht möglich“, sagte Diekow. Denn einen Ankermieter – Hochhäuser werden in der Regel nur bei ausreichender Vorvermietung gebaut – für ein derart hohes Gebäude zu finden sei schwierig. Außerdem stiegen mit zunehmender Höhe auch die Mietpreise. „50 oder 60 Euro pro Quadratmeter werden in Frankfurt nicht gezahlt.“

          Bilderstrecke

          CA Immo will daher niedriger bauen, sich auf eine maximale Höhe aber noch nicht festlegen. Wenn die Testentwürfe vorliegen und der Bebauungsplan in Abstimmung mit der Stadt geändert wurde, soll ein Architekturwettbewerb ausgelobt werden. 1999 veröffentlichte das Büro AS&P im Auftrag der Deutschen Bahn einen ersten Entwurf für den Millennium-Tower. Die beteiligten Architekten Gerhard Brand und Jens Jakob Happ hatten einen „klaren, gläsernen Körper“ entworfen, der frei auf einem Platz stehen sollte.

          Gemischte Nutzung geplant

          Anders als damals sind in dem neuen Millennium-Tower aber nicht nur Büros geplant. CA Immo wünscht sich Diekow zufolge eine gemischte Nutzung. Das Unternehmen habe sich aufgrund der günstigen Wirtschaftslage entschieden, das Projekt nun zu realisieren. Die Nachfrage nach Büroflächen sei gut, der Leerstand in Frankfurt nehme ab. Außerdem sei der Standort im Europaviertel etabliert und gut mit Bus und Bahn zu erreichen.

          Zunächst will CA Immo aber das Hochhaus One fertigstellen. An dessen Spitze ist eine öffentlich zugängliche „Skybar“ geplant, die wie auch das 375-Zimmer-Hotel in den unteren 14 Geschossen von der Marke „nhow“ des Pächters NH Hotel Group betrieben wird. Auf den höheren Geschossen bis zur 49. Etage stehen noch 42.000 Quadratmeter Bürofläche zur Verfügung. Wenn das Hochhaus fertig ist, teilen sich Büro- und Hotelkunden eine gemeinsame Lobby, in der es auch ein Café, eine Lounge und eine Cocktailbar geben soll. Baudezernent Jan Schneider (CDU) nannte die Bar auf der Turmspitze gestern bei der Grundsteinlegung einen „Gewinn für die Stadt“. Der Architekt Thomas Meurer beschrieb seinen Entwurf als scharfkantige und klare Geometrie. „Das Gebäude behauptet sich in der Skyline dadurch, dass es sich zurücknimmt.“

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