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Europagarten : Kümmerliches Wachstum auf dem Tunneldach

Nicht verwurzelt: Der Rasen im Europagarten ist nach Ansicht von Grünflächenamtsleiter Stephan Heldmann in einem inakzeptablen Zustand. Bild: Wolfgang Eilmes

Der Europagarten soll das „grüne Herz“ des neuen Europaviertels werden. Doch Rasen und Bäume wollen nicht gedeihen. Die Stadt will den Park erst eröffnen, wenn sein Zustand tadellos ist.

          Auf das erste Picknick im Europagarten werden die Frankfurter noch eine ganze Weile warten müssen. In diesem Jahr wird es damit sicher nichts mehr. Nicht einmal ein Spaziergang durch das „grüne Herz“ des neuen Europaviertels ist in absehbarer Zeit möglich. Die Stadt als künftige Eigentümerin des Parks ist nicht bereit, den zentralen Teil der Grünanlage mit seinen großen Rasenflächen und kleineren Baumgruppen zu übernehmen. Jedenfalls nicht, solange das Grün in so schlechtem Zustand ist wie derzeit.

          Mechthild Harting

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          „Wir brauchen einen intakten Park“, sagt Grünflächenamtsleiter Stephan Heldmann; ansonsten müsse die Anlage zu stark gepflegt werden. Und das würde teuer werden. Heldmann will die Interessen der Steuerzahler wahren: Er hat eine Rechtsanwaltskanzlei eingeschaltet und zudem ein Gutachten in Auftrag gegeben, das klären soll, warum der 2017 eingesäte Rasen nicht wächst. Auch die Bäume haben Mühe zu gedeihen; manche sehen aus, als stürben sie wieder ab. Die Ergebnisse des Gutachtens werden frühestens im Oktober vorliegen.

          Wurde der Park falsch angelegt?

          Heldmann und der von der Stadt beauftragte Rechtsanwalt Max Ungerberg sind schon jetzt überzeugt, „stichhaltige Indizien“ zu haben, dass der Park nicht richtig angelegt wurde. Auf dem Rasen stehe bei Regen das Wasser, was nach Ansicht der Fachleute darauf hinweise, dass der Boden zu stark verdichtet sei. Es gelangten vermutlich weder Nährstoffe noch Wasser in den Boden, um die Wurzeln zu erreichen, seien es die des Rasens oder der Bäume. Mittlerweile sei an manchen Stellen nachgebessert worden, sagt Heldmann. So sei etwa Rollrasen verlegt worden. Doch für ihn sind das lediglich „kosmetische Maßnahmen“, die vermutlich ergriffen worden seien, damit die Stadt den Park endlich übernehme – so wie sie es eigentlich schon im Sommer 2018, spätestens aber zu Beginn dieses Jahres hätte tun sollen.

          Angelegt hat den Park das Immobilienunternehmen Aurelis, das den gesamten westlichen Teil des Europaviertels entwickelt hat. Das Berliner Landschaftsarchitektenbüro Relais hatte 2008 den europaweiten Wettbewerb für die Gestaltung der gut fünf Hektar großen, rechteckigen Fläche gewonnen, die manch einer wegen der Lage schon mit dem Central Park in New York verglichen hat.

          Fehler beim Pflanzen

          Dass die Grünanlage in zwei Etappen würde entstehen müssen, stand von Anfang an fest. Denn unter dem Park liegt der Tunnel für die Europaallee und die U-Bahn. Von 2009 bis 2011 wurden zunächst die Promenaden mit alleeartigen Baumreihen angelegt, die den Europagarten umschließen. Knapp 280 Bäume wurden damals gepflanzt. Rund zwei Jahre später – eine solche Frist war bisher üblich – hat das Grünflächenamt im Auftrag der Stadt diesen ersten Bauabschnitt abgenommen. Seit Januar 2014 gehören die knapp drei Hektar samt aller Bäume der Kommune und werden vom Grünflächenamt betreut.

          2016 haben die Mitarbeiter des Amts erste Schäden an den Bäumen bemerkt. Dass manches Gehölz auf den Umzug von der Baumschule an eine Straße mitten in der Stadt empfindlich reagiere, sei nicht ungewöhnlich, sagt Heldmann. Doch bei den Spitzahorn-Bäumen an der Promenade fiel die Häufung der Schäden auf. Ein Gutachten bestätigte, dass beim Pflanzen nicht alles richtig gemacht wurde. So wurden Bäume zu tief gesetzt. 50 Exemplare seien nicht in Ordnung, weitere gut 200 nur bedingt erhaltenswert, habe das Gutachten ergeben, so Heldmann. Doch die Gewährleistung war abgelaufen.

          Ortsvorsteher hofft auf einen Vergleich

          Währenddessen ist der eigentliche Park mit den Wiesenflächen angelegt worden, und zwar auf dem Ende 2016 fertiggestellten Tunneldach. Im Grunde, sagt Heldmann, handele es sich bei dem Park in weiten Teilen um eine Art Dachbegrünung. Damit dort etwas gedeihe, müsse der dort aufgebrachte Boden tief aufgerissen und anschließend 20 Zentimeter Vegetationsschicht aufgetragen werden. Ob dies geschehen ist, wissen die Experten nicht. Aurelis hat zugestimmt, dass der im Juni beauftragte Gutachter Bohrkernproben entnimmt, um sich die Beschaffenheit des Bodens genauer anzuschauen. Im Herbst will das Grünflächenamt in Absprache mit Rechtsanwalt Ungerberg entscheiden, wie es weiter vorgeht.

          „Wir hoffen, dass es einen Vergleich gibt, damit der Park schneller eröffnet werden kann“, sagt der zuständige Ortsvorsteher Oliver Strank (SPD). Der Europagarten habe eine besondere Bedeutung für das Europaviertel, nicht nur als „grüne Lunge“. Damit die Anwohner wissen, warum sie zwei Jahre nach der Rasen-Einsaat immer noch auf Bauzäune schauen, hat das Grünflächenamt in einer Auflage von 15 000 Stück Informationszettel im Europaviertel verteilen lassen. Darin heißt es, aus rechtlichen Gründen könnten die Rasenflächen noch nicht betreten werden. Andernfalls wären aus Steuergeldern „teure Zusatzmaßnahmen“ zu finanzieren. Das Amt wolle, dass alle Anwohner lange Freude an den Grünflächen hätten. „In diesem Sinne“, heißt es, „bitten wir Sie weiterhin um Geduld.“

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