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Ärger um Schulessen : Eltern setzen sich gegen Catering-Konzern Sodexo durch

Wirkungsvolle Proteste: Zahlreiche Schüler haben gegen Sodexo demonstriert. Bild: dpa

Die Proteste der Schüler, Eltern und Lehrer haben ihre Wirkung nicht verfehlt: Der Catering-Konzern Sodexo will auf die Versorgung mehrerer Frankfurter Schulen künftig verzichten.

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          Der Großcaterer Sodexo will sich aus der Essensversorgung mehrerer Frankfurter Schulen zurückziehen. Grund dafür sind die Proteste von Eltern, Schülern und Lehrern. Das teilte das Unternehmen auf Anfrage mit. Jüngst hatte die Elisabethenschule, ein Gymnasium im Nordend, einen Boykott gegen die von Sodexo geführte Mensa angekündigt. Die Schülervertretung und der Schulelternbeirat riefen dazu auf, vom Ende der Weihnachtsferien an nicht mehr in die Mensa zu gehen. Damit solle verhindert werden, dass sich Sodexo an der im Frühjahr anstehenden Neuausschreibung des Catering-Vertrags beteiligt.

          Matthias Trautsch

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Der französische Konzern ist seit Sommer 2018 für das Essen an der Elisabethenschule zuständig. Zuvor hatte er sich in der städtischen Ausschreibung durchgesetzt, die auch die Versorgung der benachbarten Fürstenbergerschule umfasst. Nach Darstellung von Eltern beider Schulen gab es von Anfang an Mängel, die trotz zahlreicher Hinweise und Beschwerden nicht abgestellt worden seien. Das Essen habe nicht geschmeckt, die Portionen seien zu klein gewesen, Nachschlag sei nur widerwillig gewährt, Absprachen seien nicht eingehalten worden. „In den letzten 1,5 Jahren hat Sodexo das vertraglich vereinbarte Dienstleistungsniveau nicht eingehalten“, schreibt der Elternbeirat der Elisabethenschule in einem Brief an das Stadtschulamt.

          In der Kritik stehen nicht nur Qualität und Auswahl des Essens, sondern auch ständige Personalwechsel. Ein letztes Treffen habe Anfang Dezember stattgefunden. „Wir saßen wieder einem neuen Team – unserer Zählung nach dem vierten – gegenüber, das wieder keinerlei Kenntnisse über vorangegangene Gespräche und Vereinbarungen hatte“, sagt Tanya Elshorst, die Vorsitzende des Schulelternbeirats. Danach seien Eltern und Schüler zu der Ansicht gelangt, dass keine Verbesserung zu erwarten sei und eine Verlängerung des Catering-Vertrags über das Schuljahr hinaus verhindert werden müsse.

          Sodexo bestreitet nicht, dass es an der Elisabethenschule Schwierigkeiten gegeben habe. Es sei „in der Vergangenheit nicht alles richtig gelaufen“, sagt ein Unternehmenssprecher. Sodexo entschuldige sich und wolle sich künftig „noch mehr bemühen und klarer kommunizieren“. In einer detaillierten Auflistung verspricht der Konzern unter anderem, zu jedem Essen Beilagen sowie Salat und Obst anzubieten, Nachschlag zu gewähren, außer Wasser auch abgekühlten, mit Honig gesüßten Tee bereitzustellen, am Kiosk Obstsalat und frische Laugenzöpfe mit Butter zu verkaufen und sich um mehr Sauberkeit zwischen den Essenszeiten zu kümmern.

          Kritik der Schule

          „Mit den angestoßenen Maßnahmen reagieren wir auf Anregungen, Kritik und Wünsche der Schule und sind davon überzeugt, dass sich damit die Situation vor Ort auch in der Wahrnehmung der Schüler und Eltern verbessern wird“, sagt der Sprecher. Bis zum Vertragsende im Sommer werde Sodexo seine Leistungen erbringen, dann aber die Schule verlassen. „Sodexo möchte keine fortdauernde Auseinandersetzung mit Elternvertretern über die Zukunft der Essensversorgung.“ Daher habe man entschieden, nicht an der Neuausschreibung teilzunehmen „und damit den Weg frei zu machen für einen Wechsel, den die Eltern sich wünschen“.

          Auch von der IGS Nordend will sich Sodexo im Sommer zurückziehen. Die Integrierte Gesamtschule in Frankfurt hatte vor knapp zwei Jahren einen erbitterten Kampf für ihren damaligen, familiengeführten Caterer und gegen die Übernahme der Mensa durch den französischen Konzern geführt. Unter anderem hatte die Schulgemeinde vor dem städtischen Bildungsdezernat demonstriert und einen Protestzug zum Unternehmenssitz in Rüsselsheim organisiert. Das hatte allerdings nicht zum Erfolg geführt, da Sodexo die Ausschreibung regulär gewonnen hatte und die Stadt nicht vertragsbrüchig werden wollte.

          Besucherzahlen gingen rapide zurück

          Nach dem Betreiberwechsel gingen die Besuchszahlen der zuvor sehr beliebten Schulkantine stark zurück. In einer Umfrage des Elternbeirats gab nur ein Zehntel der Schüler an, regelmäßig in der Mensa zu essen. Sodexo machte zur Auslastung keine Angaben. Jetzt teilte das Unternehmen mit, dass man ähnlich wie an der Elisabethenschule weiteren Streit vermeiden wolle und sich deshalb nicht an der Neuausschreibung beteiligen werde.

          Wegen des massiven Protests an der IGS Nordend, aber auch wegen der Unzufriedenheit mit Sodexo etwa an der Friedrich-Ebert-Schule arbeitet die Stadt an neuen Richtlinien für die Vergabe des Schulcaterings. In Zukunft sollen Anbieter aus der Region bessere Chancen haben. Bildungsdezernentin Sylvia Weber (SPD) will die Neuerungen nach den Weihnachtsferien vorstellen und geht davon aus, dass sie schon für die Ausschreibungen zum nächsten Schuljahr greifen.

          Der Elternbeirat der Elisabethenschule wünscht sich einen Caterer, „dem es gelingt, unseren Kindern gesundes, nachhaltiges, schmackhaftes und abwechslungsreiches Essen anzubieten“. Denn es gebe auch positive Beispiele: „Andere Schulen und deren Caterer wiederum zeigen, dass es besser geht, wenn diese Unternehmen ihre Aufgabe verstehen und ernst nehmen.“

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