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Kinderbetreuung und Corona : „Wir Eltern funktionieren nur noch“

Kitas geschlossen: In der Corona-Krise musste die Kinderbetreuung meist zuhause stattfinden. Bild: obs

In der Corona-Krise musste die Kinderbetreuung bei den meisten Frankfurtern zuhause stattfinden. Betroffene Eltern fordern eine stärkere Unterstützung durch die Stadt.

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          Bei den Eltern liegen die Nerven blank. Wer das noch nicht weiß, kann es im Bildungsausschuss der Stadtverordnetenversammlung erfahren. „Ich stand kurz vorm Lockdown“, sagt die Stadtverordnete Milkica Romic-Stojanovic von der SPD. „Ich arbeite gefühlt Tag und Nacht, ich bin fix und fertig.“ Nach zwei Monaten Corona zwischen Telefonkonferenzen und zwei Kindern ist die Rechtsanwältin der Ansicht: „Wir Eltern haben jetzt einfach Priorität.“

          Florentine Fritzen

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Romic-Stojanovic wünscht sich deshalb Nachsicht von Stefan von Wangenheim. Der FDP-Politiker hat zuvor kritisiert, dass sich auf der Tagesordnung 25 unbeantwortete Anfragen stauen. „Das ist eine solche Missachtung des Ausschusses, dass ich von Bosheit sprechen muss.“ Bildungsdezernentin Sylvia Weber von der SPD müsse spätestens bis zur nächsten Sitzung im Juni all das beantworten. Weber entgegnet, sie sei in den vergangenen zwei Monaten mit Corona beschäftigt gewesen. „Bis zum nächsten Mal wird es besser.“

          Kritik gibt es aber auch an der Arbeit der Stadträtin rund um die Schul- und Kita-Schließungen wegen der Pandemie. Zur Bürgersprechstunde sind am Montagabend ungefähr zehn Mütter gekommen. Zwei erheben sich von den spärlich im Corona-Abstand besetzten Besucherreihen. Die Stadtverordneten sitzen im Oval an großzügig gestellten Tischen.

          Nachdem eine Papiertüte als Tröpfchenschutz über das Mikrofon gestülpt worden ist, legt die erste Mutter los. Sie sei vom Bündnis „Familien in der Krise“, das sich über Facebook gefunden habe. Familien kämen derzeit als „Allerletztes“ an die Reihe, findet Isabelle Varga-Schmidt. Dass die Dezernentin wenige Beschwerden erreichten, habe einen Grund: „Wir Eltern funktionieren nur noch.“ Die Mütter wollen, dass bei der Kita-Öffnung vom 2. Juni an nicht mehr nach Elternhäusern unterschieden wird wie in der Notbetreuung. „Alle Kinder sind systemrelevant.“

          Pragmatische Lösungen gefordert

          Varga-Schmidts Mitstreiterin Susanne Kern fordert Plexiglasscheiben zum Schutz der Lehrer. Sie schlägt außerdem vor, dass Lehramtsstudenten die Schulen unterstützen sollen. Und wenn Räume zu klein seien, um mehr Unterricht anzubieten, gebe es eine Lösung: „Warum nicht Unterricht im Freien, warum erschließen wir nicht andere städtische Räume?“

          In ihrer Antwort nimmt Weber schon ungefähr die Hälfte ihres ohnehin geplanten Berichts vorweg. Sie könne nicht nachvollziehen, wenn die Eltern sagten, Familien kämen als Letztes dran. Weil sie „seit zwei Monaten nichts anderes mache, als mich um dieses Thema zu kümmern“. 167 Schulen und 870 Kitas hätten geschlossen werden müssen, jetzt gehe es darum, nach den Schulen auch die Kitas wieder zu öffnen.

          Weber wirft dem hessischen Sozialminister Kai Klose von den Grünen vor, erst große Erwartungen geweckt, dann aber keine klaren Vorgaben etwa zu den Gruppengrößen gemacht zu haben. Kloses Parteifreundin Birgit Ross wiederum verteidigt Klose mit Verweis auf die Krisensituation. „Jede Kita muss entscheiden: Was ist hier machbar?“ Am morgigen Donnerstag trifft sich Weber mit den Trägern, um selbst ein einheitliches Konzept für alle Frankfurter Kitas zu beschließen. Sie verspricht: „Mein Ziel ist schon, dass wir möglichst allen Kindern ein Betreuungsangebot machen können.“

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