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Shopping in Frankfurt : Händler wollen freies W-Lan in Fußgängerzonen

Reger Betrieb: Auf der Frankfurter Zeil ist gleichwohl inzwischen weniger los als in den vergangenen Jahren. Bild: Frank Rumpenhorst

Für traditionelle Läden allein fahre niemand mehr in die Innenstädte, meint man beim Handelsverband Hessen. Damit sich Kunden weiter auf den Weg machen, seien neue Angebote nötig – und ein guter Internetzugang.

          Größere Erlebnisflächen, Tablets statt Regale, mehr nur kurzzeitig existierende Pop-up-Läden und Test-Shops – die Digitalisierung ist in der Geschäftswelt schon deutlich zu spüren. „Und sie wird auch in Zukunft große Veränderungen auslösen“, sagt Joachim Stoll, Sprecher der Frankfurter Einzelhändler, der selbst ein Lederfachgeschäft mit Online-Shop betreibt. Zusammen mit Silvio Zeizinger, dem neuen Geschäftsführer des Handelsverbands Hessen-Süd, hat Stoll gestern eine Analyse zur Beziehung zwischen Stadt und Handel vorgelegt.

          Petra Kirchhoff

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Danach sind es die Online-Shops, die beim Umsatz zulegen, während die Einnahmen der Geschäfte in den Einkaufszonen stagnieren. Das gilt aber nicht für alle. „Interessante Konzepte funktionieren“, sagt Stoll. Er nannte etwa Läden wie das Sneaker-Konzept „43einhalb“ aus Fulda, das auch in Frankfurt mit seinem digitalisierten Konzept Erfolg hat, und den Naturkosmetik-Anbieter Woodberg in Darmstadt, der Nachhaltigkeit regelrecht zelebriere. „Geschichten erzählen“ nennt Zeizinger das. Viele Geschäftsleute seien erfolgreich in der Nische. Andere profitierten von neuen Entwicklungen, Fahrradgeschäfte zum Beispiel.

          Auch die bestehenden Geschäfte ändern sich, wie die beiden Funktionäre gestern erläuterten. Baumärkte würden nicht mehr nur Bäder verkaufen, sondern auch einen Handwerker. Flächen würden kleiner, umgekehrt steige das Angebot an Artikeln, die sich Kunden im Laden auf dem Tablet anschauen könnten. Die Vermischung der Kanäle nehme zu, Stichwort Cross Channel. Darunter fallen auch digitale Preisschilder, die auch darüber informieren, in welchen Farben und Größen ein Teil noch vorrätig ist. Ein Klick, und der Pullover ist reserviert.

          Digitalisierung des Einzelhandels nur zögerlich

          Solche Angebote fordern jedoch neue Techniken und auch neues Personal. „In die Digitalisierung wird noch viel Geld fließen“, sagt Stoll. Der Handelsvertreter loben deshalb auch den „Digi-Zuschuss“, mit dem das Land Hessen Investitionen von Handwerksbetrieben, Einzelhändlern und Gastronomen mit bis zu 10.000 Euro unterstützt.

          In Frankfurt selbst vermissen die Handels-Vertreter die Dynamik, die das Thema Digitalisierung nach ihrer Ansicht benötigt. Investitionen in mehr Flächen für digitale Werbung zum Beispiel und ein freies W-Lan-Netz. Schlechte Karten etwa hat, wer an der Konstablerwache oder der Hauptwache mit seinem Handy nach einer Station für sein Leihfahrrad sucht. Er bekommt keine Verbindung.

          „Wir brauchen ein durchgängiges W-Lan-Netz in der Innenstadt“, sagt Zeizinger. Nach einer Passantenbefragung vor zwei Jahren schaut jeder zweite Kunde erst einmal online nach, was es in einem Geschäft gibt, bevor er dieses betritt. Die Ergebnisse der aktuellen Befragung in hessischen Städten werden in der nächsten Woche vorgestellt.

          Citymarketing ist ein guter Anfang

          Dass Kunden auch weiterhin mit dem Auto in die Stadt kommen, steht für die Verbandsvertreter außer Frage. „Der Frankfurter Einzelhandel lebt auch vom Umland“, stellt Stoll klar. Autos auszusperren sei daher nicht der richtige Weg. Es stelle sich die Frage, wie Verbindungen mit Bus und Bahn verbessert und Parkplätze erhalten werden könnten.

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          Dass sich die Frankfurter Stadtverwaltung im vergangenen Jahr zu einem Citymarketing durchgerungen hat, ist aus Sicht des Handelsverbands ein guter Anfang. „Andere Städte sind schon viel weiter“, sagt Zeizinger. Die Frequenz gehe zurück. „Eine Stadt läuft nicht mehr, nur weil sie einfach da ist“, sagt Stoll. „Man muss etwas tun, um attraktiv zu bleiben.“

          An einem Runden Tisch wollen sich Händler und Vertreter des Frankfurter Citymarketings in Zukunft regelmäßig austauschen. Zuständig bei der Stadt ist Stefan Jäger, der Leiter der Abteilung Presse und Citymarketing. Stoll und Zeizinger setzen dabei auf die Unterstützung aller Parteien und auch der Verwaltung. „Es wäre schlecht, wenn das Thema im politischen Wirrwarr hängen bliebe“, sagt Stoll.

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