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Frankfurter Chemieunternehmen : Allessa wechselt den Besitzer

Verkauft: Gesellschafter Karl-Gerhard Seifert veräußert die Allessa an die International Chemical Investors Group Bild: Wonge Bergmann

Das mehr als 800 Mitarbeiter zählende Traditionsunternehmen Allessa GmbH bekommt neue Eigentümer. Käufer ist die International Chemical Investors Group, zu der unter anderem die Weylchem gehört.

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          Das Traditionsunternehmen Allessa GmbH bekommt nach zwölf Jahren neue Eigentümer. Die Cassella GmbH von Karl-Gerhard Seifert verkauft das rund 890 Mitarbeiter starke Chemieunternehmen aus Frankfurt-Fechenheim an die International Chemical Investors Group (ICIG). Zu dem Käufer gehört unter anderem der Feinchemieanbieter Weylchem, der in den Industrieparks Frankfurt-Höchst und Frankfurt-Griesheim insgesamt drei Betriebe unterhält. In Höchst und Griesheim ist die Allessa ebenfalls vertreten. Diese Betriebe zählten früher allesamt zur Hoechst AG, bevor der einstmals größte Chemie- und Pharmakonzern der Welt in den neunziger Jahren zerschlagen wurde. Angesichts dessen kommentiert Seifert den Verkauf der Allessa mit den Worten: „Es wächst nun zusammen, was zusammengehört.“ Über den Kaufpreis halten sich beide Seiten bedeckt.

          Thorsten Winter
          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Der Verkauf steht noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung der Kartellbehörden. Seifert, in Personalunion Geschäftsführer der Cassella und Aufsichtsratschef der Allessa, geht aber von einer Entscheidung binnen vier Wochen aus. Die Allessa stellt ebenso wie die Weylchem unter anderem Vorprodukte für Arzneien und Pflanzenschutzmittel her, wobei sie aber unterschiedliche Technologien einsetzen; ein großer Allessa-Kunde ist Clariant. Die Fechenheimer machen zudem viel Umsatz mit einem Vorprodult für Superabsorber, einem etwa in Windeln verwendeten, stark wasserspeichernden Kunststoff.

          Wellental durchschifft

          Seifert hatte die Allessa gemeinsam mit anderen „alten Hoechstern“ 2001 vom schweizerischen Chemiekonzern Clariant erworben. Seinerzeit zählte das Unternehmen rund 1500 Beschäftigte an drei Standorten. Das Werk in Offenbach hat das Unternehmen vor drei Jahren aufgeben müssen, nachdem andere Betriebe geschlossen worden waren. Die letzte Produktionsanlage in diesem alten Hoechst-Werk wurde 2010 stillgelegt. Wie Seifert dieser Zeitung sagte, hat er gestern vor den Mitarbeitern in Fechenheim hervorgehoben, er sei stolz darauf, das Unternehmen gemeinsam mit den Beschäftigten am Leben gehalten zu haben.

          Zum Zeitpunkt der Übernahme der Allessa von Clariant hatten Branchenkenner dem Unternehmen nicht zuletzt aufgrund der harten internationalen Konkurrenz in der Feinchemie keine lange Überlebenszeit gegeben. 2008/09 wurde die Firma, wie andere Chemieunternehmen auch, von der Rezession voll getroffen. Mitarbeiter und Management haben auf Teile ihrer Entgelte verzichtet. Seit dieser Zeit hat die Allessa aber auch einen zweistelligen Millionenbetrag an Schulden getilgt und neue Produkte entwickelt.

          Alte Synergien neu beleben

          Seifert äußerte sich glücklich, nun die Allessa in einen größeren Unternehmensverbund überführen zu können. Dadurch eröffneten sich neue Chancen. Infolge der Hoechst-Zerschlagung seien im Rhein-Main-Gebiet „viele Synergien zwischen den Standorten und innerhalb der Standorte zerstört worden, die nun wieder genutzt werden können“. Synergien werden sich laut Seifert schon deshalb einstellen, weil die Weylchem im Gegensatz zur Allessa bisher über kein eigenes Werk in Rhein-Main verfüge und entsprechende Leistungen wie Ver- und Entsorgung, betriebsärztliche Angebote und Werkschutz einkaufen müsse. Das Fechenheimer Werk geht auf die 1870 gegründete Chemiefabrik der Leopold Cassella Comp. zurück, die später in Hoechst aufging.

          Der künftige Weylchem/Allessa-Verbund wird nach Angaben von ICIG-Geschäftsführer Achim Riemann auf einem kombinierten Umsatz von mehr als 500 Millionen Euro kommen. Er werde damit „zu den größten und leistungsfähigsten Anbietern von Feinchemikalien und Auftragssynthesen weltweit gehören“. Der zweite ICIG-Geschäftsführer Patrick Schnitzer hob hervor: „Wir heißen die Mitarbeiter der Allessa herzlich willkommen und freuen uns, dass der ICIG-Umsatz damit im Jahr 2014 erstmals die Marke von einer Milliarde Euro überschreiten wird.“

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