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Business Women’s Day : „Deutsche Firmen fördern Frauen, aber befördern sie nicht“

Fordert eine andere Unternehmenskultur: Wiebke Ankersen Bild: Allbright Stiftung

Wiebke Ankersen von der Allbright Stiftung war zu Gast beim Frankfurter Business Women’s Day 2019 und erklärt, warum Deutschland hinterherhinkt.

          5 Min.

          „Mehr Frauen in Führung“ ist das Motto des Business Women’s Day 2019 der Stadt Frankfurt vor wenigen Tagen gewesen. Kommen tatsächlich zu wenige Frauen in der Spitze an?

          Mechthild Harting

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Der Frauenanteil in Unternehmensvorständen liegt bei neun Prozent, das ist schon extrem wenig. Seit vielen Jahren machen mehr Frauen als Männer einen Abschluss in Betriebswirtschaft. Sie starten auch in den Unternehmen, aber auf der obersten Führungsebene finden wir am Ende 91 Prozent Männer. Mehr als die Hälfte der Top-Manager sind Wirtschaftswissenschaftler – dass es so wenige Frauen in die Vorstände schaffen, bedeutet also: Es findet keine Bestenauslese statt, sondern eine andere Art der Auslese. Männer rekrutieren hier vor allem Männer, die ihnen ähnlich sind.

          Sie arbeiten für eine schwedische Stiftung, die sich für mehr Frauen und Diversität in Führungspositionen einsetzt. Sieht es in Schweden besser aus?

          Schweden ist wesentlich weiter. Dort ist jeder vierte Vorstandsposten mit einer Frau besetzt, 24 Prozent sind es, und in jedem fünften Unternehmen gibt es ein ausgeglichenes Geschlechterverhältnis im Vorstand, also 40 Prozent oder mehr.

          Braucht es dann noch Förderung?

          Niemand will sich mit 24 Prozent Frauenanteil in den Vorständen zufriedengeben, wenn der Frauenanteil in der Bevölkerung bei mehr als 50 Prozent liegt.

          Gibt es einen zentralen Unterschied in der Art der Förderung im Vergleich zu Deutschland?

          In Deutschland bieten Unternehmen den Frauen häufig Schulungen an, um sie fit zu machen für den männlich geprägten Unternehmensalltag. Das reicht von der Stimmbildung bis zum selbstbewussteren Auftreten. In Schweden dagegen befördert man Frauen. Es wird akzeptiert: Frauen sind in Ordnung, so wie sie sind. Man will nicht die Frauen ändern, sondern die Unternehmenskultur.

          Wie gehen Sie als Stiftung vor, um auf die Missstände in den Führungsebenen in Deutschland aufmerksam zu machen?

          Ein wichtiger Teil unserer Arbeit ist es, Daten zur Verfügung zu stellen. Wir dokumentieren, wer da an den Unternehmensspitzen wen rekrutiert und wie. Das tun wir auch in Form einer Liste mit Firmen, die noch keine einzige Frau im Vorstand haben. Das sind derzeit 103 von 160 börsennotierten Unternehmen in Deutschland. Also fast zwei Drittel. Wir haben auf der anderen Seite auch eine Liste der Firmen, die ein ausgeglichenes Verhältnis im Vorstand haben. Das sind aktuell drei. Wir zeigen besonders gern, wo es vorbildlich zugeht, so dass sich andere daran orientieren können – leider gibt es noch nicht so viele gute Beispiele.

          Die Firmen müssen Zielvorgaben benennen, um Frauen zu fördern. Klappt das?

          Unternehmen sind gesetzlich verpflichtet, ihre Planung für einen höheren Frauenanteil auf den obersten drei Führungsebenen zu veröffentlichen. 58 von 160 Firmen haben im aktuellen Geschäftsbericht als Ziel angegeben, bis 2022 null Prozent Frauen im Vorstand erreichen zu wollen. Das zeigt ein – vorsichtig ausgedrückt – recht geringes Ambitionsniveau.

          Wer steht auf dieser „Null-Liste“?

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