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Business Women’s Day : „Deutsche Firmen fördern Frauen, aber befördern sie nicht“

Da stehen Unternehmen wie Rheinmetall oder RWE – aber auch solche, von denen man es überhaupt nicht erwarten würde wie beispielsweise Fielmann oder XT, aber auch Rocket Internet, Xing oder Zalando. Bei denen ist es völlig unverständlich, denn sie verstehen sich als fortschrittlich und zukunftsweisend, das ist Teil ihrer DNA. Warum sollte es bei Ihnen keine einzige Frau bis nach oben schaffen? Xing und Zalando sind dann auch in diesem Herbst umgeschwenkt.

Was ist passiert?

Zalando hatte jahrelang das Ziel „Null Frauen“ damit begründet, dass sie eine „schlanke Vorstandsstruktur“ haben, bestehend aus den drei Gründern. Im Frühjahr sind allerdings zwei Männer dazugeholt worden. Das stieß auf Unverständnis bei Kunden und Mitarbeitern, es gab einen regelrechten Shitstorm in den sozialen Medien. Jetzt hat Zalando eine strategische Kehrtwende eingeleitet und will den Frauenanteil im Vorstand und auf höheren Führungsebenen bis 2023 auf mindestens 40 Prozent bringen. Auch Xing ist vom Ziel „Null Frauen“ abgerückt und hat für 2020 eine Vorstandsvorsitzende berufen. Das hat natürlich eine starke Signalwirkung. Ein Unternehmen, das sich als modern und zukunftsfähig versteht, kommt heute nicht mehr ohne Frauen im Topmanagement aus.

Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) hat eine gesetzliche Quote gefordert. Ist das der richtige Weg?

Sich konkrete Ziele zu setzen und zuzusehen, dass sie auch erreicht werden – das ist das A und O, wenn man eine grundlegende Veränderung im Unternehmen erreichen will. Ob die gesetzlich vorgegeben sein müssen, das ist nicht so sicher: Die Länder, die einen viel höheren Frauenanteil an den Unternehmensspitzen haben als Deutschland, wie beispielsweise Schweden, die Vereinigten Staaten oder Großbritannien, die haben alle keine gesetzliche Quote. Dort hat aber in den Unternehmen ein echtes Umdenken stattgefunden, das in Deutschland bislang ausgeblieben ist – vielleicht auch, weil man sich immer in dieser Quotendiskussion verhakt, die eher eine Abwehrreaktion auslöst, anstatt darüber zu reden, welche Vorteile die deutsche Wirtschaft von diverseren Führungsteams hätte.

Was müsste geschehen?

Die öffentliche Einstellung zu diesem Thema ist sehr wichtig. In den Vereinigten Staaten und in Schweden ist es gar nicht mehr möglich, eine reine Männer-Führungsmannschaft zu präsentieren. Da ist das Bewusstsein schon viel größer, dass dort keine Bestenauslese stattfindet, sondern etwas anderes. In Deutschland geht das gerade erst los, aber es entwickelt sich. Den ersten richtigen Shitstorm, den wir dazu in Deutschland erlebt haben, war wohl 2018 der gegen Horst Seehofer, als er seine Führungsmannschaft für das Innenministerium präsentierte, die nur aus Männern bestand. Dieses Bewusstsein, dass etwas nicht stimmt, wenn nur Männer ein Ministerium führen, ist jetzt da, und es wächst.

Hilft der Fachkräftemangel den Frauen?

Der Fachkräftemangel könnte ein Veränderungsmotor sein. Schließlich gibt es mit den Frauen ein riesiges ungenutztes Arbeitskraftpotential. In Deutschland arbeiten sie sehr häufig in geringer Teilzeit, selbst wenn sie hervorragend ausgebildet sind. Im internationalen Vergleich gibt es kein anderes Land, in dem Frauen so wenig arbeiten wie hier. Schaffte man die Voraussetzungen dafür, dass vollzeitnahe Arbeit mit einer Familie zu vereinbaren ist, könnte sehr viel Potential gehoben werden, das jetzt noch brach liegt.

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