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Frankfurter Bus und Bahn : Der Kontrolleur, mein Freund und Helfer

  • -Aktualisiert am

Multilingual: Amir Anwar kontrolliert im Auftrag der VGF die Fahrscheine in einer Straßenbahn. Seine Fremdsprachenkenntnisse kommen ihm in seinen Beruf zugute. Bild: Patricia Kühfuss

Wer sich mit der VGF auf die Suche nach Schwarzfahrern macht, erlebt ein eingespieltes Team. Doch von wegen eintönig - die Mitarbeiter haben viel mehr zu tun, als nur die Tickets zu sichten.

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          Das war knapp. Eben noch wollte der Mann an der Haltestelle am Frankensteiner Platz in die Straßenbahnlinie 18 einsteigen. Den Finger hatte er schon am Türknopf. Dann entscheidet er sich in letzter Sekunde um. Wäre er eingestiegen, hätte ihn die Fahrt vermutlich 60 Euro gekostet. So viel müssen Schwarzfahrer seit dem 1. August zahlen, wenn sie innerhalb des Rhein-Main-Verkehrsbunds (RMV) ohne gültigen Fahrschein erwischt werden.

          Der Grund für den plötzlichen Sinneswandel des Mannes ist Amir Anwar, der seinen Kopf eine Tür weiter aus dem Abteil gestreckt hat. Der 35 Jahre alte Fahrkartenkontrolleur ist an seiner Dienstkleidung deutlich als solcher zu erkennen: ein weißes Hemd und eine schwarze Umhängetasche, auf denen das grüne Logo der Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF) prangt. Vor der Brust tragen er und seine Kolleginnen Anke Gauß und Nancy Härtling, mit denen er an diesem Tag im Team arbeitet, für jedermann sichtbar, ihre Dienstausweise. Weil sie dank der Kleidung nicht zu übersehen seien, komme es öfter vor, dass ein Fahrgast gar nicht erst einsteige oder aber hektisch die Flucht ergreife, sagt Anwar.

          Kontrolleure sind auch Berater

          Kontrolleure in Zivil gibt es in Frankfurt seit 2010 nicht mehr. Seitdem hat die VGF ihrem Prüfdienst einen neuen Aufgabenschwerpunkt verordnet: Statt hauptsächlich Fahrscheine zu kontrollieren und Bußgelder zu verhängen, sollen die Mitarbeiter nun Ansprechpartner für die Fahrgäste sein. Sie sollen Tarif- und Fahrplanauskünfte geben, ein offenes Ohr für Wünsche und Beschwerden haben und - wo immer es nötig ist - helfend zur Hand gehen.

          Die Service-Philosophie kommt bei den Fahrgästen offenbar gut an. Viele kommen an diesem Montagvormittag auf die Prüfer zu, um Fragen zu stellen. Ein junger Mann möchte wissen, wie weit er mit seinem Ticket fahren darf. Eine Frau mit Kinderwagen ärgert sich darüber, dass aus ihrer Sicht zu viele Fahrradfahrer die Straßenbahnen nutzen. Härtling zeigt Verständnis und ermutigt die Frau, ihre Kritik direkt an den Kundenservice zu schreiben. An einer Station wartet ein Rollstuhlfahrer. Anwar steigt aus und packt beherzt mit an. Der Mann ist froh über die Einstiegshilfe.

          Türkisch zu sprechen kann helfen

          Am Lokalbahnhof möchte ein rumänischer Fahrgast wissen, wie er am besten nach Dietzenbach kommt. Der Mann hält eine Bierdose in der Hand. Er hat eine Fahne und wankt schon ein wenig. Anwar gibt trotzdem freundlich Auskunft und verabschiedet sich von dem Mann am Ende in dessen Landessprache. Alkoholkonsum werde in den Bahnen und Bussen der VGF toleriert, solange niemand dadurch belästigt werde, erklärt Anwar.

          Fremdsprachenkenntnisse sind keine Voraussetzung, um beim Fahrkartenprüfdienst zu arbeiten. Sie können aber helfen. Besonders oft werde sie auf Türkisch angesprochen, sagt Gauß. Weil sie aber nur Deutsch und Englisch spreche, sei sie froh, wenn ein sprachkundiger Kollege dabei sei. So wie Anwar, der fünf Sprachen beherrscht und daneben noch ein paar Brocken Türkisch und Rumänisch spricht. Die 34 Jahre alte Härtling hat lange in Brüssel gelebt und ist fließend in Französisch, Englisch und Arabisch.

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