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Hygieneprobleme : Frankfurter Burger-King-Filialen vor dem Aus

  • -Aktualisiert am

Alles Käse: Auch diese Filiale an der Mainzer Landstraße in Frankfurt darf laut Burger King nicht mehr so heißen. Bild: Frank Röth

Mangelnde Hygiene und schlechte Arbeitsbedingungen haben den Betreiber vieler Burger-King-Filialen im Rhein-Main-Gebiet in Verruf gebracht. Nun hat der Konzern sich fristlos von dem Franchisenehmer getrennt. Noch werden dort Burger verkauft.

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          In der Burger-King-Filiale an der Frankfurter Liebfrauenstraße herrscht Fast Food as usual. Vor der Theke stehen Schlangen hungriger Jugendlicher, dahinter Servicekräfte unterschiedlicher Herkunft, und noch weiter hinten in der Küche stapeln flinke Hände Brötchen, Bratlinge und Salat im Akkord. Nichts weist am Mittwochmittag auf die Nachricht hin, mit der der Dachkonzern Burger King Europe am Morgen eine lange Geschichte um Hygieneskandale, schlechte Arbeitsbedingungen und Rechtsstreitigkeiten zu beenden schien.

          Tim  Kanning

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Das Unternehmen habe mit sofortiger Wirkung alle 89 Franchiseverträge mit der Yi-Ko Holding gekündigt, teilte Burger King Europe mit. Die Holding mit Sitz in Stade bei Hamburg hat bislang über seine Burger King GmbH mehrere Restaurants im Rhein-Main-Gebiet betrieben. In Frankfurt zählen neben der Zweigstelle an der Neuen Kräme auch die beiden Restaurants an der Mainzer und der Hanauer Landstraße sowie im Hessen-Center und an der Borsigallee dazu, außerdem je zwei in Wiesbaden und Mainz.

          Schweigsame Parteien

          Auf seiner Internetseite betont Burger King Europe, dass der Franchisenehmer den Namen, die Logos und die Produkte des Konzerns, „rechtlich betrachtet“, seit Dienstag, als die Kündigung offiziell ausgesprochen wurde, nicht mehr verwenden dürfe. Da an den jeweiligen Standorten allerdings in der Regel Pachtverträge der Holding bestehen, kann Burger King sie auch nicht einfach übernehmen oder von einem anderen Franchisenehmer weiterführen lassen. Wie es auf der Homepage weiter heißt, hat das Unternehmen versucht, mit der Yi-Ko Holding eine Übernahme der Restaurants durch einen Investor zu verhandeln. Das Angebot sei aber abgelehnt worden.

          Auf welcher Grundlage Yi-Ko seine Frankfurter Filialen dennoch weiterbetrieb, dazu äußerte sich das Unternehmen nicht. Auch was die Holding nun mit den bisherigen Burger-King-Standorten vorhat, ob sie dort zum Beispiel andere Restaurantkonzepte umsetzen wolle, wollte in Stade niemand kommentieren. Gleichsam schweigsam gab sich auch der in München sitzende Franchisegeber Burger King Europe auf die Frage, ob oder wie der Dachkonzern gegen den vermutlichen Rechtsverstoß vorgehen wolle.

          Über 320 Arbeitsklagen

          Die Yi-Ko Holding ist vor allem durch eine Fernsehreportage des Journalisten Günter Wallraff in Verruf geraten. Im Mai dieses Jahres war darin unter anderem zu sehen, dass in einigen Lokalen der Holding abgelaufene Lebensmittel verwendet wurden und die Küchenmitarbeiter teils auch die Toiletten reinigen mussten. Daraufhin ist auch in vielen Burger-King-Restaurants von anderen Franchisenehmern der Umsatz zurückgegangen.

          Außerdem waren immer wieder Klagen von Mitarbeitern laut geworden. Mehr als 320 arbeitsrechtliche Verfahren hat allein die Gewerkschaft Nahrung Genuss Gaststätten (NGG) mit ihren Mitgliedern in den vergangenen eineinhalb Jahren gegen Yi-Ko geführt. Es ging etwa um zu spät oder gar nicht gezahlte Löhne und ausgebliebene Gehaltszahlungen in Krankheitsfällen. Vor allem Betriebsräte sind laut der NGG immer wieder unter Druck gesetzt, besonders streng kontrolliert und dann entlassen worden. Auch Mitarbeiter der Frankfurter Schnellrestaurants haben gegenüber dieser Zeitung im Mai von solchem Vorgehen berichtet.

          Gefahr der Rufschädigung

          Kurz nach Bekanntwerden der Missstände hatte der Konzern eigene Manager in die Holding entsandt und den bisherigen Geschäftsführer Ergün Yildiz abgesetzt. Wie Burger King Europe berichtete, ist danach einiges besser geworden. 90 Prozent der laufenden Gerichtsverfahren gegen Yi-Ko seien innerhalb von 90 Tage beigelegt worden. Doch dann hat der Franchisenehmer laut Burger King Europe wieder angefangen, gegen Vereinbarungen zu verstoßen. Als Gründe für die plötzliche Kündigung nannte der Konzern vor allem die weiterhin schlechten Arbeitsbedingungen. Die Holding habe etwa wiederholt gegen Arbeitsverträge verstoßen und Schichten zu knapp besetzt.

          Die Gewerkschaft NGG war überrascht von dem radikalen Schritt von Burger King. Guido Zeitler, der bei der Gewerkschaft für die Systemgastronomie zuständig ist, nannte die Entscheidung zwar grundsätzlich richtig. Allerdings müsse nun auch geschaut werden, was mit den Mitarbeitern in den betroffenen Filialen geschehe. Da Yi-Ko die Pachten und Löhne ja weiter zahlen müsse, sei das Insolvenzrisiko jetzt sehr hoch. Viele Angestellte der Holding hätten bereits besorgt in den Regionalbüros der NGG angerufen. Ihnen könne die Gewerkschaft im Moment nur empfehlen, wie gehabt zur Arbeit zu erscheinen.

          Der Deutschlandchef der amerikanischen Fast-Food-Kette, Andreas Bork, betonte, dass die Kündigung von Yi-Ko nötig gewesen sei, um die übrigen 165 Franchisenehmer mit mehr als 25.000 Mitarbeitern in Deutschland vor einer weiteren Rufschädigung zu bewahren. Welche Burger-Bratereien im Rhein-Main-Gebiet nicht zu Yi-Ko gehören, zeigt ein Blick in den Filialfinder der Kette im Internet. Die Restaurants etwa an der Liebfrauenstraße und der Mainzer Landstraße werden dort nicht mehr angezeigt, jene im Hauptbahnhof, die ein anderer Betreiber führt, schon.

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