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Frankfurts neue Oper : In einer stolzen Tradition

Die ersten Entwürfe stehen: So könnten Bühne und Sitzreihen der neuen Frankfurter Oper aussehen. Bild: Simulationen Wentz & Co.

Elf Frankfurter Bürger legen einen Plan für den Neubau der Oper vor. Sie schließen damit an eine alte Tradition an. Doch wie demokratisch ist ihr Vorhaben? Ein Kommentar

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          Martin Wentz ist ein Mann vieler Begabungen: Als Politiker und Projektentwickler ein Profi, durch Erfahrung und Neigung auch in Architektur und Kultur bewandert. Die Debatte über die Zukunft der Bühnen in Frankfurt bringt alle diese Saiten im früheren Planungsdezernenten zum Klingen. Man kann seit Beginn der Diskussion vor anderthalb Jahren geradezu körperlich spüren, dass ihn schmerzt, wie verzagt der Magistrat mit der Jahrhundertchance umgeht.

          Wentz hat nun mit zehn anderen Frankfurter Persönlichkeiten ein Stiftungsmodell für den Neubau der Oper entwickelt. Das Memorandum der Stifter-Elf zeugt in jeder Zeile von der planungs- und stiftungsrechtlichen Sachkunde, der politischen Erfahrung und diplomatischen Klugheit der Autoren. Es ist so vorsichtig formuliert, dass gar nicht erst der Eindruck entstehen kann, hier sollten die städtischen Entscheidungsträger von besserwisserischen Privatleuten fremdbestimmt werden. Es ist als freundliches Angebot gemeint.

          Die Initiatoren stellen sich in eine stolze Tradition, die in Frankfurt vom späten 18. bis ins frühe 20. Jahrhundert ihre Blüte erlebte: Fast alle großen Institutionen (vom Städel bis zur Universität) und Bauwerke (vom Zoo bis zur Festhalle) wurden von engagierten Bürgern angestoßen und maßgeblich mitfinanziert. Zu bewundern ist nicht nur das ehrenamtliche Engagement, sondern auch der Mut der heutigen potentiellen Stifter. Sie wagen sich weit vor, wenn sie sich zutrauen, 50 Millionen Euro an Spenden einzuwerben. Allein schon, dass ein Mann wie der Unternehmer Claus Wisser dabei ist, lässt die kühne Ansage als realistisch erscheinen.

          Für den absehbaren Fall, dass es tatsächlich zu einem Neubau kommen wird, ist es an der Stadt, die Chance zu nutzen. Die ersten Signale sind positiv ausgefallen; kein Wunder, verspricht das Stiftungmodell der Stadt doch eine finanzielle Lastenteilung, die Freiräume für andere Vorhaben schafft. Und womöglich lässt sich noch eine zweite Stiftung für das Schauspiel gründen. Den städtischen Vertretern wird der demokratisch nötige Einfluss auf die Stiftung garantiert. Der sollte auch die Vorgabe einschließen, über die Architektur doch etwas großherziger nachzudenken, als es die Initiatoren bisher tun. Ihr Wunsch, irgendwie an die Gestalt der abgängigen Theaterdoppelanlage anzuknüpfen, ist unangebracht defensiv. Hier müssen die besten Architekten frei gestalten können. Aber das war schon der einzige Kritikpunkt.

          Matthias Alexander
          Stellvertretender Ressortleiter im Feuilleton.

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