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Frankfurter Schau 2020 : Die Buchmesse wagt das Richtige

Aussicht: Ein Schild mit dem Termin der diesjährigen Buchmesse steht in einem Fenster im Gebäude des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels Bild: dpa

Die zur Binsenweisheit herabgesunkene Erkenntnis, dass nach Corona nichts mehr so sein wird, wie es war, gilt auch für die Frankfurter Buchmesse. Da lässt sich vieles ausprobieren.

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          Wenn eine Absage keine Option ist, bleibt als Möglichkeit nur eine Schatten-Messe. Über nichts anderes reden wir hier. Denn eine Hochrisiko-Veranstaltung will niemand. Die mittlerweile zur Binsenweisheit herabgesunkene Erkenntnis, dass nach Corona nichts mehr so sein wird, wie es war, gilt auch für den weltgrößten Marktplatz, auf dem Ideen und Inhalte umgeschlagen werden. Aber so groß kann und wird die nächste Ausgabe nicht sein, wenn sie denn angesichts der vielen Unwägbarkeiten überhaupt stattfindet. Es werden viel weniger Aussteller und Besucher kommen. Und auf etliches, was den Reiz der Buchmesse ausmacht, werden wir verzichten müssen.

          So fällt das große Literaturbetriebsfest aus: Empfänge und Partys werden mit ziemlicher Sicherheit ebenso gestrichen wie Lesungen Prominenter in den Messehallen und anderswo. Zudem alles, was in den vergangenen Jahren dazu beitrug, die Frankfurter Bücherschau als Leser-Messe zu profilieren. Menschentrauben an den Ständen, dichtes Gedränge bei Lesungen – undenkbar. Stattdessen dürfte der längst nicht mehr allein auf das gedruckte Wort beschränkten Messe ihre Lust an der Digitalisierung und dem kreativen Umgang mit neuen Medien zugute kommen. Da lässt sich vieles ausprobieren.

          Entwurf für eine rosigere Zukunft

          Aber muss unter diesen Umständen eine solche Messe sein? Unbedingt. Und sei es nur als Erinnerung an das Ereignis, das sie einmal war und wieder werden soll. Als Entwurf für eine rosigere Zukunft. Es geht um Kontinuität, um die Identitätder Stadt, auch um den Verlagsstandort Frankfurt und eine gebeutelte Branche. Fände die Buchmesse in München statt, ein Szenario, das vor einigen Jahren drohte, würde sie in diesem Jahr wohl nicht stattfinden. Aber in Hessen sieht man manches doch ein bisschen anders als in Bayern, und die Landespolitik weiß ebenso wie die städtische um die Bedeutung der Buchmesse. Für das internationale Ansehen. Für das Frankfurter Lebensgefühl.

          Vergleiche mit dem Oktoberfest sind absurd, zu dessen Markenkern engste Tuchfühlung und Ausschweifungen jeder Art zählen. Wenn nicht das Buchmessenpublikum, welches wäre dann ist in der Lage, Hygienevorschriften zu beachten und sich gesittet zu benehmen. Zwar mag es manchen tollkühn vorkommen, was die Buchmesse wagt. Aber es ist das Richtige.

          Michael Hierholzer

          Kulturredakteur der Rhein-Main-Zeitung.

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