https://www.faz.net/-gzg-a0y41

Buch- und Musikmesse : Retten, was zu retten ist

Verwässerung des Profils der Buchmesse? Nicht alle begrüßen die Terminüberschneidung. (Archiv) Bild: dpa

Das Ringen um die Terminvergabe hat ein Ende. Die Frankfurter Buch- und Musikmesse überschneiden sich 2021 – doch mehr Gemeinsamkeiten gibt es derzeit nicht.

          2 Min.

          Die Verwirrung ist groß. Das Konzept für ein Frankfurter Kreativfestival mit Buchmesse, Musikmesse, Gaming-Anbietern und anderen „Content“-Lieferanten ist nach Informationen dieser Zeitung vorerst vom Tisch. Was davon übrig bleiben wird, steht derzeit in den Sternen. Als gesichert gelten derzeit nur die Veranstaltungsdaten der Buchmesse und der Musikmesse im nächsten Jahr: Die Bücherschau soll vom 20. bis 24. Oktober stattfinden, die Musikmesse vom 22. bis 24. Oktober und damit entkoppelt von der sie in den vergangenen Jahren begleitenden Prolight + Sound, einer Messe für Veranstaltungstechnik. Diese soll 2021 vom 13. bis 16. April durchgeführt werden.

          Michael Hierholzer

          Kulturredakteur der Rhein-Main-Zeitung.

          Florian Balke

          Kulturredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Christian Riethmüller

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Am Dienstag wollte Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) eigentlich die hochfliegenden Pläne vorstellen. Doch die Pressekonferenz wurde abgesagt, nachdem die Kooperationsabsichten bekanntgeworden waren und ein Teil der Buchbranche entsetzt darauf reagierte. Viele sahen die Eigenständigkeit der Buchmesse bedroht und fürchteten eine Übernahme durch marketing- und eventorientierte Kräfte. Die Buchmesse-Verantwortlichen ruderten zurück und versicherten, die Großveranstaltung werde auch weiterhin ihren Charakter behalten und im Kern nicht verändert. Auch die Stadt zögerte nicht, darauf hinzuweisen, dass sie ein großes Interesse daran habe, das Profil der Buchmesse nicht zu verwässern.

          „Ich halte eine Entzerrung für sinnvoll“

          Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) sagte am Dienstag im Gespräch mit dieser Zeitung, sie halte das Vorhaben für „unglücklich“, Musikmesse und Buchmesse sich überschneiden zu lassen. Vorgesehen war, an den beiden Publikumstagen des Buchmesse-Wochenendes beide Veranstaltungen parallel laufen zu lassen und durch Konzerte und anderes zu bereichern. Inwieweit an dieser Idee festgehalten wird, ist derzeit noch unklar. „Ich halte eine Entzerrung für sinnvoll, um die Eigenständigkeit beider Messen zu erhalten“, sagte Hartwig. Sie könne sich aber vorstellen, dass branchenübergreifende Themen wie Urheberrechte oder die Verteidigung der Meinungsfreiheit etwa in Form eines Kongresses während der Buchmesse auf die Agenda kommen.

          Ob der Kongress zum Thema „Creative Content“ mit der seit einigen Jahren in die Buchmesse integrierten Bildende-Kunst-Plattform „The Arts +“ und der Musikmesse stattfinden wird, ist gegenwärtig auch nicht sicher. Die Verantwortlichen der Frankfurter Messegesellschaft und der Buchmesse halten sich bedeckt. Wie allerdings zu erfahren ist, wird hinter den Kulissen hektisch daran gearbeitet, wie alle Beteiligten aus der verfahrenen Situation herauskommen.

          Börsenvereinsvorsteherin Karin Schmidt-Friderichs betonte, die Marke Frankfurter Buchmesse sei in aller Welt bekannt und geachtet, allein diese Marke gelte es zu erhalten und auszubauen. Sie fügte andererseits hinzu, man sei an „Schnittstellen und Kooperationen“ stets interessiert. Offenbar will sie der Buchmesse einen gewissen Spielraum beim Versuch lassen, gesichtswahrend zu retten, was an den von der Bücherschau mit angestoßenen Plänen noch zu retten ist. Solange es nicht dazu führt, dass der Börsenverein und die Buchmesse zum Bestandteil von etwas Größerem werden, das sie nur zusammen mit anderen Beteiligten lenken können.

          Scharfe Worte fanden dazu die Grünen im Römer: Die Buchbranche sei zwar von Strukturwandel und Corona-Krise gebeutelt, trotzdem brauche sie keinen „zusammengewürfelten kreativen Gemischtwarenladen, der die Marke Buchmesse in kürzester Zeit verwässern und bedrohen“ würde. Es dürfe im Herbst kein „Teller bunte Knete“ präsentiert werden.

          Weitere Themen

          Fünf Jahre lang ohne Arbeit das volle Gehalt

          Aus für Frankfurter Firma : Fünf Jahre lang ohne Arbeit das volle Gehalt

          Am 31. März endet nach gut 130 Jahren die Geschichte der Frankfurter Werkzeugfabrik Günther & Co. 210 Beschäftigte verlieren ihre Arbeit. Der Sozialplan kann sich sehen lassen. Es hakt aber noch an Details. Und dann ist da noch das Betriebsgelände.

          Zum ersten Mal auf dem neuen alten Goetheturm Video-Seite öffnen

          Wahrzeichen steht wieder : Zum ersten Mal auf dem neuen alten Goetheturm

          Er erstrahlt fast wieder in seinem alten Glanz - der Frankfurter Goetheturm. Und gäbe es Corona nicht, würde Frankfurt dieses Wochenende zu einer Eröffnungsfeier einladen. Zumindest ein kleiner Kreis konnte das Wahrzeichen am Freitag schon mal genauer in Augenschein nehmen.

          Einkommen leiden kaum unter Corona

          Frankfurter Studie : Einkommen leiden kaum unter Corona

          Die meisten Haushalte haben im vergangenen halben Jahr durch die Corona-Krise keine finanziellen Einbußen erlitten. Das zeigt eine Frankfurter Studie. 83 Prozent der Befragten gaben an, ihre Einkünfte seien gleichgeblieben oder hätten sich verbessert.

          Topmeldungen

          Frauen demonstrieren kurz nach Donald Trumps Amtseinführung im Januar 2017 in Washington

          Entscheidende Wählergruppe : Trumps Frauen-Problem

          Frauen in den Vorstädten könnten über den Sieg bei der amerikanischen Präsidentenwahl entscheiden. Donald Trump umwirbt diese Wählergruppe intensiv. Nicht alle der Angesprochenen finden sein Vorgehen gut.
          Niemand weiß, was die Zukunft bringt – auch die Banker nicht.

          Kosten der Anlageverwaltung : Friede den Aktien, Krieg den Gebühren!

          In Sachen Geldanlage sind nur zwei Dinge sicher: die Vergangenheit und die Kosten. An den Gebühren verdienen Banken, die die Zukunft ebenso wenig kennen wie der Anleger. Ein Plädoyer für den Mut, das Vermögen selbst zu verwalten.
          Christian Lüth (Mitte) auf dem 8. Bundesparteitag der AfD im Congresszentrum in Hannover am 02. Dezember 2017.

          Pro-Sieben-Doku über Rechte : Das ist kein „Vogelschiss“

          Auf die Pro-Sieben-Doku „Rechts. Deutsch. Radikal“ reagiert die AfD schnell. Den einstigen Sprecher Christian Lüth, der meinte, man könne Migranten „erschießen“ oder „vergasen“, setzt sie vor die Tür. Der Reporter Thilo Mischke hat aber nicht nur deshalb Großes geleistet.
          Kein Betrieb wegen Streik: leerer U-Bahnhof in München

          Streik im Nahverkehr : Mehr als 10.000 Bus- und Bahnfahrer im Ausstand

          Millionen Pendlern und Schülern drohen am Dienstag massive Behinderungen auf dem Weg zur Arbeit und zum Unterricht: Bundesweit streiken heute Mitarbeiter des öffentlichen Nahverkehrs. Viele Busse und Bahnen werden wohl in den Depots bleiben.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.